Das Bluetentagebuch

Heilung des inneren Kindes durch die Power of Love Online Ausbildung

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Es ist Sonntagabend, kurz nach acht, und der Regen in Bremen-Viertel trommelt gegen das alte Glas meines Küchenfensters. Zwetschge, meine schildpattfarbene Katze, hat sich auf dem Fensterbrett zusammengerollt, ihre Pfoten zucken im Schlaf – vielleicht träumt sie von den Mäusen im Hinterhof. Vor mir liegt mein Moleskine, und zwischen den Seiten klebt noch der Saft einer zerdrückten blassrosa Ranunkel, die ich heute Nachmittag im Laden aussortiert habe. Sie war zu weit geöffnet, zu verletzlich für einen Strauß, genau wie ich mich nach der letzten Sitzung der Power of Love Ausbildung gefühlt habe.

Ich bin jetzt seit Februar 2026 in diesem Programm. Es ist Juni, draußen riecht es nach feuchtem Asphalt und dem Flieder, der in den Gärten hinter dem Sielwall langsam verblüht. Eigentlich sollte ich mich an diesem Punkt der Ausbildung schon „gefestigter“ fühlen, so steht es zumindest in den glänzenden Begleitmaterialien. Aber die Arbeit mit dem inneren Kind ist kein linearer Weg, kein perfekt gebundener Biedermeierstrauß, bei dem jeder Stiel genau dort sitzt, wo er hingehört. Es ist eher wie das Entwirren eines alten, verwilderten Gartens, in dem man unter dem Giersch plötzlich auf Dinge stößt, die man vor Jahrzehnten dort vergraben hat.

Wenn die Messingglocke schweigt: Der Ruf nach Innen

In meinem Laden an der Ecke ist es tagsüber laut. Die Messingglocke an der Tür bimmelt ständig, Kunden wollen Pfingstrosen für Hochzeiten oder schlichte Kränze für den Friedhof. Ich funktioniere. Ich schneide Stiele schräg an, ich wässre das Moos, ich lächle. Aber wenn ich abends die Tür abschließe und das Licht lösche, kommt die Stille. Und in dieser Stille fing im März 2024 alles an, als meine Mutter Ingrid starb. Sieben Wochen nach der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs war sie weg. Und ich stand da mit meinen Händen voller Erde und wusste nicht, wohin mit der Leere.

Die Ausbildung zur Heilung des inneren Kindes war für mich kein geplanter Karriereschritt. Ich will keine Heilerin werden, ich will keine Praxis eröffnen. Ich wollte einfach nur aufhören, mich so hohl zu fühlen. In den ersten Modulen der Ausbildung ging es viel darum, diesen kleinen Anteil in uns zu finden, der noch immer in der Vergangenheit feststeckt. Bei mir ist es eine achtjährige Helene, die in der Küche in Schwachhausen sitzt und wartet, dass ihre Mutter von der Arbeit kommt, während das Licht draußen langsam blau wird. Dieses Gefühl des Wartens, der leisen Angst, nicht genug zu sein – das ist es, was ich heute oft in meinen Kunden sehe, und leider auch in mir selbst, wenn ich vor dem Rechner sitze und die Video-Lektionen starte.

Nahaufnahme einer zarten Ranunkel und einer Gartenschere auf einem rustikalen Holztisch.

Manchmal sitze ich zwei Stunden vor einem Video und schaffe es nicht, auf „Play“ zu drücken. Ich starre auf das Display meines Tablets, während neben mir die Reste eines Eukalyptuszweigs liegen, und frage mich, ob ich für diese 180 Euro im Monat wirklich Fortschritte mache oder ob ich mir nur teure Tränen kaufe. Es gab diese Woche einen Moment, da sollte ich einen Brief an mein kleines Ich schreiben. Ich habe den Stift angesetzt, drei Sätze geschrieben und dann das Notizbuch zugeknallt. Es ging nicht. Es kam nichts als eine große, graue Wand. In solchen Momenten fühlt sich die Ausbildung wie eine Last an, wie ein weiterer Termin in einem ohnehin schon vollen Floristenleben.

