Das Bluetentagebuch

Zeichen von Verstorbenen im Alltag meines Blumenladens erkennen und deuten

Es war ein verregneter Dienstagmorgen im Juni, als es passierte. Ich stand am Bindetisch, der Geruch von feuchter Erde und kaltem Eukalyptus hing schwer in der Luft – dieser typische Geruch, den ich seit 13 Jahren kenne, seit ich diesen kleinen Laden im Viertel führe. Plötzlich fiel eine einzelne, weiße Anemone aus der Vase, einfach so, ohne dass ein Luftzug im Raum war. In diesem Moment spürte ich dieses vertraute Stechen in den Knochen.

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Wenn der Tod zum Beruf gehört

Seit 13 Jahren besitze ich nun diesen schmalen Altbau-Laden mit den schiefen Holzregalen. Ich dachte immer, ich wüsste, wie man mit dem Tod umgeht. Ich binde Kränze, ich kenne die Symbolik des Kreises, der in der Floristik für die Ewigkeit steht, für einen Kreislauf ohne Anfang und Ende. Aber als meine Mutter Ingrid im März 2024 starb – nur sieben Wochen nach der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs –, war da nichts mehr von diesem professionellen Wissen übrig.

Nahaufnahme von Floristenhänden, die einen traditionellen Trauerkranz binden.

Gerade für uns Floristen, die wir täglich in der Trauerfloristik arbeiten, ist es oft schwer, echte Zeichen zu erkennen. Wir sind so übersättigt von den Symbolen des Abschieds, dass die feinen Nuancen im Rauschen untergehen. Wenn man den ganzen Tag mit Nelken und Lilien hantiert, wie soll man da merken, wenn eine Blume mehr sagen will als nur: Ich koste drei Euro fünfzig? Die tägliche Konfrontation mit der Trauer anderer Leute kann den Blick für die eigene Heilung seltsam verzerren.

Der Bildschirm und die Erde: Mein zweiter Monat im Programm

Ich bin jetzt im zweiten Monat der Power of Love Ausbildung. Es ist eine seltsame Mischung: Unter der Woche habe ich die Hände tief in schmutzigem Blumenwasser und Erde, und an den Abenden leuchtet mir das Gesicht von Thomas Young vom Laptop-Bildschirm entgegen. Manchmal spüre ich den scharfen, kalten Stich des Wassers an meinen rissigen Fingerknöcheln, während ich die Gesichter all der anderen Frauen sehe, die ich noch nie persönlich getroffen habe. Es ist ein Reibungspunkt zwischen meiner sehr physischen Welt und diesem digitalen Raum.

In der Ausbildung arbeiten wir diesen Monat intensiv mit den 13 Clanmüttern. Das sind weibliche Ur-Energien, die uns helfen sollen, wieder in unsere Kraft zu kommen. Zuerst fand ich das alles sehr abstrakt. Was haben 13 Clanmütter mit meinem Alltag zwischen Rosenentdornern und der Buchhaltung zu tun? Aber während ich einen Strauß band, überlagerte sich plötzlich eine Erinnerung an die Hände meiner Mutter mit der Art, wie ich gerade den Bastknoten festzog. Es war kein Bild, eher ein Gefühl von Führung.

Ich merke, wie wichtig spirituelle Erdung für Anfänger ist, besonders wenn man wie ich eigentlich nur mit den Händen arbeitet. Ich bin keine Heilpraktikerin und keine Energiearbeiterin. Ich bin einfach Helene, die versucht, nicht im Schmerz zu versinken. Falls du dich in einer tiefen Depression befindest, such bitte unbedingt eine Psychotherapeutin oder deinen Hausarzt auf – ein Online-Kurs kann eine medizinische Behandlung niemals ersetzen.

Kleine Wunder zwischen Eukalyptus und Messingglocke

Die Forschung zu Nachtod-Kontakten sagt oft, dass Zeichen durch sensorische Reize kommen. Gerüche, Geräusche, plötzliche Temperaturunterschiede. Letzten Samstagabend, der Laden war schon fast zu, passierte etwas Merkwürdiges. Die Messingglocke an der Tür schlug an, aber niemand kam herein. Das Geräusch war nicht das übliche harte Klingeln eines Kunden, es klang in meinen Ohren für eine Sekunde exakt wie das Lachen meiner Mutter. Ein plötzliches, lokales Wärmegefühl breitete sich in meiner Brust aus.

Ich habe angefangen, diese Momente in meinem Moleskine festzuhalten. Jeden Sonntagabend setze ich mich hin, während Zwetschge, meine 15-jährige Katze, auf dem Fensterbrett vor sich hin schnarcht. Wenn ein Moment mich besonders getroffen hat, presse ich eine Blüte in das Buch. Die weiße Anemone vom Dienstag klebt jetzt zwischen den Seiten. Sie steht für Klarheit. Ich beginne zu verstehen, dass Zeichen nicht immer wie Paukenschläge kommen. Meistens sind sie so leise wie das Herabfallen eines Blattes.

In der Power of Love Ausbildung lerne ich langsam, diese Wahrnehmung zu schärfen, ohne mich darin zu verlieren. Es ist, als würde ich eine neue Sprache lernen, die keine Vokabeln hat, sondern nur Gefühle. Wer es etwas exotischer mag, für den gibt es auch Programme wie A Touch of Aloha, aber für mich passt die Arbeit mit den Clanmüttern gerade besser zu meinem norddeutschen Gemüt.

Ein missglückter Abend auf dem Küchenboden

Aber es läuft nicht immer alles so magisch. Vor ein paar Tagen habe ich versucht, eine geführte Trommelreise auf meinem Küchenboden zu machen. Ich hatte alles vorbereitet: Kerze an, Rauchbündel bereitgelegt. Und was passierte? Zwetschge bekam einen Niesanfall, genau als ich mich entspannen wollte, und dann schossen mir plötzlich Gedanken an die unbezahlte Stromrechnung durch den Kopf. Ich saß da, fühlte mich albern und weit weg von jeglicher Spiritualität.

Das gehört wohl dazu. Heilung ist kein linearer Prozess, genau wie ein Strauß nicht beim ersten Mal perfekt aussieht. Manchmal muss man alle Stiele noch einmal lösen und neu anordnen. Ich merke aber, wie sich mein Umgang mit den Kunden wandelt. Ich höre ihnen anders zu, wenn sie Blumen für eine Beerdigung bestellen. Ich weiß jetzt, dass hinter jedem Kranz eine Geschichte steht, die weit über den Tod hinausgeht.

Vielleicht sind die Zeichen der Verstorbenen gar keine Botschaften aus einer anderen Welt, sondern Brücken, die wir selbst bauen, um nicht zu vergessen. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich heute Abend eine Pfingstrose in mein Notizbuch pressen werde – für die großen Momente, die man erst erkennt, wenn man einen Schritt zurücktritt und das ganze Bild betrachtet. Wenn du auch das Gefühl hast, dass da mehr ist, schau dir das Programm von Thomas Young einmal an. Es ist ein langer Weg, aber vielleicht einer, der sich lohnt.

Mal kurz:
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