Das Bluetentagebuch

Wie Manifestieren lernen mir hilft meinen Blumenladen in Bremen zu führen

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Die Schere schließt sich um den Stiel der Anemone, schräg angeschnitten, und mitten in der Bewegung sage ich im Kopf einen Satz, über den ich vor ein paar Monaten noch gelacht hätte: Ich manifestiere einen ruhigen Nachmittag für diesen Laden. Kaltes Kübelwasser läuft mir über die Handgelenke, während ich das denke, und genau so sieht Manifestieren lernen bei mir aus — nicht im Schneidersitz auf einem Kissen, sondern zwischen zwei Kundinnen, mit nassen Fingern und einer Rechnung, die noch geschrieben werden muss.

Seit Februar arbeite ich an einer Art spiritueller Ausbildung, einem einjährigen Online-Programm namens Power of Love, und bin dabei ganz profan eine Floristin aus dem Bremer Viertel, die den ganzen Tag mit Matsch, Dornen und dem Zeitdruck der Trauerfloristik zu tun hat. Kein Meditationskissen, keine Räucherstäbchen-Romantik — nur eine Frau, die abends versteht, was ihr am Tag durch die Hände gegangen ist.

Ein kurzer Hinweis, bevor es weitergeht: Dieser Text enthält Affiliate-Links, und ich bekomme eine Provision, wenn du darüber buchst, ohne dass es für dich teurer wird. Ich schreibe hier nur über das, was ich selbst begonnen habe und wofür ich selbst zahle, monatlich, mit einer Summe, die mich jedes Mal kurz schlucken lässt. Ich bin keine Therapeutin und keine Heilpraktikerin. Wer mit schwerer Trauer kämpft, sollte sich an eine ausgebildete Fachperson wenden, nicht an einen Blog. Hier findest du meine vollständige Offenlegung.

Manifestieren zwischen Rosenstielen und Kühlwasser

Wer das Wort Manifestieren hört, denkt oft an Visionboards und an Menschen, die den ganzen Tag meditieren. In meinem Alltag im Bremen-Viertel sieht das anders aus. Die Glocke an der Tür geht, eine Kundin braucht in zehn Minuten einen Trauerstrauß, und gleichzeitig kommt die Lieferung vom Großhandel — für positives Denken bleibt in solchen Momenten wenig Raum. Manifestieren, so wie ich es früher verstand, war etwas für Leute ohne Erde unter den Fingernägeln.

Manifestieren lernen im Blumenladen: Hände einer Floristin halten eine Anemone über einem Sonntagabend-Notizbuch

Eine der ersten Übungen aus dem Programm heißt Herzöffnung und ist für mitten im Alltag gedacht, nicht für die Stille. Ich habe sie genau einmal richtig durchgezogen, zwischen zwei Kundinnen, mit geschlossenen Augen im Lager, bis die Glocke zum dritten Mal ging und ich fluchend nach vorne rannte — seitdem mache ich diese Übung anders, im Gehen, während ich Stiele anschneide.

Was mir das Programm POWER OF LOVE [Jahresprogramm] beibringt, ist eher, dass Manifestieren nicht heißt, dass die Welt stillhält. Es ist näher am Binden eines großen Straußes: Die Basis muss fest sitzen, damit die losen Blüten oben frei tanzen können. Meine Absicht setze ich inzwischen nicht mehr im Sitzen, sondern während ich die Stiele anschneide — jede Rose wird zu einem kleinen Anker für das, was ich für den Laden und für mich selbst will.

Warum ausgerechnet die 13 Clanmütter?

Einer der Gründe, warum ich mich für genau dieses Programm entschieden habe, ist die Struktur. Es arbeitet mit der Weisheit von 13 Clanmüttern, dreizehn Lehrerinnen, die einen durch das Jahr begleiten, und seit ich meine Mutter so plötzlich verloren habe, suche ich unbewusst nach einer Form von weiblicher Führung, die ich nicht mehr habe. Trauerbewältigung war für mich vorher ein Wort aus Ratgebern; jetzt ist es etwas, das ich in einem Kreis lerne, der sich nicht wie ein Kurs anfühlt, sondern wie ein Ort, in den man eintritt. Dieses Tagebuch einer Sinnsuche beschreibt gut, warum das gerade mit Anfang vierzig so viel trifft.

In meinem Moleskine liegen inzwischen über zwanzig getrocknete Blüten, jede für einen Moment, der mich mitten im Alltag getroffen hat — eine Anemone für eine Woche im März, in der ich verstand, dass ich die Trauer meiner Kundinnen nicht mit nach Hause nehmen muss, um eine gute Floristin zu sein, eine Pfingstrose für einen Mai, in dem ich merkte, dass Fülle auch existiert, wenn das Konto gerade wieder ächzt. Diese Art von spirituellem Tagebuch — Blüte statt Wort, wenn die Worte fehlen — ist inzwischen der Teil des Programms, den ich am wenigsten missen möchte.

Manifestieren bedeutet für mich mittlerweile: Ich entscheide mit, welche Energie in diesem Laden herrscht. Morgens räuchere ich kurz mit selbst gesammeltem Beifuß, nicht weil es hübsch aussieht, sondern weil es mir hilft, den Raum von der Hektik des Vortages zu trennen — eine kleine energetische Reinigung, die meinen Kopf klarer macht, bevor die Glocke zum ersten Mal geht.