Die Kosten der Hoffnung und das Erbe meiner Mutter

Es ist kein Geheimnis, dass ich mir diesen Kurs eigentlich kaum leisten kann. 180 Euro, jeden Monat. Das sind viele verkaufte Anemonen und viele Stunden Überzeugungsarbeit bei Kunden, die eigentlich nur den günstigsten Preis wollen. Aber nach dem Besuch bei der Schamanin in Worpswede im August 2024 wusste ich, dass ich diesen Weg gehen muss. Es war, als hätte jemand eine Tür einen Spalt weit geöffnet, durch die ich zuvor nie zu blicken wagte. Ich habe damals begriffen, dass meine Trauer um Ingrid eng mit den Dingen verknüpft ist, die zwischen uns nie ausgesprochen wurden.

In der Ausbildung lernen wir viel über die Ahnenlinie. Wie sich Schmerz durch Generationen zieht, wie ein unsichtbarer Faden, der sich um unsere Knöchel schlingt. Wenn ich heute an meine Mutter denke, sehe ich nicht nur die kranke Frau im Krankenhausbett, sondern auch das Kind, das sie einmal war. Ich habe darüber nachgedacht, wie sie wohl mit ihrem eigenen Schmerz umgegangen ist. In meinem Text über Ahnenheilung für Anfänger: Wie ich heute anders auf meine Mutter blicke habe ich versucht, diese Verbindung zu verstehen. Es hilft mir, weniger wütend auf sie zu sein, weil sie mir nicht alles geben konnte, was ich als Kind gebraucht hätte. Sie hatte selbst oft nur leere Hände.

Die Heilung des inneren Kindes bedeutet für mich auch, diese leeren Hände zu akzeptieren. In der Ausbildung gibt es Übungen zur Vergebung, die sich manchmal so kitschig anfühlen, dass ich fast laut lachen muss. Aber dann, mitten in einer geführten Meditation, bricht plötzlich etwas auf. Es ist kein großes Licht, keine Engelserscheinung. Es ist eher wie das Geräusch, wenn eine Knospe im Frühjahr aufspringt – fast unhörbar, aber der Anfang von etwas Neuem.

Zwischen Bindetisch und Bildschirm: Wenn die Übung scheitert

Letzten Dienstag war so ein Tag, an dem gar nichts klappte. Ich hatte eine große Bestellung für eine Beerdigung – dreißig Kränze, alles in Weiß und Grün. Meine Hände waren rissig vom kalten Wasser, und mein Rücken schmerzte. Als ich abends das Modul zur „Emotionalen Selbstregulation“ öffnete, wollte ich eigentlich nur, dass mir jemand sagt, dass alles gut wird. Stattdessen sollte ich mich in eine Situation hineinfühlen, in der ich mich abgelehnt gefühlt habe.

Ich saß da, Zwetschge schnurrte auf meinem Schoß, und ich fühlte... nichts. Nur Müdigkeit. Ich habe die Übung nach zehn Minuten abgebrochen. Das ist die Realität dieser Ausbildung: Manchmal ist man zu erschöpft für Erleuchtung. Manchmal ist der Alltag im Laden so fordernd, dass für das innere Kind kein Platz bleibt. Ich habe mich früher dafür verurteilt, dachte, ich sei nicht „spirituell“ genug. Heute weiß ich, dass auch das Scheitern ein Teil des Prozesses ist. Ein Strauß wird auch nicht schöner, wenn man die Blumen mit Gewalt in die Vase presst.

Ein aufgeschlagenes Notizbuch mit einer gepressten Eukalyptuspflanze auf einem Tisch.

In solchen Momenten hilft mir mein Tagebuch. Ich habe mir angewöhnt, jede Woche eine Blume aus dem Laden einzulegen, die meine Stimmung widerspiegelt. Diese Woche war es ein vertrockneter Eukalyptuszweig. Er riecht noch immer streng, fast medizinisch, aber er ist zäh. Er erinnert mich daran, dass Heilung Zeit braucht. Ich habe angefangen, diesen Weg zu dokumentieren, und falls du selbst überlegst, wie du deine Erlebnisse festhalten kannst, findest du in meinem Beitrag über das Ein spirituelles Tagebuch schreiben mit gepressten Blumen aus meinem Laden vielleicht eine Inspiration, die über bloße Worte hinausgeht.

Die Gefahr der Nabelschau im Blumenladen

Was ich an der Ausbildung kritisch sehe – und das sage ich als jemand, der mittendrin steckt –, ist die Tendenz, sich nur noch um sich selbst zu drehen. Manchmal stehe ich im Laden und eine Kundin beschwert sich über die Haltbarkeit ihrer Rosen, und mein erster Impuls ist zu denken: „Oh, das triggert jetzt mein Thema mit der Unzulänglichkeit.“ Aber ganz ehrlich? Manchmal ist eine unzufriedene Kundin einfach nur eine unzufriedene Kundin.

