Das Bluetentagebuch

Zwischen Tulpen und Clanmüttern: Warum ich 266 Euro im Monat für meine Seele ausgebe

Es ist halb sieben morgens, der Boden im Laden ist noch kalt und meine Hände sind klamm vom ersten Eimer Wasser, in dem ich die Tulpen angesetzt habe. Das Display meines Handys leuchtet kurz auf – eine Push-Nachricht meiner Bank. 266,67 Euro wurden abgebucht. Das ist jetzt das dritte Mal, dass dieser Betrag mein Konto verlässt, und jedes Mal halte ich kurz inne.

Bevor ich dir erzähle, warum ich das tue und was es mit mir macht, ein kleiner Hinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Wenn du über diese Links etwas kaufst, erhalte ich eine Provision, für dich ändert sich am Preis rein gar nichts. Ich teile hier nur Kurse, die ich selbst bezahlt habe und die Teil meines echten Lebens sind. Bevor du selbst viel Geld – über 1000 Euro oder für ein ganzes Jahr – in die Hand nimmst, lies dir bitte die Bedingungen beim Anbieter in Ruhe durch. Ich bin Floristin, keine Rechtsberaterin. Hier ist meine Offenlegung.

Das Erbe von Ingrid und die Frage nach dem Wert

Meine Mutter Ingrid hätte vermutlich den Kopf geschüttelt. Sie war eine Frau der praktischen Dinge. „Helene“, hätte sie gesagt, während sie im Garten die verblühten Rosen schnitt, „das ist ein halbes Monatsgehalt an Tulpen. Davon könnte man die Heizkosten für den halben Winter decken.“ Sie starb im März 2024, vor genau 25 Monaten. Und ich glaube, genau deshalb überweise ich dieses Geld jetzt jeden Monat.

Ich bin jetzt im zweiten Monat meines Online-Programms POWER OF LOVE. Insgesamt kostet mich dieses Jahr 3200 Euro. Wenn man das so schwarz auf weiß sieht, klingt es verrückt für eine kleine Ladenbesitzerin im Bremer Viertel, die abends oft die Cent-Stücke in der Kasse zählt. Aber nach 800,01 Euro, die ich bisher investiert habe, fange ich an zu begreifen: Ich bezahle nicht für Wissen. Ich bezahle für einen Raum, den ich mir selbst sonst nicht geben würde.

In meinem Moleskine liegen inzwischen 23 getrocknete Blüten. 20 aus der Zeit in Worpswede und drei neue aus diesem Jahr. Gestern Abend habe ich eine Ranunkel hineingepresst. Sie steht für diesen Moment, in dem man erkennt, dass Heilung kein Ziel ist, sondern eine Disziplin.

Warum Stille für mich nicht funktioniert

Oft liest man in Ratgebern, man solle sich einfach hinsetzen und meditieren. In die Stille gehen. Aber weißt du, wie sich Stille anfühlt, wenn man den ganzen Tag in einem Blumenladen steht? Es ist nicht friedlich. Ich arbeite in einem hochsensiblen Bereich, auch wenn man das von außen nicht sieht. Ich binde den Strauß für die Versöhnung, die weiße Lilie für den Sarg, die bunten Gerbera für den Kindergeburtstag. Ich bin den ganzen Tag ein Schwamm für die Emotionen anderer Menschen.

Wenn ich abends in meiner Altbauwohnung sitze und Zwetschge, meine Katze, schnarchend auf dem Fensterbrett liegt, ist die Stille manchmal zu laut. Mein Nervensystem ist dann noch so auf Empfang geschaltet, dass bloße Meditation mich eher nervös macht. Ich brauche keine passive Stille, ich brauche eine aktive Erdung. Das ist das, was ich in der schamanischen Arbeit lerne: Es geht nicht darum, alles auszublenden, sondern die Energie, die ich den Tag über aufgenommen habe, bewusst wieder in die Erde zu leiten.

Manche nennen das Ahnenarbeit oder energetische Reinigung. Für mich ist es, als würde ich nach einem langen Tag die schmutzigen Wassereimer im Laden ausleeren und mit frischem, klarem Wasser füllen. Wenn ich die Trommel höre – auch wenn sie nur aus den Lautsprechern meines Laptops kommt –, dann ist das wie ein Rhythmus, der mein eigenes Herz wieder daran erinnert, für mich selbst zu schlagen, nicht nur für die Kunden an der Messingglocke.

