
Was sagt man einer Frau, die einen mitten auf der Straße am Arm festhält, kaum dass sie erkannt hat, wer man ist, und dann anfängt, von ihrer toten Mutter zu erzählen? Ich weiß darauf bis heute keine fertige Antwort, nur eine andere Art, stehen zu bleiben, als noch vor einem Jahr. Um genau solche Momente soll es hier gehen: um die Fragen, die mir Kundinnen zu meiner veränderten Trauerbewältigung im Laden stellen, seit ich mich auf ein Jahr Power of Love Ausbildung eingelassen habe. Diese Erfahrungen mit einer spirituellen Ausbildung mitten im Blumenalltag haben etwas verschoben, das ich vorher nur vom Hörensagen als Alltagsspiritualität kannte.
Vorweg ein kurzer Hinweis, weil es fair ist: In diesem Text stecken Affiliate-Links, unter anderem zum Power of Love Programm, über das ich weiter unten schreibe. Buchst du darüber, bekomme ich eine Provision, ohne dass sich für dich am Preis etwas ändert. Ich schreibe ausschließlich über Kurse, die ich selbst bezahle und tatsächlich besuche. Und, weil es mir wichtig ist: Ich bin Floristin, keine Ärztin, keine Therapeutin. Bei schwerer Trauer oder einer akuten Krise ist der Weg zum Hausarzt oder zu einer approbierten Psychotherapeutin immer der richtige erste Schritt, nicht der zu mir.
Was will eine Kundin wirklich, wenn sie um Trost bittet?
Meistens nicht das, was auf dem Etikett steht. Wer nach „etwas Tröstlichem" fragt, hat selten schon ein Bild vor Augen – eher ein Gefühl, das raus will, bevor es sich benennen lässt. Genau da hat sich mein Griff verändert, seit ich mich mit dem POWER OF LOVE Jahresprogramm beschäftige, einem einjährigen Format rund um die Weisheit von 13 Clanmüttern. Nach dreizehn Jahren im eigenen Laden fühlt sich diese Zahl fast wie ein Wink an.
Die monatliche Rate ist für eine kleine Floristin kein Klacks, das sage ich so offen, wie ich es empfinde. Aber gerade das gestreckte Format gibt mir Zeit zum langsamen Ankommen statt zur schnellen Entscheidung, und das passt zu Trauer besser als jedes Wochenendseminar.
Bevor ich mit einer Kundin spreche, die gerade jemanden verloren hat, hilft manchmal eine kurze schamanische Reise am Morgen mit der Trommel, um selbst ruhig zu werden, bevor die erste Kundin die Tür aufstößt. Nicht jedes Mal, und ohne Erfolgsgarantie – aber öfter, als ich vor einem Jahr gedacht hätte.
Der lange Atem beim Stielschneiden
Kundinnen merken selten, was während des Schneidens passiert. Der nasse Schnitt mit der Schere – kurz, leicht schräg, ein winziger Widerstand, bevor der Stiel nachgibt – ist für mich inzwischen auch ein Moment, um zuzuhören, ohne gleich zu antworten. Früher habe ich beim Binden geredet, um die Stille zu füllen. Heute lasse ich sie stehen.
Diese Übungen zur Intuition zu stärken setze ich inzwischen direkt hier an, am Bindetisch, nicht getrennt vom übrigen Arbeitstag. Fragt eine Kundin nach „etwas Nettes für die Schwiegermutter", greife ich nicht mehr blind zur erstbesten Rose. Erst wenn sich innerlich etwas setzt, entscheide ich mich – manchmal dauert das nur drei Sekunden länger, aber der Unterschied ist spürbar.

Spürt eine Kundin, wenn ich selbst müde bin?
Ja, öfter, als mir lieb ist. Ob das schon das Trainieren der Hellsinne ist, von dem im Kurs die Rede ist, weiß ich nicht – aber ich merke Stimmungen inzwischen früher, oft bevor ein Wort fällt, und offenbar merken manche Kundinnen das auch bei mir.
Grenzen ziehen, ohne die Tür zuzuschlagen
Energetischer Schutz war für mich lange nur ein Bild aus einem Buch, keine reale Fähigkeit. Im Laden bedeutet er inzwischen vor allem eins: nicht jede Geschichte mit nach Hause zu nehmen, auch wenn sie mich berührt.
Es gab Abende letztes Jahr, an denen ich mir ein Glas Wein eingeschenkt habe, wenn die Leere zu groß wurde. Eine Weile hat das funktioniert. Irgendwann nicht mehr, und ich saß trotzdem mit derselben Leere da, nur müder. Das war der Punkt, an dem mir klar wurde, dass Zuhören-Können und Grenzen-Ziehen zwei verschiedene Fähigkeiten sind, die ich beide erst lernen musste.
Wird eine Kundin ungeduldig oder sogar unfreundlich und ich merke, wie schnell mich das reizt, ist das für mich eher ein Fall für Schattenarbeit als für einen extra freundlichen Ton. Erdung heißt dabei selten etwas Großes – meistens sind es zwei bewusste Atemzüge, bevor ich die nächste Kundin bediene, mehr nicht.
Wie unspektakulär das aussieht, zeigt sich am besten dort, wo Ausbildung und Ladenalltag ineinanderrutschen: auf einem Tablet zwischen Kassenzettel und Wasserkanne.

