Das Bluetentagebuch

Warum spirituelle Blockaden lösen Übungen für mich eine Herausforderung sind

Fünf Sitzungen habe ich bei einer Trauertherapeutin gemacht, dann habe ich aufgehört. Nicht weil etwas falsch gelaufen wäre, sondern weil ich mich nach jeder Stunde fühlte, als hätte ich ein Protokoll abgearbeitet statt etwas über meine Trauer zu verstehen. Das war lange bevor ich wusste, dass ich mich für eine einjährige spirituelle Ausbildung anmelden würde, in der es unter anderem um das Lösen von Blockaden geht – und genau diese Übungen fallen mir bis heute schwerer als alles andere im Programm.

Kurz vorweg, bevor ich weiterschreibe: Dieser Text erzählt von meinem eigenen Weg durch dieses Programm, und er enthält Affiliate-Links – wenn du darüber etwas buchst, bekomme ich eine Provision, ohne dass es für dich teurer wird. Ich bin Floristin und keine Therapeutin, deshalb ersetzen meine Zeilen keinen fachlichen Rat. Bei schwerer Trauer oder psychischen Belastungen sprich bitte zuerst mit deinem Hausarzt oder einer Psychotherapeutin. Die vollständige Offenlegung findest du hier.

Fünf Sitzungen, ein Gefühl von Protokoll

Die Trauertherapeutin hatte einen klaren Ablauf: Anamnese, Zielsetzung, wöchentliche Auswertung. Fachlich war daran nichts auszusetzen, das will ich nicht behaupten. Nach dreizehn Jahren, in denen ich beruflich täglich mit Trauerfloristik zu tun habe, dachte ich eigentlich, ich wüsste, wie ich mit Verlust umgehe – bis ich nach der vierten Sitzung merkte, dass ich Antworten gab, von denen ich wusste, dass sie erwartet wurden, nicht solche, die ich tatsächlich fühlte.

Nach der fünften habe ich abgesagt und nicht wieder angerufen.

Genau dieses Gefühl von Ablauf statt Erleben taucht jetzt wieder auf, seltsamerweise mitten in einem Programm, das ich mir freiwillig ausgesucht habe und für das ich monatlich einen Betrag zahle, den ich mir eigentlich nicht leisten sollte. Trude Warnecke, eine andere Teilnehmerin aus dem Kurs, die mir seit meinem ersten Kursbericht kurze Mails schreibt, hat kürzlich gefragt, welche der Übungen im Programm eigentlich etwas bei mir bewegt – eine Frage, die ich mir selbst noch nicht gestellt hatte.

Rissige Floristinnen-Hände auf der Laptop-Tastatur neben einer getrockneten Ranunkel während der Blockaden lösen Übungen

Vorgegebene Blockaden-Übungen fühlen sich für mich oft falsch an

Im Onlineprogramm reihen sich Übungen zur Ahnenheilung neben Einheiten zur Huna-Lehre aus Hawaii, dazwischen kurze Trainings, die die Hellsinne schärfen sollen, und jede kommt mit eigener Anleitung, eigenem Zeitfenster, eigenem Versprechen.

Ich lerne gerade, dass Übungen zur Herzöffnung für Anfänger mich öfter unruhig zurücklassen als sie öffnen, während eine geführte Übung zum energetischen Schutz, die vor jeder Sitzung empfohlen wird, sich für mich wie ein zusätzlicher Schritt anfühlt, den mein Körper gar nicht verlangt.

Zuzugeben, dass mir vorgegebene Schritte weniger geben als das Ungeplante, ist selbst eine Art Schattenarbeit – niemand im Kurs hat mir gesagt, dass ich das Programm auch in Frage stellen darf, während ich es durchlaufe.

Was ohne Anleitung passiert, wirkt bei mir länger nach

Neulich habe ich morgens die Jalousien hochgezogen, und das Licht fiel quer über die Kupfereimer mit den Ranunkeln – für einen Moment sah der Laden einfach nur schön aus, ohne dass ich etwas dafür getan hätte.

Das war keine Übung. Niemand hatte mir gesagt, ich solle darauf achten. Und trotzdem hat genau dieser eine Blick länger nachgewirkt als jede angeleitete Meditation der letzten Wochen.

