Das Bluetentagebuch

Trauerbewältigung wenn die Mutter verstorben ist: Meine ersten Schritte zurück

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Draußen peitscht der Bremer Regen gegen die Scheiben meines Ladens im Viertel. Es riecht nach feuchtem Moos und dem metallischen Beigeschmack der Messingglocke, die jedes Mal schrillt, wenn jemand die Tür aufstößt. Ich stehe hier, die Hände im kalten Blumenwasser, und binde Kränze für Menschen, die jemanden verloren haben. Ironisch, oder? Ich kenne jedes Ritual, jede Schleife. Aber als meine Mutter Ingrid im März 2024 starb, nur sieben Wochen nach der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs, half mir kein Kranz der Welt gegen die Leere in mir.

Bevor ich dir erzähle, wie ich mich gerade Schicht für Schicht aus diesem grauen Kokon schäle, ein kleiner Hinweis: In diesem Text teile ich meine ganz persönlichen Erfahrungen und nenne Kurse, die ich selbst bezahlt habe. Wenn du über meine Links etwas buchst, erhalte ich eine Provision – für dich bleibt der Preis gleich. Ich bin keine Ärztin oder Therapeutin, sondern Floristin. Wenn deine Trauer dich erdrückt, such dir bitte professionelle Hilfe bei einem Psychotherapeuten oder deinem Hausarzt. Meine Worte hier sind ein Tagebuch, kein medizinischer Rat.

Der Moment, in dem die Handgriffe nicht mehr reichen

Man denkt ja, man sei vorbereitet. Ich arbeite seit 13 Jahren in meinem Laden, ich sehe die Trauernden jeden Tag. Aber als Ingrid ging, war da kein Trost in der Routine. Inzwischen ist April 2026, und ich merke erst jetzt, dass das erste Jahr nach ihrem Tod nur ein mechanisches Funktionieren war. Ich habe Blumen geschnitten, Wasser gewechselt, Zwetschge gefüttert. Aber der Raum in mir blieb staubig und leer.

Letzte Woche hatte ich einen dieser Momente am Bindetisch. Eine Kundin wollte etwas „Leichtes“ für ein Kindergrab. Während ich versuchte, die zarten Stiele zu arrangieren, stieg dieser Kloß in mir hoch. Ich musste kurz die Augen schließen und tief durchatmen. Die schamanische Arbeit, die ich letztes Jahr in Worpswede begonnen habe, hat etwas in Bewegung gesetzt, das sich nicht mehr ignorieren lässt. Es ist, als würde ich einen alten Garten entkrauten Strauß binden, bei dem man erst die welken Blätter ganz unten entfernen muss, damit das Wasser überhaupt bis zur Blüte kommt.

Vom Frauenkreis in den digitalen Raum

Nachdem ich ein Jahr lang einmal im Monat nach Worpswede gefahren bin, habe ich mich im Februar 2026 für ein größeres Abenteuer entschieden. Ich habe mich für das Online-Programm POWER OF LOVE angemeldet. Es war eine Bauchentscheidung an einem Dienstagabend, während Zwetschge auf dem Fensterbrett schnarchte. Die Kosten von insgesamt 3200 Euro haben mich erst erschreckt – das sind monatlich etwa 266,67 Euro, die ich eigentlich für ein neues Kühlaggregat im Laden hätte sparen sollen. Aber ich wusste: Wenn ich jetzt nicht investiere, dann nicht in Technik, sondern in meine Seele.

Der Übergang von der Trommel in der Scheune zum Bildschirm in meiner Altbauwohnung war holprig. In der ersten Woche verbrachte ich vierzig Minuten damit, mich in den Mitgliederbereich einzuloggen. Ich saß weinend vor dem Laptop und dachte ernsthaft, Ingrids Geist würde das WLAN blockieren, um mir zu sagen, dass das alles Quatsch sei. Aber am Ende war es nur ein vergessenes Passwort. Ein sehr menschlicher, sehr kleiner Moment des Scheiterns.

