Ich schneide die Stiele der ersten Pfingstrosen-Lieferung an, korallenfarben und schwer vom Duft, als das Handy in meiner Schürzentasche vibriert. Die Abbuchung. 266,67 Euro, zum vierten Mal in diesem Jahr, und für eine Sekunde bleibt das Messer in der Luft stehen, während ich mich frage, ob diese Art von Persönlichkeitsentwicklung – dieses schamanische Jahresprogramm, das für mich zur eigenen Form der Trauerbewältigung geworden ist – wirklich das ist, wofür ich mein Geld ausgeben sollte.
Ein kurzer Hinweis, bevor es weitergeht: Dieser Text enthält Affiliate-Links. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts. Ich schreibe nur über Kurse, die ich selbst gebucht und bezahlt habe – die inzwischen so fest zu meinem Alltag gehören wie die gepressten Blüten in meinem Moleskine. Bevor du selbst einen größeren Betrag – vielleicht über 1000 Euro – investierst, lies dir die Bedingungen beim Anbieter in Ruhe durch. Ich bin Floristin, keine Rechtsberaterin. Hier ist meine Offenlegung.
Das Erbe von Ingrid und der leere Raum, der bleibt
Meine Mutter Ingrid hätte vermutlich die Stirn gerunzelt. Sie war eine Frau der harten Fakten, der Gartenarbeit und der Sparsamkeit. Damals im März 2024, kurz vor ihrem Tod, hätte sie über diese Ausgabe wahrscheinlich den Kopf geschüttelt und gesagt, davon könne man einen ganzen Eimer Rosen kaufen. Aber Ingrid ist jetzt seit über zwei Jahren nicht mehr da, und der Raum, den sie hinterlassen hat, lässt sich nicht mit Sparsamkeit füllen.
Manche nennen das, was nach einem solchen Verlust bleibt, innere Leere. Ich nenne es einfach den Raum zwischen Bindegrün und Rechnungen, den ich mir sonst nie zugestehen würde. In meinem Moleskine liegen inzwischen 26 getrocknete Blüten – manche würden das Buch ein spirituelles Tagebuch nennen, für mich ist es nur der Ort, an dem ich Sätze finde, die ich sonst nirgends sage. Die Pfingstrose von letzter Woche ist noch frisch zwischen den Seiten, ihr Saft hat das Papier leicht gewellt. Sie steht für einen Moment in der letzten Schamanischen Reise für Anfänger, in dem ich nicht versucht habe, alles zu verstehen, sondern einfach nur da war.
Vier Monate bin ich jetzt in diesem Online-Programm, /ref/power-of-love, und am Ende des Jahres werden es insgesamt rund 3200 Euro sein. Schwarz auf weiß klingt das für eine Ladenbesitzerin, die abends die Ein-Euro-Stücke aus der Kasse zählt, fast leichtsinnig. Aber ich bezahle nicht für ein Zertifikat, das ich mir an die Wand hängen werde – ich bezahle für einen Raum, den mir sonst niemand zugesteht.
Was mir die klassische Trauerbewältigung nicht geben konnte
Bevor ich von Worpswede wusste, habe ich fünf Sitzungen bei einer Trauertherapeutin gemacht. Fragebögen, Kategorien, ein fester Ablauf jede Woche – nach der fünften Sitzung habe ich abgesagt, weil sich das Ganze für mich wie ein Protokoll anfühlte und nicht wie etwas, das mit Ingrid zu tun hatte.
Roswitha, die seit Jahren jeden Freitagvormittag zur gleichen Zeit durch die Tür kommt, hat kein Wort dazu verloren, als ich ihr davon erzählte. Sie stellt nie Fragen. Sie hört nur zu, und an manchen Tagen reicht genau das mehr als jede Sitzung mit Ablaufplan.
Ein Teil des Online-Programms nennt sich Schattenarbeit, und bei mir zeigt sich das am ehesten im Modul zur Heilung des inneren Kindes – ein Bereich, der mich öfter überrascht hat, als mir lieb war.
Wie sich der erste Samstag im Frauenkreis anfühlte
Acht Frauen, eine Trommel, ein Kreis auf dem Boden eines Ateliers in Worpswede – so sah mein erster Samstag dort aus, Anfang 2025. Ich wusste nicht, wo ich mich hinsetzen sollte, ob ich sprechen durfte, ob meine Trauer überhaupt in diesen Raum passte. Die anderen schienen sich zu kennen, Blicke wurden getauscht, die ich nicht lesen konnte. Ich bin nach Hause gefahren und habe mich gefragt, ob ich einfach am falschen Ort war.
