
Es ist spät geworden heute. Draußen im Viertel peitscht der Regen gegen die Scheiben, und Zwetschge hat sich auf ihrem Platz auf dem Küchenfensterbrett zusammengerollt, ein schlafender Fleck aus schildpattfarbenem Fell. Ich sitze hier mit meinem Moleskine, meine Finger riechen noch nach feuchter Erde und den zerdrückten Stielen der Anemonen, die ich heute für einen Trauerkranz vorbereitet habe. Ich starre auf die leere Stelle am Küchentisch, wo meine Mutter Ingrid immer saß, wenn sie mich samstags im Laden besucht hat.
Seit sie im März 2024 so plötzlich an Bauchspeicheldrüsenkrebs starb – nur sieben Wochen nach der Diagnose –, ist da diese Stille. Sie ist nicht einfach nur leise. Sie fühlt sich an wie ein Raum ohne Wände, in dem man keinen Halt findet. Als Floristin kenne ich Rituale, ich kenne das Gewicht von Kränzen und die Bedeutung von Schleifen. Aber nichts davon hat mir geholfen, diese innere Leere zu füllen. Erst als ich anfing, mich auf schamanische Wege einzulassen, begriff ich: Die Leere muss vielleicht gar nicht gefüllt werden. Vielleicht muss sie nur bewohnt werden.
Bevor ich dir mehr erzähle, ein kurzer Hinweis: In diesem Text teile ich meine ganz persönlichen Erfahrungen mit Kursen, die ich selbst bezahlt habe. Wenn du über meine Links etwas buchst, erhalte ich eine Provision – für dich bleibt der Preis gleich. Ich bin keine Ärztin oder Therapeutin, sondern nur eine Floristin, die ihren Weg sucht. Wenn es dir wirklich schlecht geht, such dir bitte professionelle Hilfe bei einem Arzt oder Psychotherapeuten. Hier ist meine vollständige Offenlegung.
Vom Handwerk zur Seelenarbeit
Ich erinnere mich noch gut an den August 2024. Eine Stammkundin sah mich im Laden an, wie ich fast mechanisch Rosen schnitt, und gab mir eine Adresse in Worpswede. Meine erste Einzelsitzung bei der Schamanin dort kostete 120 Euro – ein Betrag, bei dem ich kurz schlucken musste. Aber nach diesen zwei Stunden hatte sich etwas bewegt. Es war, als hätte jemand ein Fenster in einem stickigen Zimmer aufgestoßen.
Seit Anfang 2025 fahre ich einmal im Monat nach Worpswede in einen Frauenkreis. Aber dieses Jahr, im Februar 2026, wollte ich tiefer gehen. Ich habe mich für das Online-Programm POWER OF LOVE angemeldet. Es kostet insgesamt rund 3200 Euro, was für mich als kleine Ladenbesitzerin eine echte Stange Geld ist. Manchmal, wenn ich auf den Kontoauszug schaue, kommt dieser stechende Gedanke: Ingrid hätte mich für verrückt erklärt, so viel Geld für unsichtbare Dinge auszugeben. Aber dann spüre ich wieder diese Weite, die das Programm in mir schafft.
Schamanismus hat viel mit den Ahnen zu tun. In der Ausbildung arbeiten wir oft mit der mütterlichen Blutslinie. Letzte Woche, als die Mentorin über die Kraft der weiblichen Ahnen sprach, spürte ich ein plötzliches, heißes Kribbeln in den Handflächen – als ob das Blut in meinen Adern schwerer und gleichzeitig lebendiger würde. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, zwischen Eukalyptuszweigen im Laden zu stehen und plötzlich diese Verbindung zu spüren, die weit über den Tod hinausgeht.
Wenn die Trommel im Wohnzimmer schlägt
Es klappt nicht immer alles so, wie es im Lehrbuch steht. Im März hatte ich versucht, eine schamanische Trommelreise per Zoom zu machen. Ich saß auf meinem Teppich, die Kopfhörer auf, bereit für die tiefe Trance. Aber Zwetschge hatte andere Pläne. Sie schmiss eine Vase mit gelben Tulpen um, und während ich versuchte, die Geister zu rufen, floss das Wasser über den Dielenboden. Ich fühlte mich wie eine Schwindlerin. Schamanische Reise für Anfänger klingt so spirituell, aber manchmal ist es einfach nur nass und chaotisch.