Ich habe inzwischen 24 getrocknete Blüten in meinem Moleskine-Notizbuch. Jede steht für einen Moment in der Ausbildung oder im Laden, der mich wirklich getroffen hat. Eine Anemone für die Klarheit, die langsam kommt. Ein Eukalyptuszweig für die harten Wochen, in denen die Sehnsucht nach Mama so scharf ist wie eine Rosenschere.

Die Clanmütter und die Last der Verantwortung

Im zweiten Monat des Programms geht es viel um die 13 Clanmütter. Als die Mentorin über die Ahnenlinie und die „Mutterlinie“ sprach, passierte etwas Seltsames. Ich spürte ein heißes, stechendes Prickeln in meinem Solarplexus. Es war so intensiv, dass ich meine Gartenschere fallen ließ – sie schlug mit einem harten Metallklang auf den Fliesenboden auf. In diesem Moment begriff ich: Ich suche in diesem Kurs nicht nach einer neuen Karriere. Ich suche einen Weg, mich selbst zu bemuttern, jetzt, wo sie es nicht mehr tun kann.

Was mich oft wütend macht, sind diese Standard-Ratgeber zur Trauerbewältigung. „Zieh dich zurück“, „Nimm dir Zeit für die Stille“. Das ist ein Luxus, den sich kaum jemand leisten kann, der allein für seinen Lebensunterhalt verantwortlich ist. Ich sehe das oft bei meinen Kundinnen – viele sind alleinerziehend und mitten in der Trauer. Sie können nicht einfach drei Wochen in ein Schweigekloster gehen. Sie müssen Brotdosen füllen, zur Arbeit rennen und funktionieren. Für diese Frauen, und auch für mich in meinem Laden, ist eine Ausbildung wie POWER OF LOVE ein Anker, den man in den Alltag werfen kann, ohne das Schiff verlassen zu müssen. Es ist spirituelle Arbeit zwischen zwei Telefonaten und dem Füttern der Katze.

Warum ich dranbleibe, auch wenn es wehtut

In meinem letzten Beitrag Zwischen Tulpen und Clanmüttern: Warum ich 266 Euro im Monat für meine Seele ausgebe habe ich schon darüber geschrieben, warum ich mich für diesen Weg entschieden habe. Es ist kein schneller Prozess. Heilung ist kein Ziel, das man erreicht, sondern ein langsames Wachstum, wie bei einer Zwiebel, die den ganzen Winter in der dunklen Erde liegt, bevor sie im Frühjahr als Ranunkel auftaucht.

Ein Schritt zurück, um das Bild zu sehen

Heute Abend werde ich wieder in mein Moleskine schreiben. Ich werde eine Ranunkel pressen – für die kleinen Siege. Ich weiß immer noch nicht genau, wohin mich das alles führt. Ich glaube nicht, dass ich am Ende des Jahres eine „geheilte“ Helene bin. Aber ich glaube, dass ich lerne, mit dem leeren Raum in mir zu leben, ihn vielleicht sogar mit etwas Neuem zu dekorieren, statt nur die Tür davor zu verschließen.

Wenn du selbst gerade an diesem Punkt stehst, wo die Welt nach dem Verlust der Mutter stillsteht, während sich draußen alles weiterdreht: Sei geduldig mit dir. Manchmal ist der erste Schritt zurück ins Leben einfach nur der Mut, sich für etwas anzumelden, das das Herz wieder ein bisschen schneller schlagen lässt – auch wenn man zwischendurch weinend vor dem Router sitzt. Falls du eine sanftere, vielleicht etwas „fernere“ Energie suchst, könnte auch A TOUCH OF ALOHA etwas für dich sein, aber für mich ist die Arbeit mit den Clanmüttern gerade genau das richtige Pflaster auf der alten Wunde.

Ich gehe jetzt zu Zwetschge aufs Sofa. Die Messingglocke bleibt für heute stumm.

Wichtig:
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