
Es ist Sonntagabend im Bremer Viertel, der Regen klatscht sanft gegen die hohen Scheiben meiner Altbauwohnung, und Zwetschge, meine 15-jährige schildpattfarbene Katze, starrt mich vom Küchenfensterbrett aus an. In ihren Augen liegt dieses unnachahmliche Urteil, das nur Katzen fällen können. Vor mir auf dem Teppich liegt meine Rahmentrommel, ein rundes Stück Holz, bespannt mit Tierhaut, das nach weitem Land und trockenem Fell riecht – ein krasser Gegensatz zu dem Geruch von feuchter Erde und angeschnittenen Blumenstängeln, den ich seit 13 Jahren täglich in meinem Laden an den Händen trage.
Hinweis: Bevor ich dir erzähle, wie ich mich beim ersten Mal fast vor mir selbst geschämt habe, ein kurzer Transparenz-Check. Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Wenn du über diese Links etwas kaufst, erhalte ich eine Provision, ohne dass es für dich teurer wird. Ich empfehle hier nur Dinge, die ich selbst für mein Moleskine-Tagebuch nutze und für die ich mein eigenes Geld ausgebe. Ich bin keine Ärztin oder Therapeutin – nur eine Floristin, die ihren Weg sucht. Bei schweren Krisen such bitte immer professionelle medizinische Hilfe. Hier findest du meine Offenlegung.
Der Moment, in dem ich mir vorkam wie eine Parodie
Da saß ich also, eine 41-jährige Frau mit laufenden Fixkosten, einem Steuerberater und einer Verantwortung für einen schmalen Laden, der seit über einem Jahrzehnt mein Leben ist. Ich hielt diesen Schlägel in der Hand und sollte anfangen zu trommeln. Der Kursleiter im Video sprach von Herzschlag-Rhythmen, aber alles, was ich hörte, war die Stimme in meinem Kopf: "Helene, was machst du hier eigentlich? Du sitzt im Dunkeln und schlägst auf eine Haut, in der Hoffnung, mit deiner Mutter zu sprechen, die seit sieben Wochen nach ihrer Diagnose im März 2024 einfach weg war."
Ich fühlte mich unsäglich albern. Dieses Gefühl, dass man sich selbst dabei zusieht, wie man etwas tut, das so gar nicht in das rationale Bild passt, das man von sich hat. Ich bin Floristin. Ich kenne Rituale – ich binde Kränze für Beerdigungen, ich weiß, wie man Schleifen beschriftet. Aber das hier? Das war keine Dienstleistung für andere. Das war für mich. Und genau das machte es so schwer.

Die Angst vor den Nachbarn im Viertel
Ein ganz praktisches Problem kam dazu: Ich lebe in einem hellhörigen Altbau. Wer das Bremer Viertel kennt, weiß, dass man oft hört, wenn der Nachbar drei Häuser weiter niest. Die meisten Anleitungen für schamanische Trommeln sprechen von Kraft, von Ekstase, davon, den Rhythmus rauszulassen. Aber wie soll man bitteschön ekstatisch trommeln, wenn man weiß, dass Frau Meyer von nebenan gerade versucht, ihren Tatort zu schauen?
Diese Angst, jemanden zu stören, hat meinen Fokus am Anfang komplett zerstört. Ich habe nur ganz zaghaft getupft, statt zu schlagen. Ich dachte, ich müsste laut sein, um eine Wirkung zu erzielen, um diesen leeren Raum in mir zu füllen, der seit Ingrids Tod so zugig geworden war. Erst viel später habe ich gelernt, dass die Vibration – die Wirkung auf das Nervensystem nach der Arbeit – auch bei leisem Trommeln funktioniert. Ich habe mir schließlich einen weicheren Schlägel besorgt und manchmal lege ich ein dünnes Seidentuch über die Trommel. Es geht nicht um den Lärm, es geht um die Resonanz in mir selbst.
Wenn die Übung im Chaos endet
In einer der ersten Live-Sitzungen meines Online-Programms – ich bin jetzt im zweiten Monat des Jahreskurses – passierte es dann. Ich versuchte, einen sehr gleichmäßigen Rhythmus zu halten, etwa 180 Schläge pro Minute, was man oft nutzt, um in eine leichte Trance zu kommen. Ich schloss die Augen, atmete den Geruch der Trommel ein, der sich mit dem kalten Erdaroma an meinen Fingern mischte, und plötzlich gab es einen Knall.
Zwetschge hatte beim Versuch, eine Fliege zu fangen, die Vase mit den verwelkten Anemonen vom Tisch gefegt. Wasser ergoss sich über das Parkett, die blauen Blütenblätter klebten überall. Ich bin völlig aus dem Takt gekommen, mein Herz raste, und ich saß da mit meinem Schlägel und wollte eigentlich nur noch weinen. In diesem Moment war nichts spirituell. Es war einfach nur eine Sauerei in einer einsamen Wohnung. Ich habe die Übung abgebrochen. Manchmal klappt es eben nicht. Und das ist vielleicht die wichtigste Lektion in diesem ersten Jahr: Heilung ist kein linearer Prozess wie das Binden eines Biedermeierstraußes, bei dem man Blume für Blume hinzufügt, bis es passt.

