Das Bluetentagebuch

Wie die Power of Love Übungen mir bei Erschöpfung im Alltag helfen

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Es ist ein schwüler Samstagnachmittag im Juli, und die Luft in meinem Laden im Viertel steht so still, dass sich sogar die Farne in den Ecken kaum bewegen. Ich stehe seit sieben Stunden am Bindetisch, die Hände riechen nach dem klebrigen Harz der Eukalyptuszweige, und meine Beine fühlen sich an wie aus Blei gegossen. Es ist diese Art von Erschöpfung, die nicht im Rücken sitzt, sondern tiefer – irgendwo in dem Raum, der seit dem Tod meiner Mutter Ingrid im März 2024 leer steht.

Hinweis: In meinen Texten findest du manchmal Links zu Kursen oder Programmen, die ich selbst besuche. Wenn du darüber etwas buchst, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass es dich mehr kostet. Ich teile hier nur, was ich wirklich in mein A5 Moleskine schreibe und was einen Platz in meinem schmalen Regal gefunden hat. Aber wichtig: Ich bin Floristin, keine Ärztin oder Therapeutin. Wenn deine Erschöpfung tief sitzt oder die Trauer dich erdrückt, such dir bitte professionelle Hilfe bei einem Arzt oder einer Psychotherapeutin. Ein Online-Programm ist eine Stütze, aber kein Ersatz für medizinische Behandlung. Hier ist meine vollständige Offenlegung.

Der Moment, in dem die Beine zu schwer werden

Seit Anfang Juni 2026 bin ich nun im zweiten Monat des POWER OF LOVE Jahresprogramms. Ich hatte lange gezögert, mich anzumelden. Der monatliche Betrag ist etwas, das ich mir eigentlich nicht leisten sollte – nicht, wenn die Heizkosten für den Laden steigen und man nie weiß, wie viele Leute im nächsten Monat wirklich Blumen für eine Hochzeit bestellen. Aber als ich neulich wieder auf meinen Kontoauszug starrte, kam dieser kurze Moment des Zweifels, gefolgt von einem sehr klaren Wissen: Dieser leere Raum in mir ist die Investition wert. Er muss wieder weich werden.

Erschöpfung im Blumenladen ist eigentlich normal. Ich führe diesen Laden seit 13 Jahren, ich kenne das Stehen, das Schleppen von Wassereimern und das frühe Aufstehen. Aber die Erschöpfung in diesem Sommer ist anders. Sie fühlt sich nicht nach getaner Arbeit an, sondern nach einem inneren Stillstand. Manchmal stehe ich vor einer Kundin, die einen bunten Strauß für einen Geburtstag möchte, und ich merke, wie die Messingglocke an der Tür schrillt und ich innerlich einfach nur weg möchte. Nicht weg aus dem Laden, sondern weg von der Anstrengung, so zu tun, als wäre alles beim Alten.

Hände einer Floristin, die eine Anemone über ein Notizbuch halten.

Warum „Sich-einfach-lieb-haben“ manchmal alles schlimmer macht

In den ersten zwei Wochen des Programms dachte ich oft: Ach, das ist wieder so ein Ding, wo ich lernen soll, mich selbst zu lieben, damit alles gut wird. Aber genau da liegt die Falle. Ich habe gemerkt, dass mich diese ganzen Ratgeber, die einem sagen, man müsse nur positiv denken und sich morgens im Spiegel anlächeln, eigentlich nur noch müder machen. Es erhöht den inneren Druck. Es ist, als würde man versuchen, eine verwelkte Pfingstrose mit Haarspray aufrechtzuhalten – von außen sieht es kurz okay aus, aber innen ist sie trotzdem tot.

Meine besondere Entdeckung im POWER OF LOVE Programm war etwas anderes. Es geht nicht darum, die Erschöpfung mit „Licht und Liebe“ wegzudrücken. Thomas Young, der Autor hinter dem Programm, schreibt seit über 20 Jahren Bücher über das Herz, und man merkt, dass er nicht von oberflächlichem Glück spricht. In einer der Übungen ging es darum, die Erschöpfung einfach mal als Gast einzuladen, statt sie als Feind zu betrachten, der den Arbeitsalltag stört.

Ich saß letzten Sonntagabend mit meiner Katze Zwetschge, die mit ihren 15 Jahren inzwischen auch viel mehr schläft als früher, auf dem Küchenfensterbrett und habe einfach nur versucht, mein Herz zu spüren. Nicht das „romantische“ Herz, sondern dieses physische Organ, das seit dem Tod meiner Mutter so oft eng und schwer war. Ich habe gelernt, dass wahre Herzöffnung oft erst einmal bedeutet, die Taubheit zuzulassen. Das hat mich seltsamerweise weniger Kraft gekostet als das ständige Dagegen-Ankämpfen.

