
Einen Kranz binde ich mittlerweile im Schlaf, ohne nachzudenken. Mich selbst mit derselben Sorgfalt zu behandeln wie die Blumen unter meinen Händen, das gelingt mir bis heute nicht routiniert, eher stolpernd und mit Umwegen.
Selbstliebe lernen nach einem Verlust klingt nach einem Satz aus einem Hochglanzratgeber, für mich ist es harte, tägliche Übung, seit meine Mutter Ingrid gestorben ist. Trauerbewältigung und der Aufbau einer neuen Beziehung zu mir selbst laufen bei mir nicht getrennt voneinander, sondern ineinander, ein Teil davon ist die spirituelle Ausbildung, die ich gerade durchlaufe, das Power of Love Programm mit seinen dreizehn Clanmüttern. Meine Power-of-Love-Erfahrungen bisher sind kein gerader Weg nach oben, eher ein Zickzack mit Tagen, an denen sich nichts bewegt.
Kurz zur Einordnung, bevor es weitergeht: Ich bin Floristin, keine Ärztin oder Therapeutin. Wenn dich ein Verlust gerade unter sich begräbt, gehört professionelle Hilfe an die erste Stelle -- ein Kurs ersetzt keinen Hausarzt und keine approbierte Psychotherapeutin.
Trost ist nicht dasselbe wie Selbstliebe lernen
Lange Zeit habe ich gedacht, ein Ritual reicht. Jeden Sonntag habe ich mir selbst einen kleinen Strauß gebunden, extra für mich, nie für eine Kundin oder eine Beerdigung. Es hat für den Moment geholfen -- die Hände beschäftigt, der Kopf ruhiger --, aber am Montagmorgen ist die Leere jedes Mal wieder genauso groß. Genau das zeigt den Unterschied: Ein Trost, der nicht über den Moment hinausreicht, ist etwas anderes als Selbstliebe.
Woran ich das inzwischen unterscheide, ist simpel, und es ist für mich bis heute der brauchbarste Maßstab: Verändert sich am nächsten Tag etwas, oder war es nur ein schöner Moment mit mir selbst? Ein Bad, ein Strauß, ein ruhiger Abend -- das sind gute Momente, aber noch keine Arbeit an mir selbst, solange nichts davon übrig bleibt, wenn der Laden wieder voll ist.
Romy, eine befreundete Floristin aus Oldenburg, sagt mir solche Dinge sehr direkt, ohne dass es kalt klingt -- und diese Direktheit hilft mir öfter weiter als sanfte Zustimmung.
Die Struktur hinter dem Power of Love Programm
Das POWER OF LOVE Programm von Thomas Young ist auf ein Jahr angelegt, mit den 13 Clanmüttern als Gerüst -- eine pro Mondzyklus, jede mit einem eigenen Schwerpunkt. Es gibt keinen Abschluss und kein Zertifikat am Ende, nur die monatliche Ratenzahlung, die mich jeden Monat neu daran erinnert, dass ich mir diesen Raum zugestehe. Anders als ein Wochenendseminar läuft es komplett online, ohne feste Gruppe vor Ort -- für manche zu wenig Halt, mir kommt es gerade entgegen, weil ich abends nach der Arbeit selten noch jemanden sehen will.
Jede Clanmutter bringt eine eigene Übung mit, von der Trommelreise bis zur stillen Meditation, und keine davon fühlt sich beim ersten Mal wie die vorherige an.
Woran ich merke, dass die innere Leere kleiner wird
Neulich stehe ich am Bindetisch und merke erst nach ein paar Takten, dass ich vor mich hin summe -- eines der alten Lieder, die Mama beim Rosenschneiden sang. Zum ersten Mal tut das Erinnern nicht weh, es ist einfach nur da, wie ein Lied, das man kennt.