Am Osterdeich entlang der Weser gehe ich seitdem öfter eine Runde, bevor ich den Laden aufschließe, ohne dass es eine vorgeschriebene Übung wäre. Die schamanische Reise mit der Trommel, wie ich sie einmal im Monat im Frauenkreis erlebe, gehört zu den wenigen Dingen, bei denen ich während der Sitzung selbst nicht mehr über das Ergebnis nachdenke. Sie passiert einfach. Erdung dagegen ist für mich kein Ruhezustand, den ich mir an einem freien Vormittag gönne, sondern die Voraussetzung dafür, dass ich mich überhaupt einer Blockade nähern kann, die sich verschlossen anfühlt, und genau deshalb bringen mich die festen Erdungsübungen aus dem Kursmaterial eher aus dem Konzept als dass sie mir helfen.

Mein Moleskine-Notizbuch, in das ich sonntagabends schreibe und zwischen dessen Seiten inzwischen über zwanzig getrocknete Blüten liegen, würde im Kurs vermutlich als spirituelles Tagebuch bezeichnet – für mich ist es einfach der Ort, an dem ich eine Pfingstrose oder eine Anemone presse, wenn etwas an mich heranreicht. Was dort Trauerintegration heißt oder als Arbeit an der inneren Leere beschrieben wird, kenne ich unter einfacheren Namen: dem Moment nach der Beerdigung, an dem ein ganzer Raum in mir leer war und ich nicht wusste, womit ich ihn füllen sollte – meine Art von Trauerbewältigung, falls man dafür überhaupt ein Wort braucht. Und was im Programm als Alltagsintegration läuft, passiert bei mir eher zwischen zwei Kundengesprächen als auf einem Meditationskissen.

Aufgeschlagenes Moleskine-Tagebuch mit gepressten getrockneten Blüten zwischen den Seiten als spirituelles Tagebuch nach der Trauerbewältigung

Struktur wählen oder dem Fluss folgen

Roswitha, die seit Jahren jeden Freitagvormittag in meinen Laden kommt, hat neulich gehört, wie ich am Telefon von einer Blockade sprach, und nur die Augenbrauen hochgezogen. Sie glaubt an nichts von alledem, das hat sie mir oft genug gesagt – und trotzdem hat sie nie abfällig darüber geredet, nicht einmal an diesem Freitag.

Wenn ich vergleiche, an welchen Tagen mir welche Art von Übung hilft, erkenne ich ein Muster: Vorgegebene Übungen helfen mir an den Tagen, an denen ich sowieso keine Kraft habe, selbst zu entscheiden, was ich brauche, dann ist es gut, wenn mir jemand sagt, wo ich anfangen soll. Das POWER OF LOVE Programm ist genau für solche Tage gebaut, mit seiner Ratenzahlung und seinem festen Jahresrahmen, der nicht danach fragt, ob ich gerade bereit bin. An den anderen Tagen aber, an denen sich eine Übung von außen aufgesetzt anfühlt, lasse ich sie lieber liegen und warte auf das, was von selbst kommt, so wie an dem Morgen mit den Kupfereimern.

Wer die ganzen Begriffe ohnehin nachschlagen möchte – Ahnenarbeit, Huna, Schattenarbeit, Erdung – findet in meinem Glossar der Schamanismus-Begriffe eine erste Orientierung, auch wenn das eigentliche Verstehen bei mir ohnehin erst später kommt, meistens beim Blumenbinden und nicht beim Lesen.

Falls du gerade selbst spürst, dass jede vorgeschlagene Übung sich wie eine Mauer anfühlt: Das sagt nichts Falsches über dich aus, sondern vielleicht nur, dass manche Blockaden eher Zeit brauchen als Technik. Wenn du trotzdem eine feste, sanfte Struktur für ein ganzes Jahr suchst, schau dir das Programm POWER OF LOVE an – es nimmt dir die Entscheidung an schlechten Tagen ab, ersetzt aber nicht die Tage, an denen du merkst, dass du selbst weiterkommst.

Zwetschge streckt sich jetzt auf dem Fensterbrett und schaut mich mit halb geschlossenen Augen an, während ich das Notizbuch zuklappe. Morgen früh warten frische Ranunkeln und Anemonen auf mich, und ich werde vermutlich wieder keine Antwort darauf haben, welche Übung als nächstes an der Reihe ist – nur die Gewissheit, dass ich es trotzdem versuchen werde.

Mal kurz:
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