
Es ist spät am Sonntagabend in meiner Küche im Viertel. Das blaue Licht des Laptops ist die einzige helle Quelle im Raum, während draußen der Bremer Nieselregen gegen die Scheiben klopft. Zwetschge, meine 15-jährige schildpattfarbene Katze, hat sich auf dem Fensterbrett zusammengerollt und schläft tief, während ich mein Moleskine-Notizbuch aufgeschlagen vor mir liegen habe. Zwischen den Seiten von Mitte April klebt eine vertrocknete Pfingstrose – sie ist ganz flach und papierern geworden, ein Zeuge für einen dieser Momente, in denen das Herz so weit wird, dass es fast wehtut.
Seit Anfang Februar bin ich nun in diesem einjährigen Online-Programm, und wir sind jetzt im zweiten Monat, mitten im Mai. Es ist eine seltsame Reise. Ich habe 13 Jahre lang meinen Laden geführt, kenne jeden Riss im Holzregal und das helle Klingen der Messingglocke an der Tür auswendig. Aber seit meine Mutter Ingrid im März 2024 starb, ist da dieser leere Raum in mir. Ich dachte, ich wüsste, wie man mit Tod umgeht – ich binde schließlich seit über einem Jahrzehnt Kränze für Beerdigungen. Doch die Theorie hilft nicht, wenn es die eigene Mutter ist. Manchmal sitze ich am Laptop, höre die Lektionen über Herzöffnung, und spüre noch das kühle, feuchte Gefühl von Erde unter meinen Fingernägeln vom Umtopfen am Nachmittag. Es ist ein Spagat zwischen dem handfesten Dreck im Laden und dieser zarten Suche nach mir selbst.
Hinweis: In meinen Texten erzähle ich von Kursen und Wegen, die ich selbst für mich gewählt und mit meinem eigenen Geld bezahlt habe. Wenn du über die Links in diesem Artikel etwas buchst, erhalte ich eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis absolut nichts. Ich teile hier nur, was in meinem eigenen Moleskine landet. Aber bitte denk daran: Ich bin Floristin, keine Ärztin oder Therapeutin. Wenn deine Trauer dich erdrückt oder du dich psychisch instabil fühlst, such dir bitte professionelle Hilfe bei einem Arzt oder einer Psychotherapeutin. Eine spirituelle Ausbildung ist eine wunderbare Begleitung, aber kein Ersatz für eine medizinische Behandlung.
Der Mut zur Investition in sich selbst
Ich werde ehrlich sein: Der monatliche Betrag für das POWER OF LOVE Programm ist etwas, das ich mir eigentlich gar nicht leisten sollte. In einer ruhigen Minute im Laden, während ich auf eine Lieferung Anemonen wartete, kam mir der Gedanke, dass ich für dieses Geld eigentlich drei Wochen lang neue Regale hätte kaufen können. Meine alten Holzregale sind schief, und das Messing der Glocke müsste auch mal wieder poliert werden. Aber dann sah ich auf meine Hände und wusste: Neue Regale trösten mich nicht. Sie füllen nicht den Raum, den Mama hinterlassen hat.
Was mich an diesem Programm gereizt hat, war die Struktur. Nachdem ich seit Anfang 2025 einmal im Monat in Worpswede bei einem kleinen Frauenkreis war, merkte ich, dass ich mehr Kontinuität brauchte. Thomas Young, der das Ganze leitet, hat über 20 Jahre Erfahrung als Autor und Mentor, und diese Tiefe spürt man. Es geht nicht um schnelles Glück, sondern um eine langsame Integration. Das Konzept basiert auf der Weisheit der 13 Clanmütter – jede steht für einen anderen Aspekt der weiblichen Kraft. In meiner inneren Leere nach dem Todesfall suchte ich genau nach diesen Archetypen, die mir zeigen, wie man wieder ganz wird.
Wenn die Messingglocke die Stille bricht
Selbstliebe klingt in den sozialen Medien immer so einfach – ein Bad nehmen, eine Kerze anzünden, lächeln. Aber in der Realität einer Selbstständigen, die den ganzen Tag zwischen Eimern und Kunden steht, ist das Schwerstarbeit. Eines Nachmittags im Mai versuchte ich, eine der Meditationen in meiner Mittagspause direkt im Laden zu machen. Ich hatte die Messingglocke extra mit einem Tuch gedämpft, damit sie nicht so schrill klingt, falls doch jemand reinkommt. Ich saß auf meinem alten Schemel am Bindetisch, schloss die Augen und versuchte, mein Herz zu spüren.