Was passiert, wenn mich eine Kundin außerhalb des Ladens erkennt?
Am Wochenmarkt am Domshof hält mich neulich eine Frau am Arm fest, die ich aus dem Laden kenne, und fragt, ob ich ihr zum Jahrestag noch einmal einen Strauß für ihre Mutter binden kann. Kaum habe ich genickt, redet sie weiter – über die Mutter, über das letzte Jahr, über Dinge, die mit Blumen eigentlich nichts zu tun haben.
Früher hätte ich nach zwei, drei Sätzen freundlich auf einen Termin im Laden verwiesen. Diesmal bleibe ich stehen, mitten zwischen den Marktständen, bis sie von selbst fertig ist. Das ist die konkreteste Antwort, die ich auf die Frage vom Anfang dieses Textes geben kann: nicht abkürzen, auch wenn es unpraktisch ist.
Manche Fragen beantworte ich bis heute nicht
Aus dem Frauenkreis in Worpswede fährt Lore Ahlers manchmal mit mir zurück nach Bremen, und sie stellt mir regelmäßig die Fragen, auf die ich am wenigsten Antworten habe – zum Beispiel, ob die Empathie, die ich im Laden jetzt zeige, echter ist als vorher oder nur besser trainiert.
Eine andere Frau aus dem Online-Programm schwört mehr auf die Huna-Lehre als auf die Clanmütter, aber am Ende landen wir bei denselben Fragen. Ein Teil der Ausbildung dreht sich um Ahnenheilung, doch im Laden merke ich davon vor allem eines: Ich höre Familien inzwischen anders zu, wenn sie über die Generation vor ihnen sprechen.
Was Inke mir ohne Worte zeigt
Inke kommt seit ein paar Jahren zu jedem Jahrestag in den Laden, manchmal auch dazwischen, immer für Gestecke oder Kränze. Sie erklärt nie, warum sie kommt oder was die Blumen für sie bedeuten – und trotzdem hat gerade sie mir das Gefühl gegeben, dass das, was ich hier mache, wirklich zählt, ganz ohne ein einziges erklärendes Wort.
Einmal hat sie mich gefragt, ob ich glaube, dass Blumen eine Seele haben. Die Frage ist bei mir hängen geblieben, auch wenn ich nie eine klare Antwort gefunden habe. Binde ich für sie weiße Lilien und Schleierkraut, denke ich manchmal, dass es gar nicht um die Blumen geht, sondern darum, dass jemand mit ihr im Raum bleibt, während sie über ihren Vater spricht.
Die innere Leere, die nach Ingrids Tod bei mir blieb, war am Ende der eigentliche Grund, warum ich mich überhaupt auf all das eingelassen habe – auf die Ausbildung, auf den Frauenkreis, auf diese Art zuzuhören.
Wie holprig der Anfang war, habe ich in einem früheren Eintrag nach den ersten acht Wochen beschrieben. Vieles davon gilt heute noch.
Ich frage mich beim Binden einer Anemone manchmal, ob Inkes Frage überhaupt eine Antwort braucht oder ob das Dableiben selbst schon eine ist.

Alltagsspiritualität nach Ladenschluss
Manchmal schiele ich rüber zu Programmen wie A TOUCH OF ALOHA, weil mich der Hawaii-Rahmen neugierig macht, aber unabhängige Langzeit-Erfahrungen dazu fehlen noch, und ich bleibe vorerst bei den 13 Lehrerinnen, die ich schon kenne.
Diese Alltagsspiritualität lässt sich schlecht vom Rest des Tages trennen, sie sitzt einfach mit am Bindetisch, wenn ich abends die letzten Rechnungen sortiere. Manches davon halte ich in einem Notizbuch fest, in das inzwischen auch getrocknete Blüten gepresst sind – nicht als Methode, eher als Angewohnheit, die geblieben ist.
Herzöffnung ist ein großes Wort für etwas, das sich im Laden ziemlich klein anfühlt: einen Satz länger zuhören, als eigentlich nötig wäre, oder am Domshof stehen bleiben, obwohl die nächste Kundin schon wartet.
Spürst du gerade selbst, dass ein Raum in dir leer ist und du nicht genau weißt, womit du ihn füllen sollst, schau dir das Power of Love Programm gerne einmal in Ruhe an. Eine Abkürzung ist es nicht, und bequem ist es auch nicht immer, aber für mich ist es im Moment der Anker, den ich nach Ingrids Tod gebraucht habe – auch wenn ich noch längst nicht am Ende bin.
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