
Ein altes Lied meiner Mutter summt mir über die Lippen, bevor ich es überhaupt bemerke, mitten am Bindetisch, während ich Eukalyptuszweige zuschneide und das klebrige Harz an meinen Fingern hängen bleibt. Sonst zieht sich bei diesem Lied etwas in mir zusammen. Heute nicht, nur ein leises Summen, kein Stich. Genau solche Momente lassen mich fragen, was die Power-of-Love-Übungen aus meiner spirituellen Ausbildung eigentlich mit meiner Erschöpfung im Alltag machen, und ob sie wirklich mehr sind als ein weiteres Wohlfühlversprechen.
Bevor es weitergeht, kurz das Nötige: Manche Links in diesem Text führen zu Kursen, die ich selbst belege, und wenn du darüber buchst, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass sich dein Preis ändert. Ich bin Floristin, keine Ärztin und keine Therapeutin — wenn deine Erschöpfung oder Trauer dich wirklich niederdrückt, wende dich bitte an eine Hausärztin oder eine approbierte Psychotherapeutin, denn ein Online-Programm ersetzt das nicht. Hier ist meine vollständige Offenlegung.
Was steckt hinter den Power-of-Love-Übungen?
Das POWER OF LOVE Programm arbeitet mit 13 Clanmüttern als weiblichen Führungsfiguren, eine Struktur, die sich für mich anfühlt wie ein Geländer, seit meine Mutter Ingrid nicht mehr da ist, um mir bei den großen Fragen zuzuhören. Jede Einheit dreht sich um ein einziges Wort: Liebe, aber nicht die romantische Variante, sondern die Art, die mich am Bindetisch stehen lässt, wenn die Beine eigentlich schon aufgeben wollen. Diese Art von spiritueller Ausbildung läuft bei mir nebenbei, mitten im ganz normalen Ladenalltag, zwischen Lieferungen und Kundengesprächen.
Hilft das gegen echte Erschöpfung – oder nur gegen einen weiteren Trend?
Selbstliebe klingt erstmal nach genau der Art Ratgeber-Satz, der mich müder macht, statt mir zu helfen. Positiv denken, im Spiegel lächeln, durchhalten — das erhöht bei mir eher den Druck, als dass es ihn nimmt. Es ist, als würde man eine welke Pfingstrose mit Haarspray aufrecht halten: von außen sieht es kurz gut aus, innen ist sie trotzdem hinüber.
Was im POWER OF LOVE Programm tatsächlich anders läuft: Die Erschöpfung wird nicht weggedrückt, sondern eingeladen, fast wie ein Gast, den man eigentlich nicht erwartet hat. Wie sich das im ganz normalen Alltag zwischen Kundschaft und Wassereimern unterbringen lässt, ist noch mal eine eigene, längere Geschichte, die diesen Text hier sprengen würde.

Wenn während der Übung gar nichts kommt
Es gibt Nachmittage, an denen mitten im Programm rein gar nichts passiert. Neulich saß ich zwischen zwei Bestellungen vor dem Laptop, sollte eine kurze Visualisierung machen, und spürte: nichts. Nur die Eiswasserkälte, die mir vom letzten Griff in den Eimer noch in den Fingerspitzen saß, und die Frage, ob Hände, die den ganzen Tag in Erde und Wasser stecken, überhaupt für so etwas Feines gemacht sind.
Solche Momente gehören für mich inzwischen genauso dazu wie die, in denen etwas spürbar in Bewegung kommt. Nicht jede Übung liefert ein Gefühl auf Bestellung, und ich habe aufgehört, das als Scheitern zu werten.
Warum Bücher über Trauer bei mir nicht reichten
Bevor ich mich für ein Programm wie dieses entschieden habe, habe ich vor allem gelesen — Trauerratgeber, Fachbücher, alles, was mir irgendwer empfohlen hat, bis die Stapel neben meinem Bett höher wurden als das, was ich davon je zu Ende gebracht habe. Keines davon hat wirklich getroffen, was in mir vorging, vielleicht, weil sich Trauer schwer in Kapitel und Übersichten packen lässt.