Blumenladen im Bremer Viertel mit Messingglocke an der Tür — Alltag zwischen Trauerbewältigung und spiritueller Ausbildung

Der Versuch, mich in Arbeit zu flüchten, und warum er nicht half

Nach Ingrids Tod im März 2024 habe ich zuerst versucht, das Problem wegzuarbeiten. Ich habe den Laden auch samstags bis sieben offengehalten, mehr Aufträge angenommen, mehr Sträuße gebunden als nötig, in der stillen Annahme, dass Erschöpfung keine Leere fühlt. Ein paar Wochen lang funktionierte das sogar — ich war zu müde, um irgendetwas zu spüren. Dann kam ein Samstagabend, an dem ich hinter der Kasse saß, keine Kundin mehr im Laden, und die Leere trotzdem da war, nur mit müden Füßen dazu.

Mehr Arbeit füllt nichts, sie verschiebt es nur um ein paar Stunden.

Eine Freundin von mir quiltet seit Jahren in einem kleinen Nähkreis hier im Viertel, und ich habe lange nicht verstanden, warum ihr das so viel bedeutet. Inzwischen verstehe ich es besser, seit ich selbst einmal im Monat zu einem kleinen Frauenkreis fahre, acht Frauen, kein Zertifikat am Ende, nur Trommeln und gemeinsames Reisen und nebeneinander sitzen. Der Trommelschlag dort trifft einen zuerst im Rücken, bevor er überhaupt als Ton ankommt, und danach ist es leichter, wieder ruhig zu binden.

Was sich in der zehnten Woche wirklich verschoben hat

Es ist jetzt die zehnte Woche im Online-Programm, und was sich verändert hat, ist nicht groß. Ich ziehe morgens die Jalousien hoch, und für ein paar Sekunden liegt das Licht so auf den Kupfereimern am Fenster, dass der ganze Laden auf einmal schön aussieht — nicht inszeniert, nicht für ein Foto, einfach schön, und ich stehe da und sehe es, bevor der Tag mich wieder einholt. Vor einem Jahr hätte ich das nicht bemerkt. Ich hätte die Eimer gefüllt und wäre weitergegangen.

Das hat sich auch auf den Umgang mit Kundinnen ausgewirkt, wenn eine Bestellung schiefläuft oder eine Lieferung nicht passt: Ich reagiere inzwischen ruhiger, mit mehr Vertrauen, dass sich eine Lösung findet, auch wenn ich sie noch nicht sehe — mehr dazu in meinen Erfahrungen zum Kundenumgang mit dieser Ausbildung.

Arbeitstisch mit Frühlingsblumen, Schere und Smartphone während des Power-of-Love-Online-Programms

Online lernen, wenn man eigentlich das Haptische braucht

Vieles im Programm läuft online, was mir am Anfang schwerfiel — ich brauche eigentlich etwas zum Anfassen. Aber die Trommelreisen und die Audios der 13 Clanmütter kann ich mir abends anhören, wenn der Laden zu ist und die Füße wehtun; das gibt mir einen Rahmen, den ich allein nicht halten würde. Wer eher zu einem hawaiianischen Rahmen tendiert, findet mit A TOUCH OF ALOHA eine Alternative, die mit der Huna-Lehre arbeitet — für mich war die Arbeit mit mütterlichen Archetypen nach Ingrids Tod aber die stimmigere Wahl.

Ich lerne dort auch etwas über Ahnenheilung, darüber, meine Mutter nicht nur als die kranke Frau der letzten Wochen zu sehen, sondern als Teil einer langen Kette von Frauen vor ihr. Nebenbei kommen im Programm auch Schattenarbeit, Erdung, energetischer Schutz für Menschen, die schnell zu viel fühlen, und das Schärfen der Hellsinne vor — jedes davon wäre einen eigenen Sonntagabend-Eintrag wert, aber heute geht es mir nur um das Manifestieren selbst.

Was am Ende bleibt, wenn der Laden zu ist

Am Osterdeich gehe ich inzwischen öfter entlang, wenn ein Tag zu voll war, die Weser auf der einen Seite, der Feierabendverkehr auf der anderen, und genau dort kommt mir manchmal der Satz für den Sonntagabend-Eintrag. Nicht jede Woche fühlt sich nach Fortschritt an — letzte Woche habe ich eine Ahnenarbeit-Übung nach zehn Minuten abgebrochen, weil einfach kein Bild kam, keine Verbindung, nichts, und ich habe das Notizbuch zugeklappt, ohne eine Blüte hineinzulegen. Das gehört genauso dazu wie die Wochen, in denen sich etwas bewegt.

Wenn du selbst gerade das Gefühl hast, dass ein Raum in dir leer geworden ist, sage ich dir nicht, dass ein Kurs das für dich füllt. Was ich gelernt habe, ist kleiner und, ich glaube, übertragbarer: Die Absicht setzt man nicht in der Stille, die man sich wünscht, sondern mitten in dem, was man sowieso gerade in den Händen hält — beim Stielanschneiden, beim Aufräumen, beim Warten auf die nächste Kundin. Für mich war der Anker das Power of Love Programm; für dich ist es vielleicht etwas ganz anderes. Aber die Stelle, an der man anfängt, ist fast immer die, an der man gerade steht, mit nassen Händen und einer Rechnung, die noch geschrieben werden muss.

Schildpattkatze Zwetschge schläft auf dem Fensterbrett, während Helene ihr Sonntagabend-Tagebuch schreibt

Zwetschge liegt auf dem Fensterbrett und schläft, während ich einen Eukalyptuszweig für diese Woche zwischen die Seiten lege — er steht bei mir für Ausdauer, nicht für ein Ergebnis. Morgen früh, wenn die Glocke zum ersten Mal geht, bin ich wieder da, mit denselben nassen Händen wie heute.

Mal kurz:
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