Das ist für mich ein zuverlässigeres Zeichen als jedes große Gefühl: nicht, dass die innere Leere plötzlich weg ist, sondern dass sie sich seltener meldet und kürzer bleibt.
Kleine Verschiebungen wie diese erkenne ich inzwischen eher am Alltag als an der Sitzung selbst -- daran, ob die Ruhe eines Moduls auch zwei Tage später noch da ist, nicht nur direkt danach.
Die Übung im Alltag testen
Mina, die am Wochenende im Laden aushilft, hat mich neulich gefragt, warum ich das überhaupt mache, wenn es doch nicht heilt, sondern nur begleitet. Sie stellt solche Fragen nie besserwisserisch, eher neugierig, aber sie treffen mich trotzdem, weil sie mich zwingen, genau zu sagen, was ich meine, statt es vage zu lassen.
Genau daran erkenne ich inzwischen, ob eine Übung im Alltag wirklich integriert ist: ob ich sie in zwei, drei Sätzen einer Kollegin erklären kann, ohne in Kursvokabular zu flüchten. Wenn mir dazu nur Worthülsen einfallen, habe ich die Übung selbst noch nicht verstanden, egal wie gut sie sich in der Sitzung angefühlt hat.
Ahnenarbeit und Herzöffnung im Vergleich
Die Ahnenarbeit und die Herzöffnung liegen im Programm nah beieinander, funktionieren bei mir aber komplett unterschiedlich. Die Ahnenarbeit öffnet sich nach hinten, zur Mutterlinie, zu dem, was meine Mutter mir ohne Worte weitergegeben hat. Die Herzöffnung dagegen richtet sich nach innen, und das ist die schwerere Übung -- weil sie bei einer Frau anfängt, die ich nicht immer besonders mag, nämlich bei mir selbst.
Für mich ist das POWER OF LOVE Programm inzwischen wie das Binden eines komplizierten Straußes: Erst kommt das Grün als Basis, dann die robusten Blüten, ganz zuletzt die empfindlichen. Man sieht selten schon in der Mitte, ob das Ergebnis stimmt -- das zeigt sich erst, wenn man einen Schritt zurücktritt, und bei mir ist dieser Schritt zurück noch nicht dran.
Andere Module berühren mich anders: Erdung fühlt sich bei mir eher nach Handwerk an als nach Ritual, das Training der Hellsinne lässt mich meistens wie mit verbundenen Augen tasten, und Schattenarbeit ist die Stunde, vor der ich mich am meisten drücke. Der energetische Schutz danach ist der Teil, den ich am ehesten überspringen würde, muss ich zugeben -- was vermutlich genau zeigt, warum ich ihn nicht überspringen sollte.
Was im Tagebuch bleibt
Manche dieser Momente landen später gepresst zwischen den Seiten meines spirituellen Tagebuchs, aber wie genau ich das halte, ist ein eigenes Kapitel für sich. Nicht jede Sitzung bekommt eine Blüte, nur die, deren Wirkung noch da ist, wenn ich am nächsten Tag wieder für andere Sträuße binde.
Grenzen des Programms und eine Alternative
Was das Programm nicht ersetzt, sage ich lieber zu oft als zu selten: Trauerintegration ist mehr als ein Jahresprogramm, und wenn der Boden komplett wegbricht, gehört ärztliche oder therapeutische Hilfe davor, nicht danach.
Wer sich von der hawaiianischen Huna-Lehre stärker angesprochen fühlt als von den Clanmüttern, findet bei demselben Anbieter mit A TOUCH OF ALOHA eine Alternative -- für mich persönlich ist es gerade die mütterliche Ausrichtung des Power of Love Programms, die mich hält, aber das muss bei dir nicht dasselbe sein.
Einen fertigen Strauß erkennt man erst, wenn man einen Schritt zurücktritt. Bis dahin bleibt nur, weiter zu binden -- Blüte für Blüte, auch an den Tagen, an denen keine dabei ist, die etwas Besonderes ist.
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