Das Bluetentagebuch

Schamanische Reise für Anfänger: Was zwischen Trommel und Trance wirklich geschah

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Der Trommelschlag trifft mich zuerst im Rücken, irgendwo zwischen den Schulterblättern, und erst einen Atemzug später nehme ich ihn überhaupt als Klang wahr. So beginnt jede schamanische Reise, die ich kenne — nicht mit einem Gedanken, sondern mit einem Schlag, der den Körper vor dem Kopf erreicht. Ich bin seit 13 Jahren Floristin in Bremen, keine Heilpraktikerin und keine Schamanin, aber ich schreibe hier so genau auf, wie ich kann, was zwischen Trommel und Trance technisch eigentlich passiert. Dieser Erfahrungsbericht ist für alle gedacht, die nach einem Verlust selbst nach Wegen durch die Trauerbewältigung suchen und Schamanismus bisher nur aus Filmen mit Federschmuck kennen.

Bevor es losgeht, ein kurzer Hinweis, wie ich ihn einer Freundin geben würde: Ich verlinke in diesem Text Programme, die ich selbst besuche und aus eigener Tasche bezahle. Wenn du darüber etwas buchst, bekomme ich eine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts. Ich schreibe hier nur über Ausbildungen, die ich mir selbst ausgesucht habe, nicht über etwas, das mir zugeschickt wurde. Ich bin außerdem keine Rechtsberaterin oder Finanzexpertin, sondern Floristin, also lies dir die Bedingungen beim jeweiligen Anbieter selbst genau durch, bevor du dich entscheidest. Die vollständige Offenlegung findest du hier.

Wie beginnt eine erste schamanische Reise?

Eine schamanische Reise ist im Kern eine geführte Trance: Du liegst oder sitzt, oft mit einer Decke, die Augen geschlossen, während ein gleichmäßiger Trommelschlag oder eine Rassel den Rhythmus vorgibt. Es geht nicht darum, etwas zu erzwingen, sondern darum, dem Verstand für eine Weile die Kontrolle zu entziehen, ohne dabei den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Meinen ersten Zugang zu diesem Zustand hatte ich in einer schamanischen Einzelsitzung zur Heilung der Trauer, nicht lange nachdem meine Mutter Ingrid starb. Ich wusste damals nicht, was mich erwartet, nur dass ich etwas ausprobieren wollte, das anders war als alles, was ich bis dahin gegen die Leere versucht hatte.

Nahaufnahme einer Hand, die nach einer schamanischen Reise eine weiße Anemone in ein Moleskine-Tagebuch presst, Symbol für Trauerbewältigung.

Trommelfrequenz und Theta-Wellen: die Technik dahinter

Der Trommelschlag, der so eine Reise trägt, ist nicht zufällig gewählt: Er liegt typischerweise bei vier bis sieben Schlägen pro Sekunde, im sogenannten Theta-Wellenbereich. Nach etwa zehn Minuten in diesem gleichmäßigen Rhythmus kann er vorübergehend die Gehirnwellen synchronisieren und erweiterte Bewusstseinszustände begünstigen — ein beschriebener neurophysiologischer Effekt, kein Heilversprechen. Bei mir kommt erschwerend eine leichte Hyperakusis dazu, empfindliche Ohren, die schon bei einer zu fest zugeschlagenen Tür vibrieren. In den ersten Sitzungen war mir der Schlag oft zu laut und zu schnell, also habe ich gelernt, die Lautstärke so weit herunterzudrehen, dass die Trommel eher wie ein ferner Herzschlag klingt, statt auf voller Lautstärke über mich hereinzubrechen. Im strukturierten Rahmen nutze ich für die geführten Aufnahmen aktuell POWER OF LOVE, ein einjähriges Programm mit 13 Clanmüttern als Anleiterinnen, das mir vor allem deshalb passt, weil es Zeit lässt und keinen Druck macht, an einem bestimmten Punkt schon weiter zu sein.

Was eine Reise braucht, bevor die Trommel überhaupt beginnt

Bevor die Trommel überhaupt beginnt, braucht es wenig, aber das Wenige zählt. Ich halte oft einen Zweig Eukalyptus oder eine getrocknete Blüte in der Hand — der Duft hält mich in der Realität, während der Geist sich löst. Ich versuche, ohne konkrete Frage in eine Reise zu gehen, weil erzwungene Antworten bei mir fast nie kommen. Und ich habe akzeptiert, dass der finanzielle Teil eines solchen Programms eine eigene Entscheidung ist, die man sich zweimal überlegen darf, ganz unabhängig davon, ob am Ende ein großes Bild dabei herauskommt oder nur ein leiser Moment.

Eine schamanische Trommel für die Trommelreise neben Eukalyptuszweigen in einem Bremer Blumenladen.

Ein Beispiel dafür: Nach dem letzten Frauenkreis in Worpswede stehe ich draußen auf dem Kiesweg vor der Scheune, und zum ersten Mal seit Langem spüre ich den Boden wirklich unter den Füßen — kein Bild, keine Vision, nur dieses schlichte Da-Sein. Das war für mich eine Form von Selbstliebe nach dem Verlust, auch wenn es zunächst nach gar nichts Besonderem aussah.

