
Was macht man eigentlich mit einem Gefühl, das man nie richtig herausgelassen hat? Ich stelle mir diese Frage öfter, als mir lieb ist, während ich Rosenstiele entdorne und die Messingglocke über der Tür kurz aufklingt, weil jemand den Laden verlässt. Schattenarbeit für Anfänger klingt nach einem Kurstitel, aber für mich ist es inzwischen ein Wort für etwas sehr Konkretes: die Trauerbewältigung nach dem Tod meiner Mutter, die ich lange für abgeschlossen hielt, obwohl sie es nie war.
Meine Mutter Ingrid starb im März 2024, sieben Wochen nach der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs, und ich dachte, ich würde mit dem Abschied umgehen können. Immerhin binde ich seit Jahren Trauerkränze, kenne die Rituale, weiß, welche Schleife zu welchem Anlass passt. Aber das eigene Sterben lässt sich nicht mit Handwerk beruhigen. Erst als ich im Februar mit dem POWER OF LOVE Programm begonnen habe, wurde mir klar, dass ich nicht nur trauere, sondern ganze Teile von mir irgendwo tief vergraben habe, neben den Wurzeln der Anemonen im Hinterhof.
Kurz zur Einordnung, bevor es weitergeht: Ich bin keine Ärztin, keine Heilpraktikerin und keine Therapeutin, sondern eine Floristin, die ihren eigenen Weg durch die Trauer sucht und aufschreibt. Wer sich gerade in einer akuten Krise befindet, sollte sich bitte an einen Arzt oder eine approbierte Psychotherapeutin wenden. Dieser Text enthält Affiliate-Links, für dich ändert sich am Preis nichts, wenn du darüber etwas buchst – ich schreibe nur über das, was tatsächlich zwischen den Seiten meines Moleskine-Tagebuchs liegt.
Was ist Schattenarbeit für Anfänger eigentlich?
Räucherstäbchen und ein sanftes Lächeln – so hatte ich mir Spiritualität lange vorgestellt, bevor ich selbst mittendrin steckte. Schattenarbeit, wie sie im Programm über die Weisheit der 13 Clanmütter vermittelt wird, hat mit diesem Bild wenig zu tun. Es geht um die Anteile, die niemand gern zeigt: Wut, Neid, Bitterkeit, die kalte Erschöpfung nach einem Beerdigungsauftrag, bei dem ich lächeln musste, obwohl mir zum Weinen war. Das Konzept der Schattenarbeit geht auf C.G. Jung zurück und beschreibt genau das: das Licht dorthin zu bringen, wo es am wenigsten hinsoll. Für Anfängerinnen wie mich bedeutet das zuerst Enttäuschung, weil man sich eigentlich nur wünscht, dass der Schmerz aufhört – nicht, dass er lauter wird, bevor er leiser werden kann.

Der Widerstand am Bindetisch
Am Bindetisch passiert bei mir mehr, als man denken würde. Ich habe dort neulich, mitten im Zuschneiden von Mohnstielen, ein altes Lied gesummt, das meine Mutter in der Küche immer vor sich hin sang, ohne es zu merken – und erst als die Melodie zu Ende war, ist mir aufgefallen, dass zum ersten Mal kein Stich in der Brust kam, nur die Melodie und meine Hände, die weiterarbeiteten. Solche Momente kommen nicht, wenn ich sie erzwingen will. Sie kommen, wenn ich eigentlich mit etwas ganz anderem beschäftigt bin.
Nicht jede Sitzung fühlt sich so leicht an. Es gab einen Abend im Frühsommer, an dem ich mich eigentlich nur auf das neue Modul zur mütterlichen Ahnenlinie konzentrieren wollte, und stattdessen saß ich vor dem Laptop mit einem Engegefühl im Brustkorb, als hätte jemand den Bindedraht um einen Kranz zu fest gezogen. Zwetschge hat in diesem Moment lautstark ihr Futter eingefordert, mitten hinein in die Stille, die ich gerade brauchte, und ich habe kurz gelacht, bevor die Tränen kamen. In meinem Kopf drehte sich die Frage, ob es Sinn ergibt, so viel Zeit und Energie in eine Stimme aus dem Laptop zu stecken, während das Dach über dem Kühlraum eigentlich längst eine Reparatur bräuchte.
Ein Satz aus dem Programm ist mir dann eingefallen: Der Widerstand zeigt oft genau dahin, wo der Schatten liegt. Was ich in diesem Moment nicht leisten konnte – ruhig bleiben, weitermachen, funktionieren – war offenbar genau das, was ich mir ansehen sollte. Ahnenheilung für Anfänger ist dabei kein Sprint, eher wie das Ziehen einer Rose: Es braucht Zeit, ein bisschen Geduld und manchmal auch etwas, das zuerst nach Rückschritt aussieht, bevor irgendetwas blüht. Trauerintegration, wie sie im Kreis genannt wird, hat für mich weniger mit Abschließen zu tun als mit einem ehrlicheren Umgang mit der inneren Leere, die nach dem Tod meiner Mutter zurückgeblieben ist.
