Das Bluetentagebuch

Schamanische Reise für Anfänger: Was zwischen Trommel und Trance wirklich geschah

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Die Pfingstrosen sind diese Woche endlich aufgegangen — diese schweren, fast unanständig vollen Blüten, die unter ihrem eigenen Gewicht im Eimer im Laden zusammensinken. Ich stand gestern Abend lange am Bindetisch, die Messingglocke an der Tür war schon verstummt, und habe einfach nur zugesehen, wie die Blätter sich langsam weiten. Es erinnerte mich an das, was gerade in mir passiert. Seit ich im Februar 2026 mit dem Jahresprogramm begonnen habe, fühlt es sich oft so an: Als würde etwas in mir aufbrechen, das lange Zeit fest und verschlossen war, so wie die Knospen im kalten Märzregen.

Bevor ich dir von meiner letzten Reise erzähle, ein kleiner Hinweis, wie ich ihn einer Freundin geben würde: In diesem Text teile ich Links zu Kursen, die ich selbst besuche. Wenn du über einen dieser Links etwas kaufst, erhalte ich eine Provision, für dich ändert sich am Preis absolut nichts. Ich teile hier nur Erfahrungen aus Ausbildungen, die ich selbst gebucht und von meinem eigenen Geld bezahlt habe — so wie das Programm, in dem ich gerade stecke. Bitte lies dir die Bedingungen beim Anbieter genau durch, bevor du dich entscheidest, denn ich bin keine Rechtsberaterin oder Finanzexpertin, sondern Floristin. Hier findest du meine vollständige Offenlegung.

Der leere Raum und die erste Trommel

Es ist jetzt Anfang Juni 2026. Draußen im Viertel riecht es nach Sommerregen und dem Asphalt der Sielwall-Kreuzung, aber hier drinnen in meiner Altbauwohnung ist es still. Zwetschge liegt auf dem Fensterbrett und zuckt im Schlaf mit den Pfoten — vielleicht jagt sie in ihren Träumen etwas, das ich nicht sehen kann. Seit meine Mutter Ingrid im März 2024 starb, ist in mir ein Raum entstanden, den ich anfangs gar nicht benennen konnte. Es war nicht nur Trauer. Es war, als wäre ein ganzer Stockwerk in meinem inneren Haus einfach gelöscht worden. Ich dachte, als Floristin wüsste ich alles über den Tod. Ich kenne die Kränze, das Schleierkraut, die stillen Gesten. Aber als es sie traf, merkte ich: Ich weiß gar nichts.

Im August 2024 bin ich das erste Mal nach Worpswede gefahren, zu dieser Schamanin, von der mir eine Stammkundin erzählt hatte. 120 Euro für zwei Stunden — damals eine riesige Summe für mich. Ich saß dort und wusste nicht, was ich erwarten sollte. Und dann kam die Trommel. Dieser monotone Schlag, der nicht im Ohr, sondern im Magen beginnt. Es war meine erste schamanische Einzelsitzung zur Heilung der Trauer, und danach war nichts mehr wie vorher. Nicht, weil die Trauer weg war, sondern weil sie plötzlich einen Platz hatte.

Nahaufnahme einer Hand, die eine weiße Anemone in ein Moleskine-Tagebuch presst.

Wenn die Stille laut wird: Schamanismus und Hyperakusis

Ich muss dir etwas gestehen, was ich im Frauenkreis in Worpswede oft verschweige. Ich habe diese empfindlichen Ohren, eine leichte Hyperakusis. Wenn im Laden jemand die Tür zu fest zuschlägt, vibriert mein ganzer Schädel. Und nun sitze ich hier in diesem Online-Programm, das mich monatlich 266 Euro kostet — Geld, das ich eigentlich für neue Regale im Laden sparen sollte — und soll mich auf einen Trommelschlag einlassen, der 210 Mal pro Minute dröhnt. In den ersten Wochen, so im März und April, war das eine echte Hürde. Ich saß mit meinen Kopfhörern da und dachte: Das ist nichts für mich. Ich bin zu empfindlich für diese Welt.

Aber schamanische Arbeit ist kein Leistungssport. Ich habe gelernt, die Lautstärke so weit runterzudrehen, dass die Trommel nur noch wie ein ferner Herzschlag klingt. Wie das Pochen im Stiel einer Blume, wenn man sie frisch anschneidet. Ich habe angefangen, die Reise nicht als Flucht zu sehen, sondern als ein tiefes Hineinsinken. Ich nutze das Programm POWER OF LOVE, und das Schöne an diesem einjährigen Format ist, dass ich Zeit habe. Ich muss nicht morgen fertig sein. Ich bin jetzt im fünften Monat, und ich lerne gerade erst, wie ich mich sicher fühle, wenn ich die Augen schließe.

Manchmal klappt es gar nicht. Letzten Sonntagabend zum Beispiel. Ich wollte unbedingt eine Antwort auf die Frage finden, wie es mit dem Laden weitergeht. Ich habe die Trommel angemacht, mich hingelegt, aber mein Kopf war voll mit Rechnungen und der Sorge um die Anemonen-Lieferung, die zu spät kam. Ich lag da, starrte gegen meine Augenlider und sah — nichts. Nur Dunkelheit und das ferne Geräusch der Straßenbahn. Ich habe die Übung nach zehn Minuten abgebrochen. Es fühlte sich an wie ein welker Strauß, den man nicht mehr retten kann. In solchen Momenten zweifle ich. Ist das alles nur Einbildung? Aber dann erinnert mich eine kleine Notiz in meinem Moleskine daran, dass Heilung kein gerader Weg ist.