Die 13 Clanmütter und die Kraft der Kontinuität
Warum ich trotzdem weitermache und monatlich einen Betrag zahle, den ich eigentlich lieber zur Seite legen sollte? Weil sich etwas bewegt hat. Seit ich im Februar 2026 mit dem strukturierten Programm POWER OF LOVE begonnen habe, merke ich, dass mir der Rahmen guttut. Es gibt dort 13 Clanmütter – weibliche Archetypen, die den Kurs leiten. Da ich meine eigene Mutter so schnell verloren habe, ist diese mütterliche, weibliche Energie in der Ausbildung wie ein Anker für mich.
Thomas Young, der den Kurs leitet, hat über 20 Jahre Erfahrung in diesem Bereich. Auch wenn der Kurs online ist und mir manchmal die physische Gruppe aus Worpswede fehlt, hilft mir die Struktur. Es ist wie beim Manifestieren lernen für meinen Blumenladen in Bremen: Man muss dranbleiben, auch wenn man sich am 15. Tag fragt, was das Ganze soll. Das Trommeln ist inzwischen mein Werkzeug geworden, um die Stille in der Wohnung zu strukturieren. Wenn ich die erste schwere Vibration in meinem Solarplexus spüre, pulst dieser hohle Raum in mir plötzlich mit einer seltsamen Wärme.
Vom Kopf ins Herz: Ein Schritt zurück
Inzwischen liegen über zwanzig getrocknete Blüten in meinem Moleskine. Letzte Woche habe ich eine dunkle Pfingstrose hineingepresst. Sie steht für die großen Momente, in denen ich endlich aufgehört habe, mich selbst zu beobachten. Das Alberne ist weggefallen, weil der Schmerz und die Sehnsucht nach Verbindung einfach größer waren als die Scham.
Wenn du auch gerade erst anfängst und dich fragst, ob du das Richtige tust: Es ist okay, sich doof vorzukommen. Es ist okay, wenn die Katze dich auslacht. Schamanische Arbeit für Anfänger ist kein Leistungssport. Es ist eher wie das Warten auf die ersten Ranunkeln im Vorfrühling – man kann sie nicht erzwingen, man kann nur den Boden bereiten. Wenn du eine sanftere Herangehensweise suchst, könnte auch A TOUCH OF ALOHA interessant sein, das noch mehr auf die hawaiianische Leichtigkeit setzt, auch wenn ich persönlich die Tiefe der Clanmütter gerade mehr brauche.

Ich weiß immer noch nicht, wohin mich dieser Weg führt. Ich weiß nur, dass ich heute Abend wieder die Trommel nehmen werde, ganz leise, damit Frau Meyer ihren Frieden hat. Und vielleicht, ganz vielleicht, antwortet die Leere in mir diesmal mit einem Rhythmus, den ich verstehe. Wenn du mehr über die Begriffe wissen willst, schau dir gerne mein Glossar der Schamanismus-Begriffe an. Wir sehen uns nächste Woche – hoffentlich mit weniger verschüttetem Vasenwasser.
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