Erst beim dritten oder vierten Mal hat sich das gelegt. Niemand hat mir erklärt, wie es geht – man sitzt einfach so lange mit, bis der eigene Platz sich von selbst zeigt. Genau wie beim Blumenbinden: Am Anfang stehst du vor dem Werktisch und weißt nicht, wo der erste Stiel hin soll, und irgendwann liegt der Strauß einfach da.
Die Grenzen der Trommelreise
Die Kopfhörer sitzen, die Trommel setzt ein, gleichmäßig, tief – und mitten in der Übung schlägt mein Herz plötzlich so schnell, dass ich die Stimme der Anleitung kaum noch hören kann. Der Rhythmus erinnert mich für einen Moment an die Monitore im Hospizzimmer, an dieses gleichmäßige Piepen, das die letzten Tage im März 2024 begleitet hat. Die Kopfhörer kommen ab, mitten im Satz der Lehrerin, und ich sitze eine Weile nur da, die Hände flach auf dem kalten Küchentisch.
Am nächsten Morgen gehe ich, bevor der Laden aufschließt, eine Runde durch den Bürgerpark. Kein Programm, keine Übung – nur kalte Luft und der Kies unter den Schuhen, bis sich der Puls wieder normal anfühlt. Manchmal ist das die einzige Nachbereitung, die ich schaffe.
Die 13 Clanmütter und der Moment, der nicht funktionierte
Ein anderer Abend, ein anderes Modul: Es geht um die Weisheit der 13 Clanmütter, ein Konzept, das die weibliche Kraft und die Ahnenlinie ehrt. Was die Lehrerin dabei Ahnenheilung nennt, ist bei mir oft nur das Bild von Ingrids Händen, das ich noch nicht ertragen kann. Draußen peitscht der Regen gegen die Scheiben, ein Tee steht neben dem Laptop, und ich soll mir vorstellen, wie meine Mutter hinter mir steht und ihre Hände auf meine Schultern legt.
Abgebrochen, mitten im Satz der Lehrerin.
Alles, was ich in diesem Moment spüren kann, ist die Kälte des Zimmers im Hospiz, März 2024 – das war Ingrid, das ersetzt keine Übung. Der Laptop bleibt zu, Zwetschge liegt auf meinem Schoß, und ich weine, bis die Kerze auf dem Tisch fast heruntergebrannt ist. Warum ich so viel Geld ausgebe, wenn ich nicht einmal eine einfache Visualisierung schaffe, frage ich mich in diesem Moment ernsthaft.
Genau das gehört wohl dazu: Spirituelle Ausbildung Erfahrungen heißt eben auch, zu akzeptieren, dass man nicht jeden Schritt sofort mitgehen kann. Manchmal ist das Auswaschen der Eimer am nächsten Morgen die einzige spirituelle Arbeit, zu der ich fähig bin, und das Programm lässt mir den Raum, das zu akzeptieren, ohne mich als Versagerin zu fühlen.
Eine Seite in meinem Moleskine ist für immer verloren
Eine Seite im Moleskine ist inzwischen unwiederbringlich hin. Ich hatte eine noch feuchte Anemone zwischen die Seiten gelegt, viel zu früh, viel zu schnell nach der Sitzung, weil ich die Blüte unbedingt genau diesem Abend zuordnen wollte. Am nächsten Morgen war die Tinte auf beiden Seiten verlaufen, die Sätze über den Frauenkreis nur noch violette Schlieren.
Zwei Wochen Notizen, weg, einfach so. Es gibt keine Möglichkeit, das zurückzuholen, und das hat mich mehr aufgeregt, als es sollte – als wäre nicht nur die Seite, sondern der Beweis für diesen Abend selbst verschwunden. Seitdem presse ich frische Blüten frühestens einen Tag später, egal wie sehr mich der Moment drängt. Trude aus dem Kurs schreibt mir kurz darauf eine E-Mail dazu, drei Sätze nur, aber sie treffen genau das, was ich in diesem Moment brauche, obwohl wir uns noch nie persönlich gesehen haben.
