Das Bluetentagebuch

Wie Haustiere unsere spirituelle Entwicklung begleiten und uns im Alltag erden

Es ist dieser eine Moment am Sonntagabend, wenn der Laden im Viertel schon lange abgeschlossen ist und nur noch der Geruch von feuchter Erde und zerdrückten Farnstielen in meinen Kleidern hängt. Ich sitze am Küchentisch, mein A5 Moleskine aufgeschlagen, und versuche, die Meditation der aktuellen Clanmutter aus meinem Online-Programm zu verinnerlichen. Aber Zwetschge, meine 15-jährige Schildpatt-Dame, hat andere Pläne. Sie läuft mit einer Eleganz, die nur alten Katzen eigen ist, direkt über die aufgeschlagenen Seiten, setzt sich mitten auf meine Notizen und starrt mich an. Ihr Blick sagt: Lass das mit dem Suchen, Helene. Ich bin schon da.

Hinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Wenn du über diese Links etwas kaufst, erhalte ich eine kleine Provision, während sich für dich am Preis absolut nichts ändert. Ich empfehle hier nur Dinge, die ich selbst für meine Reise nutze und für die ich monatlich bezahle. Bitte denk daran: Ich bin keine Ärztin oder Therapeutin, sondern teile meine persönlichen Erfahrungen. Bei tiefen seelischen Krisen ist ein Gespräch mit einem Profi oder Hausarzt immer der richtige erste Schritt. Hier findest du meine Offenlegung.

Zwischen Clanmüttern und Katzenfutter

Seit Februar 2026 bin ich nun in diesem strukturierten Jahresprogramm, und wir arbeiten uns durch die Weisheit der 13 Clanmütter. Es ist eine Reise, die mich oft an meine Grenzen bringt, besonders wenn ich abends erschöpft vom Binden der Grabgestecke nach Hause komme. Manchmal fühlt sich die Welt der schamanischen Reisen so weit weg an von meinen schmutzigen Fingernägeln und dem kalten Blumenwasser, in dem ich den ganzen Tag wühle. In diesen Momenten ist Zwetschge mein Anker.

Letzten März, als die feuchte Hitze schon fast unerträglich war, saß ich deprimiert in der Küche. Die monatliche Abbuchung für den Kurs stand an – ein Betrag, den ich mir als kleine Floristin eigentlich kaum leisten sollte – und gleichzeitig brauchte Zwetschge ihr spezielles Nierenfutter, das auch immer teurer wird. Ich fragte mich ernsthaft, ob Erleuchtung für jemanden wie mich überhaupt vorgesehen ist, oder ob ich einfach nur versuche, ein Loch zu füllen, das seit Ingrids Tod im März 2024 klafft.

Eine Katzenpfote auf einem aufgeschlagenen Notizbuch mit handgeschriebenen spirituellen Notizen.

Wenn die heilige Atmosphäre scheitert

Ich habe diesen Tick, dass ich versuche, eine 'heilige Atmosphäre' zu schaffen. Kerzen, ein bisschen Salbei, vielleicht ein Eukalyptuszweig auf dem Tisch. Letzte Woche wollte ich mich ganz tief auf eine Ahnenarbeit einlassen. Ich hatte alles bereitgelegt, aber Zwetschge fand den Eukalyptus so spannend, dass sie ihn im hohen Bogen vom Tisch fegte, direkt in mein Wasserglas. Ich habe laut geflucht, statt friedlich zu meditieren. So viel zum Thema spirituelle Meisterschaft.

Aber genau das ist es, was sie mir beibringt. Spiritualität ist nicht das perfekte Stillsitzen in einer Duftwolke. Es ist das, was übrig bleibt, wenn der Eukalyptus im Wasser schwimmt und man trotzdem weitermacht. Ich lerne gerade durch das Programm POWER OF LOVE, dass Liebe oft genau in dieser Unvollkommenheit liegt. Der Kurs wird von Thomas Young geleitet, der seit über 20 Jahren als Autor bekannt ist, und auch wenn es ein Online-Format ist, spüre ich die Verbindung zu den anderen Frauen – auch wenn wir uns nur über den Bildschirm sehen.

Es gibt Tage, da helfen mir die Power of Love Übungen bei Erschöpfung mehr als jeder Schlaf. Und Zwetschge ist immer dabei. Sie ist diejenige, die die Energie im Raum hält, während ich versuche, mein Herz wieder weit zu machen.

Das Schnurren als schamanische Trommel

Ein besonderer Moment passierte vor etwa vier Monaten, mitten in einer Phase, in der ich sehr viele Trauerkränze für den Laden binden musste. Diese Wochen ziehen mir oft die Kraft aus den Knochen. Ich lag am Abend einfach nur flach auf dem Teppich im Wohnzimmer, unfähig, mich zu bewegen. Zwetschge kam herbei und legte sich direkt auf mein Herz. Ihr raues, tiefes Schnurren vibrierte gegen mein Brustbein.

