Das Bluetentagebuch

Meine erste schamanische Einzelsitzung zur Heilung der Trauer um meine Mutter

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Draußen peitscht der Bremer Regen gegen die Scheiben des Ladens, aber drinnen riecht es nach feuchter Erde und den letzten hellblauen Anemonen, die ich heute Morgen für ein Gesteck angeschnitten habe. Es ist Sonntagabend. Zwetschge hat sich auf ihrem Platz auf dem Küchenfensterbrett zusammengerollt, ein kleiner, schildpattfarbener Pelzhaufen, der nichts von den Fragen weiß, die mich heute wieder umtreiben.

Ich sitze an meinem Küchentisch, das Moleskine vor mir, und blättere zurück zu den ersten Seiten vom August 2024. Damals war der Schmerz um den Tod meiner Mutter Ingrid noch so scharf wie eine frische Schnittkante an einem Rosenstiel. Sie starb im März 2024 an Bauchspeicheldrüsenkrebs, nur sieben Wochen nach der Diagnose. Ich dachte, ich wüsste, wie man trauert – schließlich binde ich seit 13 Jahren Kränze für das Viertel. Aber die Kränze halfen nicht gegen den leeren Raum, der plötzlich in mir klaffte.

Bevor ich dir von diesem Nachmittag in Worpswede erzähle: Ein kleiner Hinweis. In meinem Tagebuch erwähne ich Kurse und Programme, die ich selbst besuche. Wenn du über die Links hier etwas buchst, erhalte ich eine Provision. Für dich bleibt der Preis gleich. Ich teile das nur, weil es mein echter Weg ist – ich bin keine Beraterin, sondern Floristin. Bevor du viel Geld für Ausbildungen ausgibst, lies dir die Verträge genau durch. Ich bin keine Juristin und mein Weg ist nur ein Beispiel.

Der Weg ins Moor – Zwischen Angst und Verzweiflung

Es war ein schwüler Nachmittag im August 2024, als ich das erste Mal nach Worpswede fuhr. Meine Hände rochen noch nach Eukalyptus und dem kalten Blumenwasser aus dem Laden. Eine Stammkundin hatte mir die Nummer der Schamanin gegeben. Ich fühlte mich wie eine Betrügerin an meiner eigenen Trauer. Ich wollte eigentlich gar nicht dorthin. In meinem Kopf versuchte ich sogar, die 120 Euro für die zwei Stunden als „Fortbildung für kreative Inspiration“ in meine Buchhaltung einzuplanen, weil ich mir nicht eingestehen konnte, wie verzweifelt ich Hilfe brauchte.

Ich parkte am Waldrand. Die Luft war schwer. In der Praxis der Schamanin angekommen, verschwamm alles ein wenig. Ich weiß noch, wie der Dampf des Kräutertees meine Sicht trübte und ich mich fragte, was ich hier eigentlich mache. Während sie mir erklärte, was eine Einzelsitzung ist, wanderte mein Geist zurück in meinen Laden. Ich dachte an das undichte Dach über dem Bindetisch, das ich reparieren lassen musste, und fühlte mich sofort schuldig. Hier sollte es um mein „inneres Licht“ gehen, und ich sorgte mich um Dachziegel.

Wenn die Trommel den Verstand überholt

Ich bin ein Mensch, der mit den Händen arbeitet. Ich brauche das Konkrete. Aber als sie anfing zu trommeln, passierte etwas, das ich nicht kontrollieren konnte. Es war kein sanftes Plätschern, sondern eine Vibration, die direkt in meine Knochen ging. In diesem Moment geschah etwas Seltsames in meinem Körper: Ein plötzlicher, stechender Kälteschmerz zog durch mein Sonnengeflecht, als hätte jemand ein Fenster in meinem Bauch aufgerissen.

Ich dachte kurz, ich müsste aufstehen und gehen. Aber dann, als die Trommel aufhörte, folgte eine Wärme, die sich anfühlte wie eine schwere Wolldecke, die mir meine Mutter früher um die Schultern gelegt hat, wenn ich als Kind krank war. In diesem Raum in Worpswede, mit dem Gefühl von feuchtem Moos unter meinen Fingernägeln (obwohl ich auf einer Liege lag), verstand ich zum ersten Mal: Innere Leere füllen nach einem Todesfall bedeutet nicht, sie wegzumachen. Es bedeutet, den Raum begehbar zu machen.