Die Sprache der Wurzeln: Ein Moment der Klarheit

Der Wendepunkt kam vor ein paar Wochen, Mitte Mai. Es war ein warmer Abend, und ich war erschöpft. Ich hatte den ganzen Tag im Laden gestanden, meine Hände rochen nach Eukalyptus und feuchter Erde. Ich legte mich auf den Boden, ohne eine Frage, ohne eine Erwartung. Als die Trommel begann, spürte ich plötzlich eine Schwere in meinen Gliedmaßen, die nicht unangenehm war. Es war, als würde ich eins werden mit dem alten Dielenboden meiner Wohnung.

Ich sah kein Krafttier, keinen Adler, keinen Wolf. Ich sah Wurzeln. Dicke, dunkle Wurzeln, die sich durch den Boden unter dem Bremer Viertel gruben, vorbei an den Gasleitungen und den Fundamenten der Altbauten. Und ich spürte: Ich bin gehalten. Egal, wie leer sich der Raum in mir anfühlt, da ist eine Verbindung, die tiefer geht als mein Schmerz. Es war ein Gefühl von Selbstliebe nach dem Verlust, das ich so nicht erwartet hatte. Nicht dieses laute, moderne Glück, sondern ein stilles Einverständnis mit dem, was ist.

Eine schamanische Trommel neben Eukalyptuszweigen in einem Blumenladen.

Ich habe am nächsten Tag eine weiße Anemone in mein Tagebuch gepresst. Sie steht für diese Klarheit. Inzwischen liegen über zwanzig Blüten zwischen den Seiten meines Moleskine-Notizbuchs. Jede einzelne ist ein kleiner Anker. Wenn ich das Buch aufschlage, riecht es nach getrocknetem Sommer und nach all den Momenten, in denen ich mich getraut habe, hinzusehen. Schamanismus ist für mich wie das Binden eines sehr komplizierten Brautstraußes: Man braucht Geduld, ein Auge für die Details und die Akzeptanz, dass manche Stiele eben krumm wachsen.

Was ich heute anders mache

Wenn du selbst am Anfang stehst und dich fragst, ob eine schamanische Reise das Richtige für dich ist, kann ich dir nur sagen: Erwarte kein Hollywood-Kino. Manchmal ist das größte Erlebnis einfach nur die Tatsache, dass man zehn Minuten lang nicht an die Steuererklärung denkt. Hier sind ein paar Dinge, die mir als Floristin und Suchende geholfen haben:

Es ist mir wichtig zu sagen: Ich bin keine Therapeutin. Wenn dich deine Trauer oder deine Ängste erdrücken, geh bitte zuerst zu einem Arzt oder einer Psychotherapeutin. Ein Online-Kurs kann eine wundervolle Ergänzung sein, aber er ersetzt keine medizinische Behandlung. Ich habe selbst lange gebraucht, um zu verstehen, dass Spiritualität kein Pflaster für offene Wunden ist, sondern eher eine Salbe, die beim langsamen Heilen hilft.

Ausblick und ein bisschen Hawaii im Regen

Manchmal schaue ich mir auch andere Wege an. Eine Freundin aus dem Frauenkreis hat mir von A TOUCH OF ALOHA erzählt, einem Programm, das mehr auf hawaiianischen Prinzipien basiert. Ich finde das faszinierend, wie unterschiedlich die Ansätze sind, um das gleiche Ziel zu erreichen: wieder ganz zu werden. Ich bleibe erst mal bei meinen 13 Clanmüttern im Power of Love Programm, weil mir die weibliche Energie nach dem Tod meiner Mutter so gut tut. Es fühlt sich an, als würde ich ein Stück von Ingrids Stärke in einer neuen Form wiederfinden.

Ein ruhiger Ort für Meditation in einer Bremer Altbauwohnung mit Katze.

Morgen ist Montag, der Laden ruft. Ich werde früh aufstehen, die Tulpen anschneiden und das Wasser in den Eimern wechseln. Meine Hände werden wieder nass und kalt sein, aber in meinem Kopf wird noch das Echo der Trommel nachhallen. Vielleicht ist das das ganze Geheimnis: Den Alltag mit dem Heiligen zu verweben, bis man nicht mehr weiß, wo das eine aufhört und das andere anfängt. Falls du dich fragst, wie das im stressigen Job funktionieren soll, schau dir mal an, wie ich versuche, Huna Prinzipien im Floristik-Alltag anzuwenden.

Ich klappe jetzt mein Moleskine zu. Zwetschge ist aufgewacht und starrt mich erwartungsvoll an — Zeit für das Abendessen. Ich weiß immer noch nicht, ob ich am Ende des Jahres eine Antwort auf alles haben werde. Aber ich weiß, dass ich nicht mehr dieselbe Helene bin, die im letzten Jahr so verloren hinter ihrem Bindetisch stand. Und das ist für den Moment genug. Wenn du auch das Gefühl hast, dass da noch mehr ist, trau dich ruhig, den ersten Schritt zu machen, egal wie klein er ist. Vielleicht fängst du einfach damit an, eine Blume zu pressen und deine Gedanken dazu aufzuschreiben.

Wichtiger Hinweis: Diese Seite dient der Information und dem Erfahrungsaustausch. Ich bin keine Ärztin oder Heilpraktikerin. Schamanische Arbeit und Online-Kurse sind kein Ersatz für eine professionelle medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Bitte konsultiere bei gesundheitlichen oder psychischen Problemen immer eine qualifizierte Fachperson.
Mal kurz:
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