Besonders schwierig ist das für Frauen in meinem Kreis, die keine kinderlose Altbauwohnung haben wie ich. Eine Freundin aus dem Kurs ist alleinerziehend und kämpft in der Akutphase ihrer Trauer jeden Tag darum, überhaupt fünf Minuten Ruhe zu finden. Standardrituale erfordern oft absolute Stille und Versenkung – ein Luxus, den man mit kleinen Kindern nicht hat. Wir haben oft darüber gesprochen, dass schamanische Arbeit für Alleinerziehende anders aussehen muss. Es geht nicht um die perfekte Stunde auf der Matte, sondern um das kurze Innehalten, während man das Abendbrot schmiert. Trauerbegleitung muss alltagstauglich sein, sonst ist sie nur ein weiterer Punkt auf der To-Do-Liste, der ein schlechtes Gewissen macht.
Die 13 Clanmütter und die Pfingstrose
Das Programm basiert auf der Weisheit der 13 Clanmütter. Jede steht für einen anderen Aspekt des Frauseins. In meinem zweiten Monat jetzt geht es viel um das Thema Wahrheit und das Annehmen dessen, was ist. Es ist ein langsamer Prozess, fast wie das Warten auf eine Blume, die erst im richtigen Licht aufgehen will. Ich habe gelernt, dass ich Trauerbewältigung wenn die Mutter verstorben ist nicht erzwingen kann.
An einem regnerischen Samstag im April hatte ich einen Moment, der alles veränderte. Während einer Übung visualisierte ich meine Mutter nicht mehr als die Kranke im Krankenhausbett, sondern als Teil einer langen Kette von Frauen hinter mir. Am nächsten Arbeitstag im Laden kam eine Lieferung wunderschöner, schwerer Pfingstrosen rein. Ich nahm eine davon und presste sie abends in mein Moleskine. Die Pfingstrose steht für mich jetzt für diesen großen Moment der Erkenntnis: Die Leere ist nicht mein Feind. Sie ist der Platz, an dem Neues entstehen kann.
Falls du dich auch nach einer tieferen Struktur sehnst, könnte POWER OF LOVE auch für dich ein Anker sein. Es ist eine einjährige Reise, die Zeit lässt. Wer es etwas exotischer mag, für den gibt es auch A TOUCH OF ALOHA, was einen hawaiianischen Ansatz verfolgt, aber ich persönlich brauchte diesen Fokus auf die weibliche Linie, den mir das erste Programm bietet.
Heilbar, aber nicht sofort heil
Ich bin jetzt im Mai 2026 immer noch die Floristin aus dem Viertel. Ich binde Sträuße, fege den Boden und ärgere mich über verspätete Lieferungen. Aber etwas ist anders. Wenn ich heute eine Pfingstrose sehe, denke ich an die Clanmütter. Wenn ich ein Rauchbündel anzünde, spüre ich die Verbindung zu Worpswede und zu meiner Mutter.
Ich weiß immer noch nicht, was ich am Ende mit dieser Ausbildung anfangen werde. Ich glaube nicht, dass ich eine große Heilerin werde. Aber ich glaube inzwischen, dass etwas heilbar ist – ganz langsam, wie eine Pflanze, die nach einem harten Winter wieder austreibt. Das spirituelle Tagebuch schreiben hilft mir dabei, die Fortschritte zu sehen, auch wenn sie winzig sind.
Vielleicht ist das die wichtigste Lektion: Wir müssen die Leere nicht mit Lärm füllen. Wir können sie mit Blumen schmücken, sie mit Trommelklängen bewohnen und irgendwann feststellen, dass wir in dieser Stille nicht allein sind. Wenn du selbst gerade in dieser Leere stehst, sei geduldig mit dir. Die Blumen brauchen auch ihre Zeit, um durch den Asphalt zu brechen.
Gute Nacht aus Bremen. Zwetschge ist gerade aufgewacht und gähnt mich an. Zeit, das Licht auszumachen.
Diese Webseite dient ausschließlich der Information und Unterhaltung. Ich bin kein Arzt, Finanzberater oder Anwalt. Holen Sie sich professionellen Rat, bevor Sie Entscheidungen zu Gesundheit oder Finanzen treffen.