
Draußen peitscht der Mai-Regen gegen die Scheiben meines kleinen Ladens im Viertel – dieser feine, norddeutsche Niesel, der sich wie ein grauer Schleier über die Kopfsteinpflasterstraßen legt. Drinnen riecht es nach feuchter Erde, nach dem süßen, fast betäubenden Duft von Flieder und dem herben Aroma von frischem Eukalyptus. Ich stehe am Bindetisch und halte eine zartrosa Ranunkel in der Hand, deren Stiel beim Auspacken geknickt ist. Ein kleiner Verlust, eigentlich bedeutungslos, und doch fühlt es sich in diesem Moment an wie ein Echo von allem, was in den letzten zwei Jahren schiefgelaufen ist.
Zwetschge, meine schildpattfarbene Katze, hat es sich auf dem Küchenfensterbrett gemütlich gemacht. Sie blinzelt mir träge zu, während ich auf meinen Laptop starre. Da steht sie wieder, die Abbuchung: 266,67 Euro. Es ist Ende Mai 2026, und das ist die vierte Rate für mein einjähriges Online-Programm, in das ich im Februar gestartet bin. Das ist verdammt viel Geld für jemanden, der sein Einkommen stielweise verdient. Manchmal frage ich mich, ob ich den Verstand verloren habe – oder ob ich gerade dabei bin, ihn nach all der Zeit endlich wiederzufinden.
Hinweis: In meinen Zeilen stecken Affiliate-Links. Wenn du darüber etwas buchst, bekomme ich eine Provision – für dich ändert sich am Preis gar nichts. Ich teile hier nur Erfahrungen zu Kursen, die ich selbst gebucht und bezahlt habe. Bitte lies dir vor einer Buchung die Bedingungen beim Anbieter genau durch, ich bin keine Rechtsberaterin. Und ganz wichtig: Ich bin keine Ärztin oder Therapeutin. Wenn du unter schwerer Trauer oder Depressionen leidest, such dir bitte professionelle Hilfe bei einem Arzt oder einer psychotherapeutischen Praxis. Eine solche Ausbildung kann ein Werkzeug zur Selbsterfahrung sein, aber niemals eine medizinische Behandlung ersetzen.
Der Raum, der nach Ingrid leer blieb
Seit meine Mutter Ingrid im März 2024 an Bauchspeicheldrüsenkrebs starb – nur sieben Wochen nach der Diagnose –, war in mir eine Stille, die ich nicht erklären konnte. Ich dachte, ich wüsste, wie man mit dem Tod umgeht. Ich binde seit dreizehn Jahren Trauerkränze. Ich kenne die Rituale, ich kenne das Schleifenband, ich weiß, wie man Blumen so steckt, dass sie Trost spenden. Aber als es Ingrid traf, halfen mir die Kränze nicht mehr. Sie waren nur noch Pflanzenreste.
Im August 2024 bin ich das erste Mal nach Worpswede gefahren, zu einer Frau, die Schamanin ist. Ich wollte eigentlich nur, dass das Loch in meiner Brust aufhört zu brennen. Wer neugierig ist, kann hier mehr über meine erste schamanische Einzelsitzung zur Heilung der Trauer um meine Mutter lesen. Es hat damals etwas in Bewegung gesetzt, ganz leise. Seit Anfang 2025 fahre ich einmal im Monat zu ihrem Frauenkreis. Aber ich merkte diesen Winter: Ich brauche mehr. Ich brauche ein Geländer, an dem ich mich festhalten kann, wenn die Wellen wieder zu hoch schlagen.
Deshalb habe ich mich im Februar 2026 für das Programm Power of Love angemeldet. Es ist eine einjährige Reise, die auf dem Wissen der 13 Clanmütter basiert. Jeden Monat eine andere Qualität, eine andere Sichtweise auf das Leben. Es ist online, was mir hilft, weil ich meinen Laden nicht einfach zumachen kann. Aber es ist auch eine finanzielle Verpflichtung, die mich jeden Monat zwingt, mich zu fragen: Helene, ist dir deine Heilung das wert?