Was mir am Power-of-Love-Ansatz eher begegnet, ist etwas Körperliches statt eines weiteren Kapitels: eine Übung, kein Text zum Weiterlesen. Die eigentliche Trauerbewältigung nach Ingrids Tod ist noch mal ein anderes, größeres Thema, für das dieser Text hier zu kurz ist.
Muss ich an Schamanismus glauben, damit es wirkt?
Lore Ahlers aus meinem Frauenkreis in Worpswede hat mir genau diese Frage neulich gestellt, und eine saubere Antwort habe ich bis heute nicht. Glauben, dass ich irgendetwas heilen kann, tue ich nicht, und eine besonders gläubige Person im klassischen Sinn bin ich auch nicht.
Was ich inzwischen glaube: dass etwas heilbar ist, langsam, unabhängig davon, ob ich die ganze Sprache dahinter — Krafttier, Trommelreise, Ahnenarbeit — für mich vollständig übersetzen kann oder nicht. Eine richtige schamanische Reise mit Trommel und Trance ist noch mal etwas anderes als diese kürzeren Herzübungen, ein eigenes Kapitel, das ich hier nicht aufmache. Ahnenheilung ist im Programm ebenfalls ein größeres Thema für sich, über das ich bewusst an anderer Stelle schreibe.

Was mir im Alltag zwischen zwei Kundschaften wirklich hilft
Vor Ladenöffnung drehe ich manchmal eine kurze Runde durch den Bürgerpark, nur um die Füße wirklich auf dem Boden zu spüren, bevor der Tag mit der ersten Bestellung losgeht. Diese Art von Erdung hat bei mir wenig mit einer großen Übung zu tun und mehr mit zwei Minuten Selbstfürsorge am Morgen.
Als hochsensible Person merke ich außerdem, wie sehr mich fremde Stimmungen mitnehmen, wenn ich mich nicht bewusst abgrenze — energetischer Schutz ist dafür ein eigenes Thema, das ich an anderer Stelle vertieft habe. Manchmal kündigt sich so etwas über die Hellsinne an, ein Ziehen oder eine Unruhe, bevor ich überhaupt weiß, worum es geht, aber auch das ist ein Kapitel für sich.
Eine Stammkundin, Inke Glandorf, kommt seit Jahren zu jedem Jahrestag für ein Gesteck, und sie hat mir einmal, ohne ein einziges erklärendes Wort, das Gefühl gegeben, dass das, was ich hier mache, sinnvoll ist. Solche Momente tragen mich durch die müden Nachmittage mehr als jede Übung allein.
Manchmal bringt eine Herzübung auch Gefühle hoch, die ich lieber weggeschoben hätte — das grenzt dann eher an Schattenarbeit als an Selbstliebe, wieder so ein eigenes Kapitel. Der leere Raum, der seit Ingrids Tod in mir steht, wird jedenfalls nicht durch eine einzelne Übung gefüllt, das ist ein langsamerer Prozess, über den ich an anderer Stelle mehr schreibe.
Was ich danach mache, ist simpel: Ich schreibe in mein Moleskine, presse eine Blüte zwischen die Seiten, fertig. Wie ich dieses Tagebuch führe und was sich darin über die Monate verändert hat, würde diesen Text hier sprengen.
Wie sich echte Herzöffnung anfühlt und was sie mit meinem Alltag macht, habe ich in einem anderen Text genauer nachgezeichnet: Wie Übungen zur Herzöffnung für Anfänger meinen Alltag verändern.
Unterm Strich bleibt vor allem eins hängen: Das POWER OF LOVE Programm nimmt mir die Erschöpfung nicht weg wie eine Tablette, aber es gibt mir einen Ort, an dem ich sie nicht verstecken muss.
Manchmal, mitten in einer stillen Minute im Laden, denke ich für einen Wimpernschlag nicht an die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs, sondern nur an die Farbe der Blütenblätter vor mir. Das ist vielleicht keine Heilung, aber es ist etwas.
Falls du neugierig geworden bist: Bei Thomas Young gibt es mit A TOUCH OF ALOHA auch einen Weg, der stärker auf die hawaiianische Huna-Lehre setzt statt auf die Clanmütter-Struktur. Für mich war gerade die direktere Herzarbeit wichtiger, aber das ist eine sehr persönliche Entscheidung und keine allgemeine Empfehlung — jede hört da wohl am besten auf ihr eigenes Bauchgefühl.
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