Als ich meiner Schwester alles erzählte und wochenlang nicht anrief
In einer Sitzung im Juni kam nicht die erhoffte sanfte Vergebung, sondern eine kalte, harte Wut. Wut auf meine Mutter, weil sie so früh gegangen ist. Wut auf mich, weil ich nichts mehr hätte tun können, selbst wenn ich es versucht hätte. Diese Wut passt nicht zu dem Bild einer freundlichen Floristin, die Kränze bindet und Beileid entgegennimmt, aber genau darum geht es bei der Schattenarbeit: Die Gefühle sind da, ob sie ins Bild passen oder nicht. Am nächsten Tag habe ich im Laden eine schwere, tiefrote Pfingstrose genommen, kurz bevor sie zu voll aufgeblüht wäre, und sie zwischen zwei Seiten meines Moleskine gepresst. Über zwanzig getrocknete Blüten liegen inzwischen darin – mein eigenes kleines spirituelles Tagebuch aus Papier und Blütenstaub, auch wenn ich nie geplant hatte, eines zu führen.
Manch ein Versuch, ein Gefühl rauszulassen, hilft am Ende nicht wirklich. Vor ein paar Jahren habe ich meiner Schwester an einem Abend einfach alles erzählt, was ich fühlte, ungefiltert, ohne Punkt und Komma, in der Hoffnung, dass es mich erleichtert. Danach habe ich sie wochenlang nicht angerufen, weil sich das Gespräch nicht wie Erleichterung angefühlt hat, sondern wie eine Wunde, die ich zu früh aufgerissen hatte. Schattenarbeit für Anfänger unterscheidet sich davon, weil es nicht darum geht, alles auf einmal auszusprechen, sondern einem einzelnen Gefühl in einem geschützten Rahmen zu begegnen, mit jemandem, der weiß, wie man danach wieder landet.
Das strukturierte Format hilft mir dabei, nicht alles auf einmal lösen zu müssen. Es ist ein Jahresprogramm, in Etappen gedacht, nicht als Wochenendkurs mit Zertifikat am Ende. Trude Warnecke, mit der ich mich seit ihrer ersten Mail nach meinem allerersten Kursbericht austausche, schrieb mir neulich, dass sie täglich meditiert, aber niemals eine Trommel anfassen würde – die schamanische Reise ist eben nicht der einzige Zugang zum selben Schatten, jede Person findet ihren eigenen. Wir kennen uns nur aus diesen kurzen, unregelmäßigen Nachrichten, sie sitzt in Freiburg, ich stehe an meinem Bindetisch in Bremen, und trotzdem fühlt sich der Austausch näher an als so manches Gespräch im echten Leben.

Grenzen achten, wenn der Schatten zu groß wird
Schattenarbeit ist kraftvoll, aber sie überfordert auch, besonders wenn jemand gerade eine intensive Verlustphase hinter sich hat oder mit komplexen belastenden Erfahrungen zu tun hat. Das Eintauchen in die dunkleren Ecken kann dann zu viel werden, und es ist kein Versagen, eine Übung zu unterbrechen oder eine Pause einzulegen. Ich merke, wie ich dabei langsam lerne, meine Intuition zu stärken, während ich zwischen Bindetisch und Bildschirm hin- und herwechsle, auch wenn das eher ein Nebenprodukt ist als das eigentliche Ziel des Programms.
Manche im Kreis sprechen von energetischem Schutz für besonders empfindliche Menschen, andere trainieren gezielt ihre Hellsinne, wieder andere beschäftigen sich vor allem mit der Herzöffnung, von der ich selbst noch nicht viel verstehe – Themen, die für sich schon einen eigenen Weg füllen und die ich hier nur anreißen kann. Für mich persönlich ist es manchmal heilsamer, erst an der spirituellen Erdung zu arbeiten, bevor ich die großen Kellerfenster öffne, die eigentlich noch zu bleiben wollen.
Was diese Jahresbegleitung wirklich verändert hat
Wenn ich heute einen Kranz binde, sehe ich nicht mehr nur den Abschied darin. Ich sehe Zyklen: dass dunkle Erde notwendig ist, damit eine Anemone überhaupt wachsen kann. Diese spirituelle Jahresbegleitung hat mir vor allem eines gezeigt – dass unterdrückte Gefühle kein Makel sind, sondern ungenutzte Energie, die irgendwo hin will. Alltagsintegration heißt bei mir, dass ich das nicht nur in Sitzungen merke, sondern auch morgens, wenn ich Wasser in die Eimer fülle und die ersten Dornen von den Rosenstielen schneide.
Das POWER OF LOVE Programm begleitet mich dabei wie ein Rahmen, der nicht immer bequem ist – manche Module fühlen sich an wie das Entwirren von altem Bindedraht, der sich in die Haut schneidet, bevor er sich löst. Wer einen anderen Zugang sucht, findet mit A TOUCH OF ALOHA ein Programm, das über die hawaiianische Huna-Lehre einen ganz anderen Rahmen für dieselbe Arbeit anbietet – für mich persönlich war der Bezug zu den Clanmüttern näher an meiner eigenen Geschichte, aber das muss bei dir nicht so sein.
Bevor ich heute Abend das Licht im Laden ausmache, war noch eine kleine Geste da: Roswitha, die freitags fast immer vorbeikommt, hat mir am Morgen selbst gebackene Schmalzkekse in die Hand gedrückt, weil sie gemerkt hat, dass die Woche schwer war – ohne ein Wort darüber zu verlieren, warum. Später drehe ich noch eine Runde durch den Bürgerpark, bevor Zwetschge zu Hause auf mich wartet, und denke daran, wie viele Gefühle in mir jahrelang einfach keinen Platz hatten. Falls dich interessiert, wie sich mein Weg weiterentwickelt hat, findest du auch meine Erfahrungen nach den ersten acht Wochen. Schattenarbeit für Anfänger bedeutet für mich inzwischen: nicht mehr wegschieben, sondern hinschauen, auch wenn es unbequem ist – Schritt für Schritt, Blüte für Blüte.
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