Wenn die Trommelreise im Eukalyptus-Chaos versinkt
Manchmal sieht spirituelle Arbeit in der Vorstellung so sauber aus. Man zündet eine Kerze an, schließt die Augen und reist zu seinem Krafttier. In der Realität sieht es bei mir eher so aus: Es ist Dienstagabend, ich bin seit zehn Stunden auf den Beinen, meine Hände riechen nach Chlorophyll und das Wasser in den Vasen muss eigentlich noch gewechselt werden. Ich setze mich auf mein Kissen im Hinterzimmer, schalte das Modul ein und versuche, mich auf die Ahnenarbeit zu konzentrieren.
Letzte Woche hat es überhaupt nicht funktioniert. Ich saß da, die Trommelklänge aus den Lautsprechern in den Ohren, und alles, woran ich denken konnte, war die Miete für den Laden und die Tatsache, dass die Pfingstrosen-Lieferung am nächsten Tag wahrscheinlich wieder zu spät kommt. Ich spürte nichts. Keine Verbindung zu Ingrid, kein Krafttier, nur die harte Kante meines Meditationskissens. Ich habe die Sitzung nach zwanzig Minuten abgebrochen und stattdessen eine Flasche Wein aufgemacht. Es fühlte sich an wie ein Versagen auf ganzer Linie.
In mein Moleskine-Notizbuch habe ich an diesem Abend nur geschrieben: Die Geister sprechen nicht, wenn der Kopf voller Rechnungen ist. Ich habe eine Ranunkel gepresst – für die Erkenntnis, dass auch das Ausbleiben von Gefühlen eine Form von Erfahrung ist. Ich lerne gerade mühsam, dass Fortschritt nicht bedeutet, dass es sich immer gut anfühlt. Manchmal bedeutet Fortschritt einfach nur, dass man am nächsten Morgen trotzdem wieder die Messingglocke an der Tür poliert und den nächsten Schritt im Kurs macht.
Die monatliche Rate als Anker für das Selbstwertgefühl
Viele fragen mich, warum ich über 3.000 Euro für eine Ausbildung ausgebe, wenn ich doch gar nicht vorhabe, Schamanin zu werden oder eine Praxis zu eröffnen. Ich will keine Heilpraktikerin sein. Ich will Blumen binden. Aber ich habe gemerkt, dass ich die Blumen anders binde, wenn ich mich selbst nicht mehr wie ein abgeknickter Stiel fühle. Die hohen Kosten sind für mich – so seltsam das klingt – ein Teil der Therapie. Sie sind die materielle Bestätigung dafür, dass ich mir selbst etwas wert bin.
Wenn ich die 266,67 Euro überweise, sage ich mir: Helene, du bist es wert, dass wir uns um deinen inneren Raum kümmern. Das ist ein Investment in mein Fundament. Früher hätte ich das Geld vielleicht für eine neue Markise oder eine bessere Kaffeemaschine ausgegeben, aber was bringt die schönste Fassade, wenn es drinnen zieht wie Hechtsuppe? Wer sich für die psychologischen Hintergründe interessiert, findet hier meine Gedanken dazu, wie man die innere Leere füllen nach einem Todesfall kann, ohne sich in Konsum zu verlieren.
Es gibt natürlich auch Alternativen, die vielleicht einen anderen Rahmen bieten. Eine Freundin aus dem Frauenkreis schaut sich gerade A Touch of Aloha an – das ist mehr auf die Huna-Tradition ausgerichtet und erst seit Kurzem live. Manchmal denke ich, dass ein hawaiianischer Ansatz vielleicht leichter wäre als die tiefe, oft schwere Ahnenarbeit der Clanmütter. Aber ich bleibe bei meinem Weg. Ich habe mich für diesen Rhythmus entschieden, und ich will sehen, was am Ende des Jahres aus mir geworden ist.

Was Schamanismus mit dem Binden eines Straußes zu tun hat
In der Ausbildung lernen wir viel über den Schamanismus als Weg der Naturbeobachtung. Das ist mir als Floristin natürlich sehr nah. Ein guter Strauß entsteht nicht durch Gewalt. Man kann eine Blume nicht zwingen, in eine bestimmte Richtung zu schauen, ohne dass der Stiel bricht. Man muss den Charakter der Pflanze verstehen. Genau so ist es mit der eigenen Seele.
