Das Bluetentagebuch

Wie Manifestieren lernen mir hilft meinen Blumenladen in Bremen zu führen

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Es ist dieser eine Moment am frühen Morgen, wenn der Frost noch wie Puderzucker auf den hohen Fensterscheiben meines Ladens im Viertel liegt und die Luft nach feuchter Erde und diesem scharfen, sauberen Duft von Eukalyptus riecht. Ich stehe dann meistens allein hinter dem Bindetisch, die Hände noch kalt vom Wasser in den Rosenkübeln, und starre auf den Hocker in der Ecke. Dort saß meine Mutter Ingrid früher oft, hat Kaffee getrunken und mir beim Binden zugesehen. Seit ihrem Tod im März 2024 – nur sieben Wochen nach der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs – ist dieser Hocker leer. Und in mir drin fühlte es sich lange Zeit genauso an: wie ein Raum, aus dem alle Möbel geräumt wurden.

An diesem Sonntagabend im Juni sitze ich in meiner Küche, Zwetschge, meine 15-jährige schildpattfarbene Katze, schläft auf dem Fensterbrett und ich versuche zu begreifen, wie ich hier gelandet bin. Ich bin eine Floristin, die seit 13 Jahren ihren eigenen Laden führt. Ich arbeite mit Matsch, Dornen und dem harten Zeitdruck der Trauerfloristik. Und trotzdem zahle ich seit Februar 2026 jeden Monat einen Betrag, den ich mir eigentlich kaum leisten sollte, für ein schamanisches Online-Programm namens Power of Love. Warum? Weil ich lernen wollte zu manifestieren – nicht um reich zu werden, sondern um nicht in meiner eigenen Leere zu ertrinken.

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Der Mythos vom Manifestieren und die Realität im Blumenladen

Wenn man das Wort Manifestieren hört, denken viele an glitzernde Visionboards und Menschen, die den ganzen Tag im Lotussitz auf einer Designer-Couch meditieren. In meinem Alltag im Bremen-Viertel sieht das anders aus. Wenn morgens um acht die Messingglocke an der Tür zum ersten Mal geht und ein Kunde einen Strauß für eine Beerdigung braucht, während gleichzeitig die Lieferung vom Großmarkt kommt, ist wenig Platz für „positives Denken“. Manifestieren, so wie ich es früher verstand, war etwas für Leute, die keine dreckigen Fingernägel haben.

Hände einer Floristin halten eine Anemone über einem offenen Notizbuch auf einem Holztisch.

Ich erinnere mich an einen Tag Ende Februar, als ich zum ersten Mal versuchte, eine der Herz-Öffnungs-Übungen aus dem Kurs direkt im Laden zu machen. Ich hatte zehn Minuten zwischen zwei Kunden. Ich setzte mich in das kleine Lager hinten, schloss die Augen und versuchte, mir vorzustellen, wie Liebe in mein Geschäft fließt. Nach genau zwei Minuten bimmelte die Glocke. Dann nochmal. Und nochmal. Ich fluchte leise, ließ die Schere fallen und rannte nach vorne. In dem Moment dachte ich: Das klappt nie. Ich bin zu sehr im Außen, zu sehr im Machen.

Was ich aber durch das Programm POWER OF LOVE [Jahresprogramm] langsam lerne, ist, dass Manifestieren nicht bedeutet, dass die Welt um mich herum stillsteht. Es ist eher wie das Binden eines großen Straußes: Man muss die Basis fest im Griff haben, damit die lockeren Blüten oben tanzen können. Ich habe angefangen, meine Absicht nicht in der Stille zu setzen, sondern während ich die Stiele anschneide. Jede Rose, die ich in die Hand nehme, wird zu einem kleinen Anker für das, was ich in meinem Laden und in meinem Leben haben will.