Die Clanmütter im März-Nieselregen

Der März war hart. Es war der zweite Jahrestag von Ingrids Tod. Ich dachte eigentlich, ich hätte es „hinter mir“. Aber Trauer ist kein Projekt, das man abschließt. In der Ausbildung ging es diesen Monat um die Weisheit der Clanmütter – ein schamanisches Konzept, das den weiblichen Zyklus und die Kraft der Vorfahrinnen ehrt.

Es gab einen Moment in einem Live-Webinar, da saß ich mit meinem Laptop am Küchentisch. Draußen regnete es diesen typischen Bremer Nieselregen. Die Lehrerin sprach über die „Mutter aller Dinge“, und ich musste so heftig weinen, dass ich die Kamera ausschalten musste. Ich schämte mich erst. Aber dann merkte ich: Genau das ist der Vorteil an diesem Online-Format. In Worpswede, im Frauenkreis, hätte ich versucht, die Fassung zu bewahren. Hier, in meiner Küche, durfte ich einfach zusammenbrechen, während Zwetschge irritiert an meiner Hand schnupperte.

Ich habe in dieser Woche eine Übung zur Ahnenlinie abgebrochen. Ich konnte einfach nicht. Ich sollte mir vorstellen, wie Ingrid hinter mir steht und mir die Hand auf die Schulter legt. Aber alles, was ich spüren konnte, war die Kälte ihres Zimmers im Hospiz. Ich habe das Notizbuch zugeklappt und bin stattdessen in den Laden gegangen und habe drei Stunden lang nur Regale gewischt. Manchmal ist Putzen die einzige schamanische Arbeit, zu der man fähig ist. Und das ist okay.

Ist es das Geld wert?

Viele fragen mich, ob man so etwas nicht auch billiger haben kann. Sicherlich. Es gibt Bücher, es gibt kostenlose YouTube-Videos. Aber für mich ist diese monatliche Ratenzahlung von 266,67 Euro wie ein Anker. Ich verpflichte mich mir selbst gegenüber. Wenn ich nichts bezahlen würde, würde ich die Übungen schleifen lassen, sobald die erste Lieferung Pfingstrosen kommt und der Laden vollsteht.

Ich bin keine Heilerin. Ich habe keine Zertifikate an der Wand hängen, außer meinem Meisterbrief als Floristin. Aber ich merke, dass ich anders binde. Ich nehme die Blumen anders in die Hand. Ich bin präsenter. Wenn eine Kundin reinkommt, die gerade jemanden verloren hat, dann halte ich ihren Blick eine Sekunde länger aus, ohne wegzuschauen. Das ist es, was die Ausbildung mit mir macht – sie macht mich belastbar in der Weichheit.

Falls du selbst nach etwas suchst, das dich durch eine dunkle Zeit trägt: Es muss nicht immer das große Paket sein. Manchmal reicht ein kleiner Impuls. Ich habe neulich von A TOUCH OF ALOHA gehört, das ist etwas kürzer und hat einen anderen Fokus, aber es kommt vom selben Lehrer. Für mich war aber die Entscheidung für das ganze Jahr POWER OF LOVE wichtig, weil ich wusste, dass meine Trauer kein Sprint ist, sondern ein langer, langsamer Gang durch den Garten.

Ein kleiner Rat von der Werkbank

Wenn du dich für eine solche Reise entscheidest, sei ehrlich zu dir selbst. Wenn du merkst, dass dich die Übungen eher belasten als befreien, dann nimm dir den Raum für Pausen. Und bitte: Wenn du merkst, dass deine Trauer dich erdrückt oder du dich in dunklen Gedanken verlierst, die nicht mehr weggehen, dann such dir bitte professionelle Hilfe bei einem Therapeuten oder einer Ärztin. Schamanische Arbeit ist eine wunderbare Ergänzung für die Seele, aber sie ersetzt keine medizinische Behandlung. Ich bin selbst oft genug an dem Punkt, wo ich weiß, dass meine Trommel allein nicht reicht.

Jetzt ist es fast acht Uhr. Die Glocke an der Tür wird gleich gehen. Ich werde die Ranunkeln anschneiden und versuchen, das Gefühl von gestern Abend – diese tiefe Verbundenheit mit etwas, das größer ist als ich – mit in den Tag zu nehmen. 23 Blüten im Buch. Wer weiß, wie viele es am Ende des Jahres sein werden.

Alles Liebe aus dem Viertel,
Helene

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