Es hat nicht funktioniert. Nach fünf Minuten riss mich ein Kunde aus der Versenkung, der unbedingt blaue Blumen für eine Taufe wollte (die es im Mai kaum in schön gibt). Ich war genervt, unkonzentriert und fühlte mich wie eine Versagerin. In diesem Moment wurde mir klar: Spirituelle Entwicklung im Alltag zu integrieren bedeutet nicht, die Welt auszuschließen. Es bedeutet, die Welt mit reinzunehmen. Selbstliebe ist kein Projekt, das man zwischen zwei Kundenbestellungen „abarbeitet“. Es ist die Erlaubnis, auch mal genervt zu sein und trotzdem gut zu sich zu bleiben.
Die Mutterlinie und das Zittern der Hände
Ein besonders intensiver Moment war das Modul zur Ahnenarbeit. Wir sprachen über die Mutterlinie. Während ich am nächsten Tag einen großen Kranz band, merkte ich plötzlich ein Zittern in meinen Händen. Es war kein gewöhnliches Zittern vor Erschöpfung. Es fühlte sich an, als würden meine Hände sich an die Handgriffe meiner Mutter erinnern, wie sie früher im Garten die Rosen geschnitten hat. Ich musste kurz innehalten und mich am Rand des Bindetisches festhalten. In diesem Moment verstand ich, dass Heilung nicht bedeutet, dass der Schmerz weggeht. Es bedeutet, dass er einen Platz bekommt, an dem er nicht mehr alles blockiert.
Das POWER OF LOVE Programm ist für mich wie das Binden eines sehr komplexen Straußes. Man fängt mit dem Grün an, legt die Basis, und erst ganz spät kommen die empfindlichen Blüten dazu. Man weiß am Anfang nie, ob das Ergebnis gut ist, bis man einen Schritt zurücktritt. Ich bin noch nicht an dem Punkt, an dem ich einen Schritt zurücktreten kann. Ich bin noch mittendrin, mit den Händen in der Erde.
- Die 13 Clanmütter begleiten uns durch das gesamte Jahr – eine pro Mondzyklus.
- Die Ratenzahlung ist für mich eine monatliche Erinnerung daran, dass ich mir selbst diesen Wert zugestehe.
- Es gibt keine Zertifikate am Ende, nur die Veränderung im eigenen Inneren.
Manchmal, wenn ich abends hier sitze und in mein spirituelles Tagebuch mit den gepressten Blumen schreibe, frage ich mich, ob ich das alles nur mache, um die Stille zu vertreiben. Aber dann streiche ich über die getrocknete Anemone – die Blume für Klarheit – und spüre eine kleine Bewegung in mir. Etwas hat sich verschoben. Ich bin noch keine Heilerin, und vielleicht werde ich das auch nie sein. Aber ich lerne, wie man sich selbst nicht verliert, wenn alles andere wegbricht.
Ein vorsichtiger Blick nach vorn
Wir sind jetzt Mitte Mai, und die nächste Clanmutter wartet schon. Ich weiß immer noch nicht, wohin mich dieser Weg führt. Vielleicht ist das das Wichtigste, was ich bisher gelernt habe: Man muss nicht wissen, wie der Strauß am Ende aussieht, während man die erste Blume in die Hand nimmt. Man muss nur die Absicht haben, etwas Schönes zu schaffen.
Falls du auch an einem Punkt stehst, an dem du dich fragst, ob du dir selbst diese Zeit und diesen Raum schenken darfst – besonders wenn das Leben gerade laut ist oder ein großer Verlust alles überschattet – kann ich dir nur sagen: Die Regale können warten. Dein Herz kann es nicht. Wenn dich die hawaiianische Philosophie mehr anspricht als die Clanmütter, wäre vielleicht A TOUCH OF ALOHA eine Alternative für dich, aber für mich ist es gerade die mütterliche Energie des Power of Love Programms, die mich hält.
Ich lege jetzt mein Moleskine beiseite. Zwetschge hat sich kurz gestreckt und schläft weiter. Morgen früh kommen die frischen Pfingstrosen, und ich werde eine besonders schöne für die nächste Seite in meinem Buch aussuchen. Nicht, weil ich schon am Ziel bin, sondern weil ich angefangen habe, den Weg zu lieben.
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