Die 13 Clanmütter: Weibliche Führung, wenn die eigene Mutter fehlt

Einer der Gründe, warum ich mich für dieses spezielle Programm entschieden habe, war die Struktur. Es basiert auf der Weisheit der 13 Clanmütter. Da ich meine Mutter so plötzlich verloren habe, suchte ich unbewusst nach einer anderen Form von weiblicher Führung. In dem Kurs gibt es 13 Lehrerinnen, die einen durch das Jahr begleiten. Es fühlt sich nicht an wie ein trockener Kurs, sondern wie ein Kreis, in den man eintritt. Dieses Tagebuch einer Sinnsuche beschreibt ganz gut, warum das gerade mit Anfang 40 so einschlägt.

In meinem Moleskine-Notizbuch liegen inzwischen über zwanzig getrocknete Blüten. Jede steht für einen Moment, in dem mich eine der Lehren der Clanmütter mitten im Alltag getroffen hat. Eine Anemone für die Klarheit, die ich im März fand, als ich endlich verstand, dass ich nicht die Trauer meiner Kunden „mit nach Hause“ nehmen muss, um eine gute Floristin zu sein. Eine Pfingstrose für den Mai, als ich lernte, dass Fülle auch dann existiert, wenn das Bankkonto gerade mal wieder ächzt.

Manifestieren bedeutet für mich heute: Ich entscheide, welche Energie in diesem Laden herrscht. Wenn ich morgens die Tür aufschließe, räuchere ich kurz mit Beifuß, den ich selbst gesammelt habe. Nicht weil es schick ist, sondern weil es mir hilft, den Raum von der Hektik des Vortrags zu klären. Es ist eine Form von energetischer Reinigung, die meinen Fokus schärft.

Innenansicht eines kleinen Bremer Blumenladens mit einer Messingglocke an der Tür und Kräuterbündeln.

Der Tulpen-Vorfall: Wenn Manifestieren zur kreativen Rettung wird

Ein echter Wendepunkt war eine Woche im April. Es war regnerisch, typisch bremisch grau, und der Großhändler hatte eine riesige Bestellung für eine Hochzeit komplett verpatzt. Statt der bestellten pastellfarbenen Tulpen kamen knallrote, die überhaupt nicht zum Konzept der Braut passten. Früher wäre ich in Panik verfallen, hätte geweint und mich als Versagerin gefühlt. Meine Mutter hätte mich beruhigt, aber sie war nicht da.

Ich hielt kurz inne. Ich erinnerte mich an eine Übung aus dem zweiten Monat des Programms, bei der es darum ging, den „Raum der Möglichkeiten“ zu halten. Ich schloss für einen Moment die Augen – die Messingglocke ignorierte ich diesmal kurz – und atmete tief in den Bauch. Ich fragte mich nicht: „Was mache ich jetzt?“, sondern „Welches Ergebnis wünsche ich mir für die Braut?“

Anstatt gegen die roten Tulpen zu kämpfen, rief ich eine befreundete Gärtnerin im Blockland an. Sie hatte zwar keine Tulpen, aber wunderschönen, frühen Flieder und ein paar Ranunkeln, die sie eigentlich für sich behalten wollte. Innerhalb von zwei Stunden hatte ich ein völlig neues, viel schöneres Konzept erstellt. Die Braut weinte vor Freude, als sie die Blumen sah. Das war für mich Manifestieren in Aktion: Nicht das perfekte Ergebnis erzwingen, sondern die Schwingung halten, damit die Lösung zu mir kommen kann. Es hat meinen Umgang mit Kunden komplett gewandelt.

Einjaehriges Online-Programm: Lohnt sich die monatliche Belastung?

Ich will ehrlich sein: Die monatliche Rate für Power of Love ist für eine kleine Floristin wie mich kein Pappenstiel. Es gab Sonntage, an denen ich vor meinem Notizbuch saß und dachte: „Helene, du bist verrückt. Du könntest das Geld für neue Regale oder eine neue Markise sparen.“ Aber dann sehe ich Zwetschge auf dem Fensterbrett und spüre diesen Frieden, der langsam in meine Altbauwohnung zurückkehrt, und ich weiß, dass es eine Investition in meine eigene Heilung ist.

