Das Bluetentagebuch

Power of Love Kurs Erfahrungen: Warum ich trotz Selbstzweifeln weitermache

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Über zwanzig gepresste Blüten liegen inzwischen zwischen den Seiten meines Moleskine-Notizbuchs, und keine einzige davon beweist irgendetwas. Keine bestätigt, dass ich weiß, was ich in dieser spirituellen Ausbildung eigentlich tue, oder dass die Zweifel, die mich begleiten, seit ich damit angefangen habe, irgendwann aufhören. Ich presse trotzdem nach jeder Sitzung, die mich trifft, eine weitere Blüte – eine Anemone, eine Pfingstrose, ein Eukalyptuszweig –, und genau dieser Widerspruch ist der Kern dieses Erfahrungsberichts: Man muss nicht sicher sein, um weiterzumachen.

Bevor es weitergeht, kurz das Nötigste: Ich schreibe hier über meine eigene Erfahrung mit Power of Love und anderen Kursen, die ich selbst gebucht habe, und einige Links in diesem Text sind Partnerlinks – kaufst du darüber, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass sich dein Preis ändert. Ich bin Floristin, keine Therapeutin und keine Heilerin, und wenn es dir psychisch schlecht geht, gehört das in professionelle Hände, nicht in einen Blogartikel. Meine vollständige Offenlegung findest du hier.

Der Mythos vom sofortigen Ja

In den Kommentarspalten unter Kursseiten und in Gruppen, die sich um solche Jahresprogramme bilden, taucht immer wieder derselbe Satz auf, oft verpackt als Tipp zur Trauerbewältigung: Wer wirklich bereit sei, spüre das sofort, ohne dieses ständige Hin und Her im Kopf. Seit meine Mutter Ingrid im März 2024 starb, halte ich das für einen der hartnäckigsten Irrtümer in diesem ganzen Feld. Zweifel ist kein Anzeichen dafür, dass man am falschen Ort steht. Er ist oft genau das Gefühl, das auftaucht, wenn tatsächlich etwas in Bewegung gerät, und nicht, wenn nichts passiert.

Der Widerstand heißt nicht Trauer, sondern etwas anderes

Man nennt das, was in solchen Momenten passiert, in der Ausbildung Herzöffnung, und ich hätte lange gedacht, dass sich das nach Frieden anfühlen muss. Bei mir fühlt es sich meistens nach Widerstand an, und der Widerstand hat selten mit der Trauer um meine Mutter zu tun. Er hat damit zu tun, ob ich überhaupt dazugehöre, zu diesem Kreis von Frauen, zu diesem Programm, zu einer Praxis, die andere Ansprüche stellt als eine Floristin normalerweise gewohnt ist. Genau an diesem Zweifel über die Zugehörigkeit öffnet sich bei mir offenbar mehr als an jeder ruhigen Meditation.

Wo im Kursjahr taucht der Zweifel überhaupt auf?

Bei der Ahnenarbeit sitze ich manchmal da und frage mich, ob ich die Bilder, die kommen, nur erfinde, weil ich sie so dringend brauche – die sogenannte Ahnenheilung verspricht niemandem eine klare Antwort darauf, und das macht es nicht leichter. Bei der Schattenarbeit ist es umgekehrt: Da zweifle ich weniger an der Methode als daran, ob ich wirklich hinschauen will, was da hochkommt.

Die Übungen zum energetischen Schutz, die am Anfang jeder Sitzung stehen, haben mich lange gelangweilt, bis ich merkte, dass genau diese Langeweile ein Zweifel in Verkleidung war, die Frage nämlich, ob ich es überhaupt wert bin, geschützt zu werden. Auch die Arbeit an den sogenannten Hellsinnen bringt bei mir selten klare Bilder, eher ein diffuses Ahnen, das ich anzweifle, bevor ich es zu Ende gedacht habe.

Die hawaiianische Huna-Lehre, die ich einmal in einer offenen Sitzung kennenlernte, arbeitet mit einer ähnlichen Grundannahme wie das Jahresprogramm, für das ich mich selbst entschieden habe: dass der Zweifel zum Weg gehört und nicht gegen ihn spricht. Auch die schamanische Reise mit der Trommel, die von außen nach dem eindrücklichsten Teil der Arbeit aussieht, fühlt sich bei mir oft eher nach einem stillen Nichts an, aus dem sich erst später eine Bedeutung herausschält.

Wenn der Boden plötzlich wieder da ist

Nach dem letzten Frauenkreis in Worpswede bin ich allein zum Auto zurückgegangen, über einen Kiesweg, und habe mit einem Mal jeden einzelnen Stein unter meinen Sohlen gespürt, als hätte der Boden die ganze Zeit gefehlt und wäre gerade erst wieder aufgetaucht. In der Ausbildung nennt man das Erdung, aber in dem Moment war es einfach nur: Da ist etwas, das mich trägt, ohne dass ich es mir verdienen muss. Das ist die andere Seite des Zweifels, von der selten die Rede ist – man muss die Zugehörigkeit nicht beweisen, um sie zu spüren.

An einem freien Nachmittag bin ich durch die Kunsthalle Bremen gelaufen, vor allem, weil es draußen regnete und ich keine weitere Stunde mit mir allein im Laden ertragen konnte. Vor einem der großen Frauenporträts blieb ich stehen und merkte, dass ich dasselbe Gefühl habe wie vor jedem Modul dieses Kurses: Ich verstehe nicht alles, was ich da sehe, und trotzdem gehört mein Blick genauso dorthin wie der von jemandem, die Kunstgeschichte studiert hat. Niemand verlangt, dass man erst alles versteht, bevor man hinschauen darf.