Die Ausbildung zur Heilung des inneren Kindes birgt die Gefahr, dass man jedes Alltagsproblem psychologisiert. Man läuft Gefahr, in einer Art narzisstischen Endlosschleife zu landen, in der sich alles nur noch um die eigenen Wunden dreht. Ich muss mich oft selbst daran erinnern, dass die Welt da draußen im Bremer Viertel weitergeht, auch wenn ich gerade eine schamanische Reise zu meinem fünfjährigen Ich mache. Die Blumen müssen gegossen werden, die Rechnungen bezahlt. Heilung sollte uns fähiger für das Leben machen, nicht davon entfremden.

Ich bin keine Psychotherapeutin und keine Ärztin. Ich bin eine Floristin, die versucht, die Scherben ihres Lebens zusammenzukleben. Wenn du merkst, dass dich deine Trauer oder deine Kindheitserinnerungen so sehr belasten, dass du den Alltag nicht mehr bewältigen kannst, ist ein Online-Kurs vielleicht nicht der erste Schritt. In solchen Fällen ist es wichtig, sich professionelle Hilfe bei einem Arzt oder einer psychotherapeutischen Praxis zu suchen. Eine spirituelle Ausbildung kann eine wunderbare Ergänzung sein, aber sie ersetzt keine medizinische Behandlung.

Eine schildpattfarbene Katze sitzt am Fenster und blickt in den Bremer Regen.

Ich nutze die Ausbildung eher wie ein Werkzeug, ähnlich wie meine Rosenschere. Sie hilft mir, das wegzuschneiden, was nicht mehr lebt, damit das Neue Platz hat. Manchmal hilft es mir auch, meinen Laden energetisch zu betrachten. Ich habe neulich darüber geschrieben, wie ich die Energetische Reinigung von Räumen: Wie ich meinen Blumenladen in Bremen kläre angehe, um eine Atmosphäre zu schaffen, in der nicht nur die Pflanzen, sondern auch ich atmen kann. Es ist ein ständiges Ausprobieren.

Was bleibt: Eine gepresste Ranunkel für die Zuversicht

Jetzt, im Juni 2026, merke ich, dass sich etwas verändert hat. Es ist nicht so, dass der Schmerz über Ingrids Tod weg ist. Er hat sich nur verwandelt. Er ist jetzt wie ein alter Baum in meinem inneren Garten – er gehört dazu, er wirft Schatten, aber er nimmt nicht mehr das ganze Licht weg. Die Power of Love Ausbildung hat mir gezeigt, dass das innere Kind nicht „geheilt“ werden muss, im Sinne von „repariert“. Es muss gesehen werden. Es will wissen, dass die erwachsene Helene jetzt da ist und die Rosenschere fest in der Hand hält.

Wenn ich heute Abend mein Moleskine schließe, spüre ich die Unebenheiten der gepressten Blumen unter dem Einband. Über zwanzig Blüten sind es inzwischen. Jede steht für eine Träne, eine Erkenntnis oder einfach nur für einen harten Tag im Laden, den ich überstanden habe. Ich weiß immer noch nicht, was ich am Ende des Jahres mit diesem Wissen anfangen werde. Vielleicht werde ich keine einzige schamanische Zeremonie leiten. Vielleicht werde ich einfach nur eine Floristin bleiben, die ein bisschen friedlicher mit sich selbst ist.

Und das ist vielleicht die größte Heilung von allen: Zu akzeptieren, dass man nicht perfekt sein muss, um wertvoll zu sein. Dass auch ein Strauß mit ein paar welken Blättern eine Geschichte erzählt. Ich werde weiter schreiben, jeden Sonntagabend, während Zwetschge schläft und die Messingglocke im Laden unten im Erdgeschoss geduldig auf den nächsten Morgen wartet.

Wichtig:
Dieser Text spiegelt meine persönlichen Erfahrungen wider und dient der Information. Ich bin keine Ärztin oder Therapeutin. Bei psychischen Belastungen oder anhaltender Trauer suchen Sie bitte unbedingt professionelle medizinische oder therapeutische Hilfe auf.
Mal kurz:
Keine der Informationen auf dieser Website stellt eine medizinische, rechtliche oder finanzielle Beratung dar. Alle Inhalte basieren auf persönlicher Erfahrung. Wenden Sie sich an einen qualifizierten Fachmann für eine auf Ihre Situation zugeschnittene Beratung.

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