Ein Arbeitstisch mit bunten Frühlingsblumen, einer Schere und einem Handy mit einem Online-Kurs.

Das Programm ist sehr online-basiert, was für mich erst schwierig war. Ich brauche eigentlich das Haptische. Aber die Trommelreisen und die Audios der 13 Clanmütter kann ich mir abends anhören, wenn der Laden zu ist und ich meine müden Füße hochlege. Es gibt mir einen Rahmen, den ich allein nicht halten könnte. Es ist wie ein unsichtbares Gerüst für meine Seele. Wer lieber etwas mit hawaiianischem Flair sucht, könnte sich auch A TOUCH OF ALOHA ansehen, aber für mich war die Arbeit mit den mütterlichen Archetypen im Power of Love Programm nach Ingrids Tod einfach stimmiger.

Ich lerne dort auch viel über Ahnenheilung. Das hilft mir, meine Mutter nicht nur als die kranke Frau der letzten sieben Wochen zu sehen, sondern als Teil einer langen Kette von Frauen, die alle ihre eigenen Schlachten geschlagen haben. Das Manifestieren wird dadurch tiefer – es geht nicht mehr nur um „ich will dies oder das“, sondern um „ich heile dies für uns alle“.

Das Moleskine und die Kraft der kleinen Schritte

Jeden Sonntagabend schreibe ich zwei Seiten in mein A5 Moleskine. Manchmal sind es nur drei Sätze, wenn die Woche hart war und meine Gelenke vom kalten Wasser schmerzen. Aber ich bleibe dran. Die über zwanzig getrockneten Blüten zwischen den Seiten sind mein Beweis, dass sich etwas bewegt. Es ist ein langsamer Prozess, so wie eine Zwiebel im dunklen Boden Zeit braucht, bis sie im Frühjahr als Tulpe den Kopf aus der Erde streckt.

Ich bin keine Heilerin und ich werde wahrscheinlich nie eine offizielle schamanische Praxis eröffnen. Ich bin und bleibe Helene, die Floristin aus dem Viertel. Aber ich merke, wie sich mein Laden verändert. Die Kunden bleiben länger stehen. Sie sagen oft: „Hier ist so eine gute Energie.“ Das ist das, was ich manifestiert habe, ohne es laut auszusprechen. Ich habe gelernt, dass meine Intention beim Binden der Blumen genauso wichtig ist wie die Frische der Stiele.

Schildpattkatze Zwetschge schläft friedlich auf einem Fensterbrett im Bremer Viertel.

Wenn du selbst in einer Situation steckst, in der du dich leer fühlst – sei es durch einen Verlust oder weil dein Beruf dich auffrisst –, kann ich dir nur raten: Such dir einen Anker. Für mich war es dieses Programm. Es hilft mir, nicht nur zu funktionieren, sondern wieder zu gestalten. Wenn du spürst, dass da mehr ist, das gelebt werden will, trau dich, den ersten Schritt zu machen. Vielleicht ist es für dich auch ein Weg, wieder mehr Liebe in deinen Alltag zu ziehen, so wie es mir das Power of Love Programm ermöglicht hat.

Es ist jetzt fast Nacht in Bremen. Der Regen hat aufgehört. Ich klappe mein Notizbuch zu und lege einen Eukalyptuszweig für diese Woche hinein. Er ist für die Ausdauer. Ich weiß immer noch nicht, wo dieser Weg mich am Ende hinführen wird, aber zum ersten Mal seit März 2024 habe ich keine Angst mehr vor der Leere. Ich weiß jetzt, wie man sie mit Blumen und mit Licht füllt. Und morgen früh, wenn die Glocke zum ersten Mal geht, werde ich bereit sein.

Mal kurz:
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