
Es ist spät am Sonntagabend, und das einzige Geräusch in meiner Wohnung im Viertel ist das leise Schnurren von Zwetschge, die auf dem Küchenfensterbrett zwischen den Kräutertöpfen eingeschlafen ist. Draußen vor dem Fenster schimmert der Bremer Asphalt nass vom Nieselregen. Vor mir leuchtet der Laptop, ein scharfer Kontrast zu dem sanften Licht meiner Stehlampe, und ich versuche, meine Gedanken für die vergangene Woche im Kurs zu ordnen.
Hinweis: In meinen Texten erzähle ich von meinem ganz persönlichen Weg. Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links – wenn du über diese Links etwas buchst, erhalte ich eine Provision, ohne dass es für dich teurer wird. Ich teile hier nur die Erfahrungen aus der Ausbildung, die ich selbst bezahlt habe und besuche. Da ich keine Ärztin oder Therapeutin bin, sondern Floristin, ersetzen meine Worte keinen medizinischen Rat. Bei tiefer Trauer oder psychischen Belastungen such bitte immer zuerst das Gespräch mit deinem Hausarzt oder einer Psychotherapeutin. Hier findest du meine vollständige Offenlegung.
Zwischen Blumenwasser und Bildschirm-Stille
Ich bin jetzt im fünften Monat meines Online-Programms, das mich durch das Jahr 2026 begleitet. Es ist eine intensive Reise, die sich oft so gar nicht nach dem anfühlt, was ich mir unter „spirituellem Wachstum“ vorgestellt hatte. Wenn ich abends die Übungen zum Thema Blockadenlösen mache, starre ich oft auf meine Hände. Sie sind rau, die Haut an den Fingerkuppen ist vom kalten Blumenwasser und dem harten Draht der Trauerkränze gezeichnet.
In diesen Momenten fühlt sich die schamanische Arbeit manchmal fast fremd an. Wie soll ich „energetische Knoten“ lösen, wenn ich den ganzen Tag damit verbracht habe, Ranunkeln zu putzen und die Messingglocke an meiner Ladentür gefühlt hundertmal geläutet hat? Ich merke dann, wie schwer es mir fällt, den Schalter umzulegen. Das Programm basiert auf der Weisheit der 13 Clanmütter, und jede von ihnen fordert einen anderen Teil von mir heraus. Aber oft sitze ich einfach nur da und fühle – nichts. Oder schlimmer: Ich fühle nur die Erschöpfung in meinen Schultern.
Letzten Dienstag habe ich versucht, eine rhythmische Atemübung zu machen, die uns im Kurs gezeigt wurde. Eigentlich sollte ich mich auf mein Herzchakra konzentrieren, aber ich konnte den Blick nicht von dem Dreck unter meinen Fingernägeln abwenden. Egal wie sehr ich schrubbe, die Erde meiner Arbeit bleibt immer ein bisschen an mir hängen. Und genau so fühlt es sich mit den inneren Blockaden an: Sie sind wie tief eingezogener Pflanzensaft, der sich nicht einfach mit einer Meditation wegwischen lässt.

Die unsichtbare Last der „perfekten“ Ruhe
Was mich an diesen Übungen am meisten herausfordert, ist die Erwartung von Stille. In unserem Frauenkreis in Worpswede, in den ich seit Anfang 2025 einmal im Monat fahre, ist diese Stille natürlich. Da ist der weite Himmel, das Moor, die Trommeln. Aber hier in meiner Altbauwohnung, während ich monatlich einen Betrag für die Ausbildung überweise, den ich eigentlich für die Ladenversicherung oder neue Regale zur Seite legen sollte, ist die Stille oft laut. Ich denke dann: „Ich zahle so viel Geld, und alles was ich spüre, ist der Luftzug unter der Küchentür.“
Besonders berührt hat mich in den letzten Zoom-Sitzungen die Situation der anderen Frauen. Viele von ihnen sind Alleinerziehende mit Kleinkindern. Wenn wir versuchen, uns in eine tiefe Trance zu begeben, sehe ich in den kleinen Kacheln auf dem Bildschirm, wie im Hintergrund Kinder durchs Bild rennen oder an Ärmeln ziehen. Diese Frauen haben eine mentale Last, die ich als kinderlose Floristin nur erahnen kann. Für sie ist die Suche nach einer „Blockade“ kein abstraktes Konzept, sondern ein Kampf gegen die permanente Unterbrechung.