Die 13 Clanmütter und mein kleiner Bindetisch

Was mir besonders hilft, ist die Struktur des Programms mit den 13 Clanmüttern. Da meine eigene Mutter nicht mehr da ist, um mir bei den großen Lebensfragen zuzuhören, fühlt sich diese archetypische Führung wie ein Geländer an, an dem ich mich entlangtasten kann. In einer Woche im Juni, als ich besonders viele Trauerkränze binden musste, habe ich eine der Herz-Übungen direkt im Hinterzimmer gemacht.

Ich habe die Augen geschlossen, während das klebrige Harz der Eukalyptuszweige noch an meinen Fingerspitzen klebte. Ich habe versucht, die Liebe nicht als etwas zu sehen, das ich „produzieren“ muss, sondern als eine Frequenz, die sowieso da ist, wie das Wasser in den Vasen. Das klingt vielleicht albern, wenn man es so aufschreibt, aber in diesem Moment zwischen Schleierkraut und Drahtrollen hat sich etwas bewegt. Die Erschöpfung war nicht weg, aber sie war nicht mehr so einsam.

Ich habe danach eine Anemone in mein Tagebuch gepresst. Die Anemone steht für mich in diesen Wochen für Klarheit – diese zarten Blüten, die so zerbrechlich wirken und doch so viel Wind aushalten. Es ist ein langsamer Prozess. Ich merke, dass ich im Kurs oft Pausen machen muss. Manchmal schaffe ich die Online-Sitzungen nicht live, weil ich einfach zu k.o. bin. Früher hätte ich mich dafür verurteilt. Heute denke ich mir: Das gehört zum Weg.

Schildpattkatze Zwetschge schläft auf einem Fensterbrett neben einer getrockneten Pfingstrose.

Wenn das Herz nicht sofort „Ja“ sagt

Es gab auch Momente in den letzten Wochen, in denen gar nichts funktionierte. Einmal, Ende Juni, saß ich vor dem Laptop und sollte eine Visualisierung machen, und ich spürte... nichts. Rein gar nichts. Nur eine große Leere und die Frage, warum ich für diesen Online-Kurs monatlich Geld ausgebe, wenn ich doch genauso gut einfach nur schlafen könnte. Ich war kurz davor, alles hinzuschmeißen. Ich habe mich gefragt, ob ich zu „praktisch“ veranlagt bin für diese schamanische Arbeit, ob meine Hände, die den ganzen Tag in Erde wühlen, zu grob für diese feinen Herzschwingungen sind.

Aber dann fiel mir ein, wie ich Blumen binde. Manchmal sieht ein Strauß bis zum letzten Moment furchtbar aus. Man steckt eine Blüte hinein, nimmt sie wieder raus, ärgert sich über die Lücke – und erst wenn man einen Schritt zurücktritt, sieht man, dass genau dieser Kampf den Strauß lebendig macht. So ist es wohl auch mit der Heilung. Ich habe in diesen schwierigen Momenten gelernt, dass Wie Übungen zur Herzöffnung für Anfänger meinen Alltag verändern eben nicht bedeutet, dass sofort alles glänzt.

Es ist diese Akzeptanz des langsamen Tempos, die mir bei der Erschöpfung hilft. Ich muss nicht „fertig“ werden. Die monatliche Ratenzahlung erinnert mich daran, dass ich mir selbst versprochen habe, dranzubleiben – ein ganzes Jahr lang. Es ist wie das Gießen einer Pflanze, die man gerade erst umgetopft hat. Sie braucht Zeit, um Wurzeln in der neuen Erde zu schlagen.

Mein Fazit nach zwei Monaten

Wenn du dich auch oft so leer fühlst und denkst, dass du einfach nur noch „funktionierst“, dann ist das vielleicht ein Zeichen, dass nicht dein Körper Ruhe braucht, sondern dein Herz wieder einen Raum. Das POWER OF LOVE Programm ist kein schneller Energiedrink für die Seele. Es ist eher wie ein Garten, den man im Winter vorbereitet. Man sieht noch nichts, aber man weiß, dass unter der Erde etwas arbeitet.

Ich werde heute Abend wieder in mein Moleskine schreiben. Zwei Seiten, vielleicht auch nur drei Sätze. Und ich werde eine Pfingstrose dazwischenlegen, für diesen einen Moment gestern, als ich im Laden stand und für eine Sekunde nicht an die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs gedacht habe, sondern nur an die Farbe der Blütenblätter. Das ist vielleicht keine Heilung im medizinischen Sinn, aber es ist ein Anfang. Und für mich, hier in meinem schiefen Laden in Bremen, ist das im Moment genug.

Falls du neugierig bist, ob so ein Weg auch für dich passt, schau dir das Programm ruhig mal an. Es gibt auch andere Ansätze, wie zum Beispiel A TOUCH OF ALOHA, der ebenfalls von Thomas Young geleitet wird und mehr den hawaiianischen Huna-Weg betont. Für mich war die „Kraft der Liebe“ im Moment wichtiger, weil sie so direkt an den Schmerz geht, den ich seit Ingrids Tod spüre. Aber jeder muss da auf seinen eigenen Bauch hören – oder eben auf sein Herz.

Mal kurz:
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