
Acht Frauen sitzen einmal im Monat in einem Kreis in einem Zimmer in Worpswede, und keine von ihnen kennt meinen Nachnamen. Das ist die Zahl, die mir zuerst einfällt, wenn mich jemand nach meiner schamanischen Ausbildung fragt – nicht die Rate, die jeden Monat vom Konto geht, sondern diese acht Gesichter, denen ich mehr über mich erzähle als den meisten Kundinnen in meinem Laden.
Ich bleibe trotzdem beim teureren, strengeren Teil davon: dem einjährigen Online-Programm, für das ich mich dieses Jahr angemeldet habe, obwohl der Betrag jeden Monat wehtut. Der Grund lässt sich nicht elegant zusammenfassen, aber er lässt sich beobachten: Seit ich dabei bin, ertappe ich mich seltener dabei, ein Gespräch mit einer trauernden Kundin abzukürzen, nur weil die nächste Lieferung wartet. Genau daran messe ich, ob sich die hohen Kosten lohnen – nicht an einem Gefühl während einer Sitzung, sondern an dem, was danach im Laden mit mir passiert. Dieser Erfahrungsbericht ist mein Versuch, das genauer zu erklären, ohne eine Rechnung daraus zu machen.
Kurzer Hinweis, bevor es weitergeht: In diesem Text stecken Affiliate-Links zu Kursen, die ich selbst gebucht und bezahlt habe – kaufst du darüber, bekomme ich eine Provision, an deinem Preis ändert sich nichts. Und genauso wichtig: Ich bin Floristin, keine Ärztin und keine Therapeutin. Wer unter schwerer Trauer oder einer Depression leidet, sollte sich an eine Hausärztin oder eine approbierte Psychotherapeutin wenden, nicht an einen Blogartikel.
Warum ausgerechnet eine schamanische Ausbildung, wenn du Floristin bist?
Meine Mutter Ingrid ist im März 2024 an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben, sieben Wochen nach der Diagnose. Ich binde seit Jahren Trauerkränze, kenne die Rituale, kenne das Schleifenband, weiß, wie man Blumen so steckt, dass sie Trost geben sollen. Bei Ingrid half mir das alles nicht. Die Kränze waren plötzlich nur noch Pflanzenreste, und der Raum, den sie hinterließ, ließ sich mit keinem Ritual füllen, das ich beruflich kannte.
Im August 2024 bin ich zum ersten Mal nach Worpswede gefahren, zu einer Frau, die dort als Schamanin arbeitet. Ich wollte eigentlich nur, dass die Leere aufhört, sich wie ein Loch anzufühlen. Wie diese erste Einzelsitzung war, habe ich an anderer Stelle ausführlicher beschrieben. Seit Anfang 2025 fahre ich einmal im Monat zu ihrem Frauenkreis, ganz informell, ohne Zertifikat, nur Trommeln und Zuhören. Diesen Winter merkte ich, dass mir das nicht mehr reicht, und im Frühjahr habe ich mich für Power of Love angemeldet, ein einjähriges Programm rund um die 13 Clanmütter – ein Weg der Trauerbewältigung, der sich nicht danach richtet, was gerade ins Budget passt.
Was am Anfang nicht funktioniert hat
Bevor ich überhaupt von Worpswede wusste, habe ich anderes ausprobiert. Ein Wochenende in einem Yogakloster in der Eifel, auf Empfehlung einer Bekannten, mit dem stillen Versprechen, dass drei Tage Schweigen und Yoga irgendetwas in mir sortieren würden.
Es hat nicht funktioniert. Nach der Heimfahrt saß ich im Auto vor meiner Wohnung und habe geweint, ohne zu verstehen, worüber genau – keine Erleichterung, kein Klick, nur eine diffuse Erschöpfung, als hätte ich etwas falsch gemacht, ohne zu wissen, was.
Was mir erst später auffiel: Der Unterschied zu Worpswede liegt nicht am Ort, sondern am Rhythmus. Ein einzelnes intensives Wochenende verlangt, dass in drei Tagen etwas passiert. Der monatliche Kreis verlangt das nicht – er ist einfach wieder da, jeden Monat, egal ob ich in der Zwischenzeit etwas gespürt habe oder nicht.

Merkst du eigentlich, ob sich etwas verändert?
Neulich stand eine Kundin am Tresen und wollte einen Mutterstrauß, für das Grab ihrer eigenen Mutter. Früher hätte ich routiniert nach Farben und Budget gefragt und in wenigen Minuten fertig gebunden. Diesmal ließ ich das Gespräch offen, fragte, welche Blumen ihre Mutter gemocht hatte, und stand am Ende deutlich länger da als eingeplant.
Das ist meine Antwort auf die Frage, ob sich etwas bewegt: nicht ein großes Gefühl während einer Trommelreise, sondern ob ich am nächsten Werktag bereit bin, ein Gespräch nicht abzukürzen. Wer selbst in einer Ausbildung wie dieser steckt und nach einem Maßstab sucht, dem würde ich genau das raten – nicht auf die Sitzung schauen, sondern auf den Tag danach.