Manche Reisen bringen nichts — und das gehört dazu

Ich habe vor einer Weile versucht, jeden Tag nach einer Meditations-App zu meditieren, fünf Minuten, immer zur gleichen Zeit. Nach drei Wochen habe ich einfach aufgehört, ohne großen Knall, so wie man eine Pflanze eine Weile nicht mehr gießt, bis man selbst nicht mehr weiß, wann genau man angefangen hat, es zu vergessen. Eine Trommelreise ist kein Ersatz für diese Disziplin und auch keine Abkürzung dorthin — manchmal sitze ich da, die Trommel läuft, und in meinem Kopf bleibt nur die Frage, ob im Laden noch genug Wasser in den Eimern ist.

Eine Freundin von mir pflegt seit Jahren einen Schrebergarten an der Hemmstraße, und wenn sie erzählt, wie sie einfach nur Unkraut zupft, ohne über irgendetwas nachdenken zu müssen, frage ich mich manchmal, ob das nicht die ehrlichere Version von dem ist, was ich mit der Trommel suche. Nach einer Reise, die etwas in mir aufgewühlt hat, gehe ich manchmal in die Kunsthalle Bremen und setze mich vor ein einziges Bild, bis der Kopf wieder mit dem Körper Schritt hält. Das ist keine Technik aus einem Lehrbuch, nur mein eigener Weg zurück in den Alltag.

Definition und Abgrenzung: Was schamanische Reise wirklich bedeutet

Der Begriff schamanische Reise wird oft mit Meditation gleichgesetzt, und ich verstehe, warum: Beides passiert mit geschlossenen Augen, beides braucht Ruhe. Der Unterschied liegt für mich im Ziel. Meditation sucht bei mir eher einen leeren, klaren Kopf. Eine Reise dagegen hat fast immer eine Bewegung — man geht irgendwohin, auch wenn man am Ende manchmal mit leeren Händen zurückkommt. Erwarte kein Hollywood-Bild mit Adler und Wolf. Manchmal ist das größte Ergebnis einfach die Tatsache, dass du zehn Minuten lang nicht an die Steuererklärung gedacht hast, und das ist schon viel.

Ein ruhiger Ort für die schamanische Reise in einer Bremer Altbauwohnung mit Katze.

Ahnenheilung und Schattenarbeit von der eigentlichen Reise unterscheiden

Um die Reise selbst herum gibt es ein ganzes Feld verwandter Arbeit, das ich hier bewusst nur streife. Manche in meinem Frauenkreis nutzen die Trommel vor allem für Trauerintegration, also dafür, den Verlust langsam in den Alltag einzubauen, statt ihn wegzudrücken. Andere pressen danach eine Blüte in ein eigenes spirituelles Tagebuch, um festzuhalten, was sie gesehen haben, bevor es verblasst. Wieder andere setzen sich zuerst mit der inneren Leere selbst auseinander, mit dem Raum, der nach einem Verlust einfach da ist, bevor überhaupt ein Bild kommt. Manche landen bei der Ahnenheilung und begegnen in der Trance Menschen aus der eigenen Familie, die sie nie kennengelernt haben. Bevor sie überhaupt anfangen, sprechen manche über energetischen Schutz, also darüber, sich bewusst abzugrenzen, was in der Reise mitkommen darf und was nicht. Schattenarbeit ist wieder ein eigenes Kapitel: das bewusste Ansehen von Anteilen, vor denen man sich sonst lieber wegdreht. Die Huna-Lehre, die hinter dem hawaiianischen Programm A TOUCH OF ALOHA steht, bringt noch einmal ein eigenes Vokabular für solche Übergänge mit, das ich hier nicht aufmachen will. Wie sich das alles am Ende in einen ganz normalen Werktag integriert, beschreibe ich ausführlicher an anderer Stelle, unter anderem in dem Text über Huna Prinzipien im Floristik-Alltag.

Am Ende dieses Textes presse ich trotzdem wieder eine Anemone zwischen die Seiten meines Notizbuchs, einfach weil das zu meinem Sonntagabend gehört, nicht weil ich glaube, dass es irgendetwas heilt. Ich bin keine Therapeutin, und wenn dich deine eigene Trauer gerade erdrückt, geh bitte zuerst zu einem Arzt oder einer approbierten Psychotherapeutin, bevor du dich auf eine Trommel verlässt. Was zwischen Trommel und Trance technisch passiert, kann ich dir beschreiben, aber nicht garantieren. Wenn du selbst am Anfang stehst, fang lieber langsam an, mit einer kurzen Aufnahme und ohne große Erwartung, und schau, was in deinem Körper ankommt, bevor du es im Kopf benennst.

Wichtiger Hinweis: Diese Seite dient der Information und dem Erfahrungsaustausch. Ich bin keine Ärztin oder Heilpraktikerin. Schamanische Arbeit und Online-Kurse sind kein Ersatz für eine professionelle medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Bitte konsultiere bei gesundheitlichen oder psychischen Problemen immer eine qualifizierte Fachperson.
Mal kurz:
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