Standardübungen verlangen oft ungestörte Zeitfenster, die im echten Leben – egal ob man einen Laden führt oder Kinder erzieht – kaum existieren. Ich lerne gerade, dass Übungen zur Herzöffnung für Anfänger vielleicht genau darin bestehen, die Unterbrechung nicht als Feind zu sehen, sondern als Teil des Weges. Es ist eine Form von Schattenarbeit, anzuerkennen, dass mein spiritueller Raum eben nicht steril und ruhig ist, sondern nach Eukalyptus riecht und von Zwetschges Schnarchen begleitet wird.
Wenn die Ahnenarbeit den Raum abkühlt
Ein tiefer Moment der Herausforderung kam vor ein paar Wochen, als es im Programm um Ahnenheilung ging. Seit meine Mutter Ingrid im März 2024 gestorben ist, ist dieses Thema für mich wie ein offenes Fenster im Winter. Als die Lehrerin im Kurs über die mütterliche Linie sprach, spürte ich eine plötzliche, scharfe Kälte in meinen Fingerspitzen. Es war kein angenehmes „Fließen“, sondern ein Frösteln, das mich bis in die Knochen erreichte.
Ich musste die Übung abbrechen und nach der alten Wollstrickjacke meiner Mutter greifen, die noch immer im Flur hängt. In diesem Augenblick wurde mir klar: Manche Blockaden lösen wir nicht, weil wir sie wie Schilde vor uns hertragen. Ich bin vielleicht noch gar nicht bereit, diesen Schutzraum aufzugeben, den die Trauer um Ingrid um mich herum gebaut hat. Es ist okay, wenn manche Türen noch verschlossen bleiben, auch wenn ich im POWER OF LOVE Programm eigentlich lernen soll, sie weit aufzureißen.
In mein Moleskine-Notizbuch habe ich an diesem Abend nur drei Sätze geschrieben. Ich habe eine getrocknete Pfingstrose aus dem Mai zwischen die Seiten gepresst, die beim Aufschlagen einen ganz zarten, staubigen Duft verströmte. Die Blüte fiel mir fast auf die Tastatur, ein kleiner Gruß aus einer Zeit, in der alles im Laden blühte, während ich innerlich erstarrt war. Inzwischen liegen über zwanzig solcher gepressten Erinnerungen in meinem Buch – jede ein Zeichen für einen Moment, in dem ich etwas gewagt habe.

Blockaden als Wegweiser, nicht als Hindernis
Das 12-monatige Format der Ausbildung gibt mir zum Glück den Raum, den ich brauche. Ich merke, dass ich mich nicht beeilen muss. Das Binden eines großen Straußes braucht auch Zeit; man kann die Blumen nicht zwingen, in eine Form zu springen, für die sie noch nicht bereit sind. Manchmal muss man einen Schritt zurücktreten, um zu sehen, wo ein Zweig fehlt oder wo einer zu viel ist.
Die größte Herausforderung beim Lösen von Blockaden ist für mich die Geduld mit mir selbst. Ich bin es gewohnt, mit meinen Händen Ergebnisse zu schaffen. Ein Kranz ist fertig, wenn er fertig ist. Aber meine Seele ist kein Werkstück. Wer tiefer in die Begriffe eintauchen möchte, findet in meinem Glossar der Schamanismus-Begriffe vielleicht ein wenig Orientierung, aber die wahre Erfahrung passiert ohnehin jenseits der Worte.
Falls du selbst gerade an einem Punkt stehst, an dem sich jede spirituelle Übung wie eine unüberwindbare Mauer anfühlt: Du bist nicht allein. Vielleicht ist die Blockade gerade dein wichtigster Lehrer. Wenn du das Gefühl hast, dass du eine strukturierte Begleitung brauchst, die dich sanft über ein ganzes Jahr führt, schau dir das Programm POWER OF LOVE an. Es ist kein „Quick Fix“, aber es hält den Raum für dich, auch wenn du – wie ich – manchmal nur mit der Strickjacke deiner Mutter auf dem Küchenstuhl sitzt und wartest, dass es wieder hell wird.
Ich klappe jetzt mein Notizbuch zu. Zwetschge hat sich gestreckt und schaut mich mit ihren schläfrigen Bernsteinaugen an. Morgen früh wartet der Großmarkt auf mich, und ich werde wieder Anemonen für Klarheit und Eukalyptus für die Beständigkeit in meine Vasen stellen. Vielleicht ist das meine wichtigste Übung: Einfach weiterzumachen, einen Tag nach dem anderen.
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