Das Bluetentagebuch

Tagebuch einer Sinnsuche: Wie die Power of Love Ausbildung mir mit 40 hilft

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Vierundzwanzig gepresste Erinnerungsstücke liegen inzwischen zwischen den Seiten meines Moleskine-Notizbuchs – Blüten meistens, aber das neueste ist ein Zweig Eukalyptus, dessen Blätter beim Pressen noch klamm und rau in meiner Handfläche lagen, frisch genug, dass sie noch nach dem Schnitt vom Vormittag rochen. Jedes Stück markiert einen Moment aus meiner spirituellen Ausbildung, der mich getroffen hat – manchmal sanft, manchmal wie ein kleiner Stoß vor die Brust. Das Notizbuch ist für mich längst keine Dokumentation mehr, sondern eher ein wöchentlicher Versuch, Worte für etwas zu finden, dem eigentlich die Worte fehlen. Das aktuelle Stück steht für eine Woche, in der mir zum ersten Mal klar wurde, dass meine eigene Trauerbewältigung kein Ziel ist, das ich irgendwann erreiche, sondern etwas, das sich von Woche zu Woche einfach neu verschiebt.

Kurzer Hinweis, bevor ich weiterschreibe: Was hier steht, sind meine eigenen Erfahrungen mit Wegen, die ich selbst gesucht und bezahlt habe. Buchst du über einen Link in diesem Text, bekomme ich eine Provision, ohne dass sich dein Preis dadurch ändert. Ich bin weder Therapeutin noch Ärztin – bei tiefer Trauer oder gesundheitlichen Fragen gehört das erste Gespräch zu deinem Hausarzt oder einer Fachperson, nicht zu einer energetischen Reise. Alles Weitere dazu steht im Impressum.

Was hat Trauerbewältigung mit dreizehn Clanmüttern zu tun?

Meinen Blumenladen im Bremer Viertel führe ich schon lange genug, um die Reihenfolge der Jahreszeiten im Schlaf aufsagen zu können – wann die ersten Ranunkeln kommen, wann die Pfingstrose ihren großen Auftritt hat. Trotzdem half mir all dieses Wissen über das Welken nichts, als meine Mutter Ingrid im März 2024 starb, nur sieben Wochen nach der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ich hatte gedacht, ich könnte mit dem Tod umgehen, schließlich binde ich beruflich Trauerkränze und kenne jedes Ritual dazu auswendig. Was danach kam, war aber kein ordentlicher Kranz, sondern ein Raum in mir, der plötzlich leer stand, ohne dass ich wusste, womit ich ihn wieder füllen sollte.

Im August 2024 brachte mich eine langjährige Kundin auf die Idee, eine Schamanin in Worpswede aufzusuchen. Ich ging für eine einzelne Sitzung hin, ohne große Erwartung, und weinte die meiste Zeit, ohne genau zu wissen, worüber. Seit Anfang 2025 fahre ich einmal im Monat an einem Samstag zu ihrem kleinen Frauenkreis dort – acht Frauen, keine Zertifikate, nur Trommeln und Stille und das Gefühl, nicht die Einzige zu sein, die nach dem Tod ihrer Mutter nicht mehr weiß, wo oben ist. Im Februar 2026 habe ich mich dann für etwas Größeres entschieden: die POWER OF LOVE Ausbildung, ein einjähriges Online-Programm, das mich monatlich mehr kostet, als ich eigentlich gerade übrig habe. Inzwischen bin ich in der siebten Woche.

Eine Kundin, eine Freundin und die Frage nach dem Alltag

Kunden fragen mich manchmal, wie ich das neben dem Laden überhaupt schaffe. Neulich erzählte mir eine Stammkundin, alleinerziehend mit zwei kleinen Kindern, dass die üblichen Tipps für stille Meditation bei ihr komplett scheitern, weil es bei ihr schlicht keine stille Minute gibt. Von der POWER OF LOVE Ausbildung habe ich ihr trotzdem erzählt, weil sich die Module notfalls auch in kleinen Häppchen machen lassen, wenn die Kinder endlich schlafen. Ehrlich war ich dabei trotzdem: Es braucht Disziplin, sich diesen Raum zu nehmen, wenn man eigentlich nur ins Bett will. Spirituelle Entwicklung im Alltag integrieren trotz Arbeit im Blumenladen ist schon für mich selbst eine Herausforderung, für jemanden mit zwei kleinen Kindern erst recht.

Eine Freundin aus dem Schnoorviertel, die seit Jahren in einem kleinen Nähkreis dort quiltet, hat mich neulich beim Vorbeigehen gefragt, ob mir das mit den Trommelreisen nicht seltsam vorkomme. Ich habe ihr gesagt, dass mir das Quilten wahrscheinlich genauso fremd wäre, hätte ich es nie selbst probiert – man muss mit den Händen dabei gewesen sein, um zu verstehen, warum jemand freiwillig Stunden an einem einzigen Muster sitzt. Gelacht haben wir beide, und dann sind wir in verschiedene Richtungen weitergegangen, sie zu ihrem Nähkreis, ich zurück an den Bindetisch.

Der Versuch, mich in Arbeit zu flüchten

Bevor ich überhaupt an eine Ausbildung gedacht habe, half ich mir anders. Im ersten halben Jahr nach Ingrids Tod habe ich den Laden auch samstags bis sieben offengehalten, obwohl ich genau wusste, dass sich das kaum lohnt. Beschäftigte Hände, dachte ich, lassen der Leere keinen Platz, in den sie sich ausbreiten kann. Für ein paar Stunden stimmte das sogar. Am Sonntagmorgen war der Raum in mir aber genauso leer wie vorher, nur dass ich jetzt zusätzlich erschöpft war. Irgendwann habe ich die langen Samstage wieder aufgegeben, weil ich merkte, dass ich damit nichts löse, sondern nur aufschiebe. Innere Leere füllen nach einem Todesfall durch schamanische Wege und Rituale bedeutet für mich inzwischen auch, solche Umwege einfach als Umwege stehen zu lassen, statt sie mir nachträglich als Fehler anzukreiden.