Die vierte Woche am Bindetisch
Der Laden macht mich den ganzen Tag zu einer Art Schwamm. Ich binde den Strauß für die erste große Liebe, die weiße Lilie für den Sarg, das bunte Etwas für den Es-tut-mir-leid-Moment, und nehme dabei Energien auf, die ich abends erst wieder loswerden muss. Was manche energetischen Schutz nennen, übe ich inzwischen oft schon beim Wasserwechsel im Eimer – bewusst, mit beiden Händen im kalten Wasser, bevor der nächste Kunde die Glocke über der Tür läuten lässt.
Seit dreizehn Jahren stehe ich an diesem Tisch, und trotzdem überrascht mich jeden Morgen aufs Neue, wie die Kühlzellenscheibe im ersten Licht beschlägt. Heute bleibe ich kurz stehen und sehe den feinen Tropfen nach, die am Rahmen herunterlaufen, bevor die Glocke zum ersten Mal an diesem Tag anschlägt.
In der vierten Woche des neuen Programms binde ich einen Kranz und merke plötzlich, dass ich das alte Lied summe, das Ingrid immer beim Gießen der Balkonkästen gesungen hat – ohne dass sich der vertraute Stich in der Brust meldet. Kein Schmerz, nur das Summen und die Stiele in meinen Händen. Was manche Alltagsintegration nennen, ist für mich genau das: dass eine Übung aus dem Kurs nicht im Kurs bleibt, sondern mitten beim Blumenbinden auftaucht, ungefragt.
Der Wert der monatlichen Investition
Es gibt einen Abend letzten Monat, nach einer besonders stillen Woche im Laden, an dem ich die Banking-App öffne, den Betrag anstarre und denke, das war ein Fehler. Kein Kunde kam, die Kasse blieb mager, und die Abbuchung fühlte sich in diesem Moment an wie eine Ohrfeige – Geld, das ich mir selbst gönne, während ich beim Klebeband für die nächste Lieferung spare. Ich habe fast abbestellt, den Finger schon über dem Button.
Etwas hat mich davon abgehalten – wahrscheinlich genau die Verpflichtung, um die es die ganze Zeit geht. Ohne die monatliche Rate würde ich die Übungen schleifen lassen, sobald die nächste große Rosenlieferung zum Muttertag kommt. Das Geld ist mein Anker: Es sagt mir, dass meine Seele diese Arbeit wert ist, genauso wie ich für die Ladenmiete arbeite.
Falls du nach einem eigenen Weg suchst, ist das Jahresprogramm /ref/power-of-love der, den ich gegangen bin – ein langsamer, stetiger Weg. Beim selben Anbieter gibt es auch /ref/a-touch-of-aloha, das die Huna-Lehre aus Hawaii in den Mittelpunkt stellt und ebenfalls von Thomas Young geleitet wird; für mich war aber die Tiefe der Clanmütter entscheidend, weil ich nach Ingrids Tod genau diese weibliche Ahnenkraft gebraucht habe.
Was ich am Ende des Tages mitnehme
Ich bin keine Heilerin und werde wahrscheinlich nie eine Praxis eröffnen. Aber ich binde anders. Ich bin präsenter, wenn eine Kundin hereinkommt, die gerade ihre Mutter verloren hat, und halte ihren Blick eine Sekunde länger, ohne wegzusehen.
Was ich bisher mitnehme, ist einfach: Es muss sich nicht richtig anfühlen, damit es wirkt. Ich zahle nicht für Gewissheit, sondern dafür, dass ich jeden Monat wieder auftauche, auch wenn ein Teil von mir lieber nur die Vasen putzen würde. Manche nennen diesen langsamen Weg Trauerintegration – bei mir sieht das meistens aus wie eine weitere Kiste Blumen, die pünktlich ankommt, obwohl ich innerlich noch woanders bin.
Wenn du selbst über so eine Ausbildung nachdenkst, sei ehrlich mit dir: Wenn eine Übung dich eher belastet als befreit, mach eine Pause. Und falls deine Trauer oder deine Gedanken zu dunkel werden, sprich bitte mit deinem Hausarzt oder einer approbierten Psychotherapeutin. Meine Trommel allein reicht auch bei mir nicht immer aus, um den Schmerz zu lindern.
Heute Abend presse ich eine Ranunkel ins Moleskine, für die Klarheit, die langsam wächst, auch wenn eine Seite jetzt für immer fehlt. Ich weiß noch nicht, wie viele Blüten am Jahresende zwischen den Seiten liegen werden.
Alles Liebe aus dem Viertel,
Helene
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