Fragen, die andere mir stellen
Mina, die samstags im Laden aushilft und an ihrer Bachelorarbeit über Rituale in der Trauerarbeit schreibt, fragt mich manchmal ziemlich unverblümt, ob das nicht einfach ein Ritual ist, das wirkt, weil ich daran glaube – Placebo mit Trommel. Eine wissenschaftliche Antwort habe ich darauf nicht. Ich sage ihr, dass mir letztlich nicht wichtig ist, ob es Glaube oder etwas anderes ist – wichtig ist, ob die Veränderung auch außerhalb des Kreises hält, im Laden, am Telefon, beim Abendessen allein.
In den Modulen geht es um Dinge, die von außen kryptisch klingen: Ahnenarbeit, Trommelreisen zum eigenen Krafttier, Schattenarbeit mit den Anteilen von mir, die ich lieber wegsperre, energetischer Schutz, wenn der Laden voller fremder Trauer ist. Mina erkläre ich selten, was genau dahintersteckt. Ich zeige es eher, indem ich einfach weitermache.
Romy, eine alte Kollegin aus meiner Ausbildungszeit als Floristin, die heute selbst einen Laden in Oldenburg führt, ist direkter. Am Telefon fragt sie unumwunden, warum ich so viel Geld für sowas ausgebe, wenn ich doch gar nicht vorhabe, selbst Schamanin zu werden. Eine elegante Antwort habe ich nicht, nur eine ehrliche: weil ich Blumen anders binde, seit ich mich selbst nicht mehr wie einen geknickten Stiel behandle.
Die hohen Kosten sind für mich kein Rechenfehler
Die monatliche Rate ist mehr, als ich mir eigentlich leisten sollte – das ist keine Übertreibung, sondern eine ziemlich nüchterne Feststellung, wenn ich auf meinen Kontostand schaue. Trotzdem überweise ich sie, fast trotzig, wie eine Art Beweis: dass ich mir selbst etwas wert bin, auch finanziell, nicht nur mit guten Vorsätzen. Das ist für mich ein Stück Selbstfindung, so unlogisch sich das anhören mag.
Früher wäre so ein Betrag eher in eine neue Markise oder eine bessere Kaffeemaschine für den Laden gegangen. Aber was nützt die schönste Fassade vorne, wenn es hinten weiterzieht. Wer sich für die Gedanken dahinter interessiert, findet mehr dazu in meinem Text über das Füllen der inneren Leere nach einem Todesfall – hier will ich nur sagen: Geld auszugeben ist nicht die Heilung, aber es ist manchmal die Grenze, die ich brauche, um mich selbst ernst zu nehmen.
Seit dem ersten Jahr nach Ingrids Tod presse ich getrocknete Blüten in mein Notizbuch, inzwischen eine Art eigenes Tagebuch. Trauer lässt sich für mich nicht an einem Wochenende integrieren, das ist mir mittlerweile klar, und die kleinen Rituale im Laden – räuchern, bevor ich aufschließe, eine Blüte pressen nach einer schweren Sitzung – sind der Versuch, das Gelernte nicht in Worpswede zu lassen, sondern mit in den Alltag zu nehmen.

Was ist mit günstigeren oder anderen Wegen?
Im Frauenkreis überlegt gerade jemand, ob A Touch of Aloha nicht der leichtere Zugang wäre – ein Programm, das stärker auf die hawaiianische Huna-Lehre setzt statt auf die oft schwere Ahnenarbeit der Clanmütter. Manchmal beneide ich sie ein bisschen um diesen vermeintlich leichteren Rahmen.
Trotzdem bleibe ich bei meinem Weg, nicht weil er billiger oder besser ist, sondern weil die Ahnenarbeit näher an dem liegt, was mit meiner Mutter offen geblieben ist. Schamanismus versteht sich selbst oft als Weg der Naturbeobachtung, und das ist mir als Floristin nah – man kann eine Blume nicht zwingen, in eine Richtung zu schauen, ohne dass der Stiel bricht. Man muss den Charakter der Pflanze respektieren, ganz ähnlich wie die eigene Trauer. Über meine Zweifel unterwegs, gerade in den Phasen, in denen sich gar nichts richtig anfühlte, habe ich an anderer Stelle geschrieben, in meinen Power of Love Kurs Erfahrungen rund um Selbstzweifel.
Warum ich trotz der hohen Kosten weitermache
Die ehrliche Antwort ist unspektakulär: Ich mache weiter, weil sich etwas verschiebt, das sich nicht in einer Summe erfassen lässt – daran, dass ich geduldiger am Tresen stehe, wenn jemand über den Verlust der eigenen Mutter spricht, und daran, dass die Leere, die im März 2024 in mir aufging, nicht mehr ganz so hohl klingt, wenn ich hineinhorche.
Wer neugierig geworden ist, schaut sich Power of Love am besten selbst an und liest sich vorher die Bedingungen beim Anbieter genau durch. Wer eher zur Huna-Prägung von A Touch of Aloha tendiert, findet dort vielleicht die passendere Tür. Wichtig ist nur, überhaupt anzufangen, irgendwo.
Zwetschge schläft längst auf dem Fensterbrett, und draußen zieht der Wind über den Wochenmarkt am Domshof, wo ich heute Vormittag noch stand und mit einer fremden Frau über Trauerflor gesprochen habe. Deine Helene.
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