Das Bluetentagebuch

Helene Westphal

Schreibt auf Das Blütentagebuch

Über Helene

Die Stiele schneide ich kurz und schräg, den ganzen Tag mit den Händen in Wasser und Erde, seit dreizehn Jahren in meinem eigenen kleinen Blumenladen im Bremer Viertel: ein schmaler Altbau-Laden mit schiefen Holzregalen und einer Messingglocke an der Tür. Samstags hilft Mina im Laden, sie studiert Sozialpädagogik und stellt mir öfter Fragen, auf die ich keine fertige Antwort habe, als sie ahnt. Keine Heilpraktikerin, keine Energiearbeiterin, keine Coach schreibt hier, nur eine Floristin, 41 Jahre alt, die abends versucht zu verstehen, was mit ihr passiert.

Meine Mutter Ingrid starb im März 2024 an Bauchspeicheldrüsenkrebs, sieben Wochen nach der Diagnose. Ich hatte gedacht, mit dem Tod umgehen zu können, immerhin gehört Trauerfloristik zu meinem Alltag, ich kenne das Ritual, ich kenne die Kränze. Nach der Beerdigung kam trotzdem etwas anderes: kein Trauern im gewöhnlichen Sinn, eher das Gefühl, dass ein ganzer Raum in mir leer geworden war und ich nicht wusste, wie ich ihn wieder füllen sollte.

Roswitha Feddersen, die seit zwölf Jahren jeden Freitagvormittag in den Laden kommt, drückte mir kurz nach der Beerdigung einen gefalteten Zettel in die Hand. Nur ein Name stand darauf, eine Schamanin in Worpswede, kein weiteres Wort. Im August 2024 bin ich hingefahren, für eine Einzelsitzung, zwei Stunden. Danach wusste ich nicht, was passiert war, aber etwas hatte sich bewegt.

Seit Anfang 2025 fahre ich einmal im Monat am Samstag nach Worpswede, zu einem kleinen Frauenkreis der Schamanin. Acht Frauen, kein offizieller Kurs, kein Zertifikat, nur Trommeln, Reisen, zusammen sitzen. Lore Ahlers aus Verden sitzt seit dem allerersten Samstag neben mir, still während der Sitzung, danach umso gesprächiger. Im Februar 2026 habe ich mich zum ersten Mal für ein strukturiertes einjähriges Online-Programm angemeldet. Ich zahle monatlich einen Betrag, den ich mir eigentlich nicht leisten sollte. Jetzt bin ich im zweiten Monat.

Ein A5 Moleskine-Notizbuch führe ich seit August 2024, jeden Sonntagabend zwei Seiten, manchmal mehr, manchmal nur drei Sätze. Trifft mich ein Moment in einer Sitzung oder Übung besonders, presse ich am nächsten Arbeitstag eine Blüte aus dem Laden zwischen die Seiten: eine Anemone für Klarheit, eine Pfingstrose für die großen Momente, ein Eukalyptuszweig für die harten Wochen. Über zwanzig getrocknete Blüten liegen inzwischen zwischen den Seiten.

Ich lebe allein in einer Altbauwohnung im Bremer Viertel, mit einer 15 Jahre alten schildpattfarbenen Katze namens Zwetschge, die meistens auf dem Küchenfensterbrett liegt.

Schreiben tue ich, wie ich Blumen binde: mit zu viel Gefühl, mit Pausen, ohne zu wissen, ob das Ergebnis gut ist, bis ich einen Schritt zurücktrete.

Zu lesen sind hier persönliche Sonntagabend-Notizen aus einer Reise, die noch lange nicht zu Ende ist, nicht mehr und nicht weniger. Wer mit schwerer Trauer, Depression oder anderen psychischen Belastungen kämpft, sollte sich zuerst an den Hausarzt oder eine approbierte Psychotherapeutin wenden. Ein Online-Kurs oder eine spirituelle Ausbildung waren dafür bei mir kein Ersatz, und sie werden es auch für andere nicht sein.

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Manche Links auf dieser Seite sind Partnerlinks. Bucht oder kauft jemand darüber, ändert sich am Preis nichts, ich bekomme aber eine kleine Provision. Geteilt werden nur Kurse und Ausbildungen, die ich selbst gebucht und bezahlt habe und die im Tagebuch tatsächlich vorkommen. Vor einer längeren Ausbildung (über 1.000 Euro oder über 12 Monate) lohnt sich immer ein eigener Blick in die Vertragsbedingungen beim Anbieter. Rechtsberatung ist das hier nicht, nur eine ehrliche Einschätzung aus eigener Erfahrung.