In den letzten Wochen habe ich viel über meine Power of Love Kurs Erfahrungen nachgedacht, besonders wenn ich allein im Laden bin. Ich fange an, die Arbeit mit dem Rauchbündel in meinen Alltag zu integrieren. Nicht als große Show, sondern ganz still. Ich räuchere morgens den Laden aus, bevor ich die Tür aufschließe. Es reinigt nicht nur die Luft von dem muffigen Geruch alter Blätter, sondern es klärt auch meinen Kopf. Es ist, als würde ich den Raum vorbereiten – nicht nur für die Kunden, sondern auch für mich selbst.
Ich bin jetzt im vierten Monat des Programms. Die anfängliche Euphorie ist weg, das ist die Phase, in der es anstrengend wird. Es ist wie im Hochsommer im Laden, wenn es draußen 30 Grad sind und man gegen das Welken ankämpfen muss. Man muss dranbleiben. Man muss das Wasser wechseln, auch wenn man müde ist. Ich lerne gerade, dass die schamanische Arbeit kein Sprint ist, sondern eine langsame, stetige Zuwendung zu den eigenen dunklen Ecken.
Ein Moment der Verbundenheit
Letzten Sonntagabend saß ich mit meinem Moleskine auf dem Sofa. Zwetschge lag auf meinen Füßen, und ich las in meinen Aufzeichnungen vom letzten Jahr. Mir fiel auf, wie sehr sich meine Sprache verändert hat. Ich schreibe nicht mehr nur über das, was ich verloren habe. Ich schreibe über das, was wächst. Ich habe eine getrocknete Anemone zwischen die Seiten gelegt – sie steht für die Klarheit, die ich manchmal für ein paar Sekunden spüre, bevor der Alltag wieder zuschlägt.
Diese kleinen Momente sind es, die die Kosten rechtfertigen. Es ist das Gefühl, dass Ingrid nicht einfach weg ist, sondern dass sie Teil eines größeren Geflechts geworden ist, zu dem ich nun langsam einen Zugang finde. Ich weiß immer noch nicht, ob ich das alles am Ende „richtig“ mache. Aber ich weiß, dass ich mich nicht mehr so allein fühle zwischen meinen Blumen.
Mein Fazit nach vier Monaten Ausbildung
Solltest du auch überlegen, eine solche Ausbildung zu machen? Ich kann dir keine Antwort geben, die für alle passt. Ich bin keine Beraterin. Ich bin nur Helene, die Floristin aus Bremen. Aber ich kann dir sagen: Wenn du spürst, dass da ein Raum in dir ist, der darauf wartet, eingerichtet zu werden, dann ist es vielleicht egal, wie hoch der Preis auf dem Papier ist. Wichtig ist nur, dass du bereit bist, die Arbeit zu investieren – die emotionale Arbeit, die weit über das Bezahlen einer Rechnung hinausgeht.
Ich werde weitermachen. Ich werde die restlichen Raten bezahlen, auch wenn ich dafür im nächsten Monat vielleicht ein paar Eimer Schleierkraut weniger bestelle. Denn das, was ich gerade über mich selbst lerne, ist unbezahlbar. Es ist die Erlaubnis, wieder zu blühen, in meinem eigenen Tempo, mit all meinen Narben und geknickten Stielen.
Falls du neugierig geworden bist, schau dir das Programm Power of Love einfach mal an. Es ist kein einfacher Weg, aber es ist ein ehrlicher. Und falls du dich für einen anderen Fokus interessierst, gibt es ja immer noch Möglichkeiten wie A Touch of Aloha, falls dir der hawaiianische Spirit eher zusagt. Wichtig ist nur, dass du anfängst. Irgendwo. Irgendwie.
Ich klappe jetzt mein Moleskine zu. Zwetschge ist tief eingeschlafen und schnarcht leise. Morgen früh um sechs muss ich wieder auf den Großmarkt. Es wird regnen, aber das ist okay. Die Blumen brauchen das Wasser, und ich brauche diesen Weg. Bis nächsten Sonntag, deine Helene.
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