Freitagvormittags kommt Roswitha Feddersen in den Laden, wie sie es seit zwölf Jahren tut, kauft ihre üblichen Blumen und hört mir zu, wenn ich anfange, laut zu zweifeln, ob das mit der Ausbildung überhaupt Sinn ergibt. Die Glocke über der Tür bimmelt kurz, wenn sie hereinkommt, ihre Schritte klappern über den unebenen alten Steinboden, und ich stehe meist gerade an den schrägen Regalen an der Nordwand und sortiere Eukalyptus. Sie fragt nie nach, keine einzige Rückfrage, aber sie hört wirklich zu, bis ich selbst merke, dass die Antwort schon in dem steckt, was ich gerade erzählt habe.

Vor der Ausbildung hatte ich einmal versucht, alles, was ich fühlte, einfach meiner Schwester zu erzählen, jedes Detail, jede Kleinigkeit, in der Hoffnung, dass Aussprechen die Leere kleiner macht. Es hat nichts gebracht. Danach habe ich sie wochenlang nicht angerufen, nicht aus Streit, sondern weil das Gespräch nichts verändert hatte und ich nicht wusste, was ich stattdessen sagen sollte. Das war lange bevor ich verstand, dass Zweifel manchmal genau das ist, was übrig bleibt, wenn eine Methode nicht funktioniert, und dass das kein Grund ist, aufzuhören, es weiter zu versuchen.

Power of Love: ein Jahr, das keine Eile kennt

Die schamanischen Grundlagen von alldem hätte ich vor zwei Jahren nicht einmal aussprechen können, geschweige denn, dass ich mich mit ihnen identifiziere, während ich tagsüber Ranunkeln entdorne. Trotzdem habe ich mich für das POWER OF LOVE [Jahresprogramm] entschieden, weil es auf ein ganzes Jahr angelegt ist und mit dem Zyklus der 13 Clanmütter arbeitet, ein Bild, das mir als jemand, die in Jahreszeiten denkt, sofort etwas sagt. Niemand hetzt einen durch die Module, und genau diese Langsamkeit gibt auch den Phasen Raum, in denen der Zweifel lauter ist als die Zuversicht. Man merkt außerdem, selbst über einen Bildschirm, dass man mit anderen Frauen an denselben Terminen sitzt, auch wenn das Programm komplett online läuft.

Rund 3200 Dollar habe ich am Ende doch überwiesen, in monatlichen Raten, die ich mir eigentlich nicht leisten sollte, und selbst diese Entscheidung habe ich mehrfach infrage gestellt, bevor die erste Rate abging. Für alle, die sich stärker vom hawaiianischen Rahmen angesprochen fühlen, gibt es beim selben Anbieter auch A TOUCH OF ALOHA. Ich habe mich am Ende für die Herzebene und die Ahnenarbeit entschieden, nicht weil ich mir sicherer war, sondern weil dieser Rahmen näher an dem lag, was bei mir gerade ansteht.

Was Trude mir über das Weitermachen schrieb

Trude Warnecke schreibt mir seit meinem ersten Kursbericht, kurze E-Mails, selten mehr als drei Sätze, aber jeder einzelne trifft. Vor Kurzem schrieb sie mir sinngemäß, dass Zweifel für sie nie das Gegenteil von Weitermachen gewesen sei, sondern einfach die Lautstärke, mit der sich echte Veränderung meldet. Wir kennen uns nur aus diesen E-Mails, nie persönlich, und trotzdem hat mich dieser eine Satz mehr getragen als die meisten Gespräche, die ich in echt geführt habe.

Mein spirituelles Tagebuch hält selten eine Erkenntnis fest, meistens nur die genaue Beschreibung eines Zweifels, damit ich ihn beim nächsten Lesen wiedererkenne. Das hat wenig mit klassischer Trauerintegration zu tun, wie man sie aus Ratgebern kennt, und mehr mit dem Versuch, in etwas Unfertigem auszuhalten.

Diese innere Leere nach einem Todesfall schließt sich nicht, nur weil man einen Kurs bucht, so wenig, wie sie sich schließt, wenn man aufhört zu zweifeln – beides läuft nebeneinander her, ohne dass eines das andere aufhebt. Was mir tatsächlich hilft, ist eher, diese ganze spirituelle Entwicklung im Alltag zu integrieren, zwischen Kühlzelle und Kasse, und nicht zu warten, bis sich der Zweifel gelegt hat, bevor ich weitermache.

Falls du gerade an einem ähnlichen Punkt stehst und dich fragst, ob dein eigener Zweifel bedeutet, dass ein Programm wie dieses nichts für dich ist: Ich glaube inzwischen, dass es eher andersherum ist. Wer nie zweifelt, hat vielleicht auch nie wirklich hingeschaut. Schau dir das Programm von Thomas Young in Ruhe an, ohne von dir zu verlangen, dass du dir vorher sicher bist. Sicherheit war bei mir nie die Voraussetzung, sie kam höchstens später, für ein paar Minuten, bevor der nächste Zweifel anklopfte.

Jetzt liegt die Schere neben einem nassen Stielrest auf der Ablage, der Schnitt kurz und schräg, mit diesem winzigen Widerstand kurz bevor die Schere durchgeht. Genau so fühlt sich für mich inzwischen jede einzelne Sitzung an, ob ich gerade zweifle oder nicht.

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