Ich habe in dieser Sitzung nicht „geheilt“. Aber etwas hat sich bewegt. Ich habe gelernt, dass meine Trauer kein Welken ist, das man aufhalten kann, sondern ein Umtopfen in eine Erde, die ich noch nicht kenne.

Vom Einzeltreffen zum Jahresweg

Nach diesem Tag im August 2024 war nichts mehr wie vorher. Ich suchte nicht mehr nach dem schnellen Trost. Ich ging ab Anfang 2025 einmal im Monat zum Frauenkreis in Worpswede. Wir saßen dort zu acht, ohne Zertifikate, nur mit unseren Geschichten. Es hat mir geholfen zu sehen, wie ein schamanischer Frauenkreis mein Leben im Alltag verändert, auch wenn ich montags wieder ganz normal Blumen für Hochzeiten band.

Seit Februar 2026 bin ich nun einen Schritt weitergegangen. Ich habe mich für das Online-Programm POWER OF LOVE angemeldet. Es ist ein großes Commitment, auch finanziell. Jeden Monat wird ein Betrag von meinem Konto abgebucht, den ich als kleine Floristin eigentlich zweimal umdrehen müsste. Aber es ist wie mit gutem Dünger: Man sieht das Ergebnis nicht sofort, aber die Struktur der Pflanze verändert sich.

In dem Programm begleiten uns die 13 Clanmütter. Das klingt für manche vielleicht seltsam, aber für mich, die ihre eigene Mutter so schnell verloren hat, ist diese Form der weiblichen Führung ein Halt. Es geht dort viel um Ahnenarbeit und das Heilen alter Wunden. Ich bin jetzt im zweiten Monat und merke, wie langsam alles geht. Es ist kein Sprint.

Ein wichtiger Gedanke zur Sicherheit

Ich möchte hier etwas sagen, was mir wichtig ist: Ich bin keine Therapeutin. Wenn du merkst, dass deine Trauer dich erdrückt oder wenn du eine Diagnose wie eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung hast, dann kann schamanische Arbeit allein manchmal zu viel sein. Die Tiefe einer Trommelreise kann Dinge aufwühlen, die man ohne professionelle Begleitung schwer wieder sortiert bekommt. Bitte sprich in so einem Fall unbedingt mit einer Psychotherapeutin oder deinem Hausarzt. Ein Online-Kurs ist ein wunderbares Werkzeug, aber kein Ersatz für eine medizinische Behandlung.

Was bleibt: Eine Anemone für die Klarheit

Am Tag nach meiner ersten Sitzung in Worpswede nahm ich eine blaue Anemone aus dem Laden mit nach Hause. Ich presste sie in mein Moleskine, genau zwischen die Zeilen über diesen Nachmittag. Inzwischen liegen über zwanzig Blüten in meinem Notizbuch. Jede steht für einen Moment, in dem ich dachte: „Ich kann das nicht“, und es dann doch tat.

Gestern Abend habe ich wieder eine Lektion aus dem POWER OF LOVE Programm bearbeitet. Es ging um das Annehmen der eigenen Schatten. Manchmal fühlt es sich an, als würde ich einen Strauß binden und zwischendrin merken, dass die Farben überhaupt nicht zusammenpassen. Dann muss ich alles wieder aufmachen, die Stiele neu sortieren und von vorne beginnen. Aber die Blumen werden nicht schlechter davon, sie werden nur ehrlicher.

Falls du auch gerade an einem Punkt stehst, an dem die Stille in deiner Wohnung zu laut ist: Vielleicht ist es nicht die Zeit für Antworten. Vielleicht ist es die Zeit, sich einfach mal auf den Boden zu setzen und zu lauschen, was die Trommel – oder das eigene Herz – zu sagen hat. Es muss nicht perfekt sein. Es muss nur echt sein.

Alles Liebe aus dem Viertel, deine Helene

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