In diesem Augenblick passierte etwas Seltsames. Die Vibration ihres Schnurrens ergänzte sich perfekt mit den Rhythmen der Trommelaufnahmen, die ich oft aus meinen Sitzungen in Worpswede im Ohr habe. Es war, als würde sie meine eigene kleine Heilreise moderieren. Ein plötzliches Lösen der Anspannung in meinem Nacken war die Folge – nicht, weil ich eine komplizierte Technik angewendet hätte, sondern weil ich aufgehört habe, 'richtig' meditieren zu wollen, und einfach nur die Katze gestreichelt habe.

Die Hand einer Floristin streichelt sanft das Fell einer Schildpattkatze zur Beruhigung.

Sie praktiziert diese bedingungslose Liebe, von der im Kurs so oft die Rede ist, einfach ganz natürlich. Sie fragt nicht, ob ich heute eine gute Floristin war oder ob ich meine Hausaufgaben für das Modul gemacht habe. Sie ist einfach da. In solchen Momenten muss ich oft an meine Mutter Ingrid denken. Sie hätte über das ganze 'spirituelle Getue', wie sie es nannte, vermutlich laut gelacht. Aber Zwetschge hat sie genauso geliebt wie ich, und ich glaube, sie würde verstehen, warum die Katze jetzt meine wichtigste Lehrerin ist.

Hochsensibilität und die Grenzen der Nähe

Es gibt jedoch eine Sache, die ich in keinem Ratgeber finde: Was macht man, wenn man hochsensibel ist und die ständige Nähe des Tieres einen manchmal überreizt? Es gibt Tage, da ist mir jeder Reiz zu viel. Das Klingeln der Messingglocke an der Ladentür, das Rascheln von Seidenpapier, und dann kommt Zwetschge und will gestreichelt werden. Für Menschen wie mich kann diese permanente sensorische Anforderung die spirituelle Zentrierung fast verhindern, weil man sich schuldig fühlt, wenn man das Tier wegschiebt.

Ich lerne gerade, dass auch das Teil meiner Entwicklung ist: Grenzen zu setzen, ohne die Liebe zu verlieren. Es ist wie beim Binden eines Straußes – man kann nicht jede Blume in die Mitte quetschen, sie brauchen Luft zum Atmen, damit das Ganze wirkt. Ich nutze manchmal Techniken für energetischen Schutz, um bei mir zu bleiben, selbst wenn Zwetschge lautstark ihr Abendessen einfordert.

Falls du auch auf der Suche nach einem Weg bist, der dich tiefer mit dir selbst verbindet, könnte das Jahresprogramm eine Option sein. Es ist eine langfristige Begleitung, was mir sehr hilft, weil ich Zeit brauche, um Dinge zu verdauen. Die 13 Clanmütter geben dem Jahr eine Struktur, die ich in meinem oft chaotischen Alltag im Laden dringend brauche. Hier kannst du dir das Programm genauer ansehen.

Eine getrocknete Kamillenblüte wird als Symbol für Geduld in ein Moleskine-Tagebuch gelegt.

Geduld und eine gepresste Kamille

Heute Abend habe ich eine Kamillenblüte in mein Moleskine gepresst. Kamille steht für mich für Geduld und Sanftheit – Dinge, die ich oft vergesse, wenn ich zu streng mit mir selbst bin. Zwetschge liegt jetzt wieder auf dem Küchenfensterbrett und beobachtet den Nieselregen über Bremen. Sie ist jetzt seit 13 Jahren an meiner Seite, genau so lange, wie ich meinen Laden führe.

Vielleicht ist das die größte spirituelle Lektion: Dass wir nicht in den Himalaya reisen müssen oder perfekt schamanisch reisen können müssen, um Heilung zu finden. Manchmal reicht es, den Widerstand gegen den Alltag aufzugeben. Ich weiß immer noch nicht genau, wohin dieser Weg mich führt oder was ich am Ende mit all dem Wissen aus der Ausbildung anfangen werde. Aber wenn ich meine Hand in Zwetschges Fell vergrabe, fühle ich, dass etwas in mir heiler wird, ganz langsam, Blatt für Blatt.

Manchmal erkenne ich sogar Zeichen von Verstorbenen in der Art, wie sie mich ansieht. Es ist ein langer Weg seit jenem März 2024, aber ich bin nicht allein. Und wer weiß, vielleicht schaue ich mir irgendwann auch mal A TOUCH OF ALOHA an, wenn ich bereit für eine neue Brise bin – Thomas Young bietet da ja auch spannende Ansätze an, die mich neugierig machen, auch wenn ich gerade noch voll und ganz mit meinen Clanmüttern beschäftigt bin.

Für heute reicht es. Die Kerze ist fast abgebrannt, Zwetschge schläft, und morgen früh warten die ersten frischen Anemonen auf mich, die ich im Großmarkt abholen muss. Das Leben geht weiter, schrittweise, mit Pfotenabdrücken auf dem Tagebuch.

Mal kurz:
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