Wann habe ich gemerkt, dass sich etwas bewegt?

Ungefähr in dieser siebten Woche ist mir auf der Rückfahrt vom Großmarkt etwas aufgefallen, das mir vorher nicht bewusst gewesen wäre. Früher habe ich auf genau dieser Strecke fast automatisch zum Telefon gegriffen, um Ingrid zu erzählen, was ich eingekauft habe und was schon wieder zu teuer war. Diesmal war ich fast an der Haustür, bevor mir überhaupt einfiel, dass ich das früher immer gemacht habe – und dass mir diesmal nichts gefehlt hatte. Bemerkt habe ich es erst danach.

Keine Trommel, keine Vision. Nur eine stille Lücke, die sich anders anfühlte als sonst.

Nicht jede Übung dieser Woche hatte allerdings so ein klares Gefühl parat. Bei einer der Visualisierungen aus dem aktuellen Modul kam bei mir schlicht nichts – keine Bilder, kein Ziehen, nur die Stimme aus dem Video und ich auf meinem Küchenstuhl, die wartete. Zwetschge, meine alte schildpattfarbene Katze, war da längst auf der Fensterbank eingeschlafen, ohne sich für mein Ringen im Geringsten zu interessieren. Ich habe die Übung trotzdem zu Ende laufen lassen, auch ohne Ergebnis. Manchmal ist das wie bei einem Strauß, den man binden will: Nicht jeder Stiel passt hinein, egal wie schön er für sich allein ist – man steckt ihn trotzdem erst hinein und zieht ihn dann wieder heraus, um zu sehen, ob das Bild ohne ihn stimmiger wird.

Neben der Ahnenarbeit geht es in den Modulen auch um Schattenarbeit, um energetischen Schutz und um das, was manche hellsinne nennen – alles Themen, die ein eigenes Kapitel verdient hätten und die ich hier bewusst nur am Rand erwähne, weil mein Kopf gerade mit einem einzigen Thema beschäftigt genug ist.

Am meisten spüre ich bisher etwas, das man wohl Erdung nennen würde – bei mir sieht das weniger nach Meditationskissen aus als nach kaltem Wasser im Eimer und Stielen, die durch meine Hände gehen, bevor der Tag überhaupt richtig angefangen hat. Herzöffnung ist ein Wort, das im Kurs oft fällt; ich benutze es selten, weil es sich für das, was gerade in mir passiert, noch zu groß anfühlt. Von der eigentlichen Trommelreise am Bildschirm rede ich ein andermal ausführlicher – hier reicht der Hinweis, dass zwanzig Minuten Trommel manchmal mehr aufwühlen als ein ganzer Nachmittag im Laden. Was ich in diesen Wochen lerne, würde man vielleicht Trauerintegration nennen: den Verlust nicht loswerden, sondern ihm einen festen Platz im Alltag einräumen, der ihn nicht ständig in den Vordergrund drängt. Von der huna-Lehre kenne ich bisher nur so viel, wie im Gespräch über das Schwesterprogramm mit hawaiianischem Rahmen vom selben Anbieter hängen geblieben ist – ein Zugang, der für mich gerade zu weit von meinem Alltag wegführt.

Persönlichkeitsentwicklung sieht bei mir nach Blumenwasser aus

Ich glaube weiterhin nicht, dass am Ende dieses Jahres eine Heilerin steht, die anderen die Hände auflegt – das ist auch nicht mein Ziel. Aber die Arbeit im Laden verändert sich spürbar: Wenn ich heute Trauerkränze binde, sehe ich nicht mehr nur die welkenden Blumen, sondern auch das, was bleibt, wenn die Blüte längst weg ist. Gerade für Frauen, die nach einem großen Verlust nicht wissen, wo sie mit ihrer eigenen Persönlichkeitsentwicklung anfangen sollen, kann so ein Jahr genau die Struktur sein, die in der ersten, ziellosesten Zeit der Trauer fehlt.

Falls dich eher die hawaiianische Perspektive interessiert: Vom selben Anbieter gibt es auch A TOUCH OF ALOHA, was sich gut anhört, wenn du Naturverbundenheit über einen anderen kulturellen Zugang suchst. Für mich persönlich war die Arbeit mit den Clanmüttern trotzdem genau das, was ich nach Ingrids Tod gebraucht habe.

Wenn ich eine Sache aus diesen sieben Wochen mitnehme, dann diese: Fortschritt zeigt sich bei mir nicht als großes Gefühl, sondern als kleine Auslassung – ein Griff zum Telefon, der diesmal ausbleibt, eine Übung, die nichts bringt und trotzdem zu Ende läuft. Wer selbst überlegt, sich auf ein Jahr wie dieses einzulassen, dem würde ich raten, genau auf solche Auslassungen zu achten statt auf die großen Durchbrüche, von denen in den Modul-Videos ständig die Rede ist. Schau dir die POWER OF LOVE Ausbildung in Ruhe an, wenn du das Gefühl hast, bereit dafür zu sein – erwarte aber kein Feuerwerk, sondern eher das leise Verschieben von etwas, das seit Ingrids Tod feststeckt.

Mal kurz:
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