
Sieben Minuten lang habe ich neulich mit einer Kundin gesprochen, die nur nach einem Mutterstrauß gefragt hat, während sich hinter ihr die Schlange bis zur Tür gestaut hat. Sieben Minuten sind im Laden eine kleine Ewigkeit, aber ich habe das Gespräch nicht abgekürzt, obwohl ich es sonst fast immer tue. Genau da, nicht in einer stillen Morgenstunde, habe ich zum ersten Mal richtig gespürt, was es heißt, die Verbindung zur eigenen Seele im Alltag zu stärken. Es hat nichts mit der spirituellen Ausbildung zu tun, die ich gerade mache, sondern mit einer Art Trauerbewältigung, für die es keinen Stundenplan gibt.
Diese Zeilen kommen nicht von einer Ärztin oder Therapeutin, sondern von einer Floristin, die seit dem Tod ihrer Mutter Ingrid im März 2024 mit einer Trauer ringt, für die es keine Gebrauchsanweisung gibt. Manchmal nenne ich Kurse, die ich selbst gebucht habe, etwa das POWER OF LOVE Jahresprogramm, und wenn du darüber buchst, bekomme ich eine Provision, ohne dass es für dich teurer wird.
Tagsüber stehen meine Hände in kaltem Wasser, abends versuche ich, mich in Module über etwas zu vertiefen, das sich manchmal sehr weit weg von Eimern und Rechnungen anfühlt. Zwetschge, meine alte Katze, schläft dabei meistens neben der Tastatur ein, als wäre das die normalste Sache der Welt.

Der Mythos von der stillen Stunde für die Seele
Der Rat, den ich am häufigsten lese, klingt einfach: Nimm dir jeden Morgen eine Stunde Stille, dann findest du zurück zu dir. Ich habe das eine Weile mit einer Meditations-App versucht, jeden Tag zur gleichen Zeit, ein Kopfhörer im Ohr, während der Eukalyptus noch ungeschnitten im Eimer wartet. Nach drei Wochen höre ich einfach auf. Nicht aus Faulheit, sondern weil die App eine Stille verlangt, die es in meinem Alltag schlicht nicht gibt.
Was mir niemand gesagt hat: Die Verbindung zur eigenen Seele braucht keinen Extra-Raum am Morgen. Sie passt in die Lücken, die der Tag ohnehin lässt, wenn ich sie nicht sofort mit der nächsten Aufgabe fülle. Das ist die kleine Korrektur, um die es hier geht - nicht mehr Zeit, sondern ein anderer Umgang mit der Zeit, die schon da ist.
Was, wenn die Verbindung woanders liegt?
Eine Freundin, die seit Jahren ihren Schrebergarten an der Hemmstraße pflegt, hat mir das neulich auf dem Wochenmarkt am Domshof bestätigt, ohne dass wir über irgendetwas Spirituelles gesprochen haben. Sie hat nur gesagt, die Erde unter den Nägeln beruhigt sie mehr als jedes Wochenende, das sie extra dafür freihält. Erdung übe ich seitdem nicht auf einem Kissen, sondern mit beiden Händen im Wasser am Bindetisch, wenn ich die Stiele anschneide.
Die innere Leere, die nach Ingrids Tod geblieben ist, ist der eigentliche Grund, warum ich überhaupt zum ersten Mal nach Worpswede gefahren bin. Im Frauenkreis dort reisen wir manchmal gemeinsam zur Trommel, aber diese schamanische Reise ist nicht die Verbindung, von der ich in diesem Text schreibe. Die passiert eher nebenbei, zwischen zwei Kundinnen, wenn ich es zulasse.
Diesmal kürze ich nichts ab
Zurück zu der Kundin von vorhin. Sie steht unschlüssig da und will eigentlich nur wissen, welche Blumen zu ihrer verstorbenen Mutter passen. Normalerweise fasse ich in solchen Momenten schnell zusammen, drei Vorschläge, fertig, nächste Kundin. Diesmal halte ich einen Eukalyptuszweig in der Hand, klamm und kühl vom Auftauen, eine raue Nässe, die an der Haut zieht, und lasse die Frage einfach offen stehen, bis sie selbst weiterspricht.
Manchmal lege ich einfach die Schere hin und höre länger zu, als geplant.

Wenn ich es nicht so kompliziert machen will, ziehe ich lieber die Power of Love Übungen bei Erschöpfung direkt in solche Momente hinein, statt sie für ein ruhiges Wochenende aufzusparen, das sowieso nie kommt. Das ist für mich näher an vom Kopf ins Herz kommen als jede Übung, die ich bisher im Kurs gemacht habe.
Wörter, die im Kurs fallen
Im Kurs fallen ständig große Wörter, und ich habe gelernt, sie nicht alle gleich ernst zu nehmen. Trauerintegration ist eines davon, für mich einfach ein Name für das, was mit meiner Trauer passiert, seit ich sie nicht mehr wegdrücke. Ahnenheilung ist ein anderes, und ich benutze es selten, weil es größer klingt als das, was bei mir wirklich passiert, wenn ich an Ingrid denke.
Schattenarbeit klingt in den Modulen dramatischer, als sie sich bei mir am Bindetisch anfühlt, wo sie meistens bedeutet, zuzugeben, dass eine Übung mich gelangweilt hat. Energetischer Schutz ist ein Thema, das ich mir für die ruhigeren Wochen aufhebe, wenn der Laden mich ohnehin schon auffängt. Hellsinne trainieren heißt für mich nicht, fremde Dinge zu spüren, sondern dieselben Sinne endlich auf die eigene Stimme zu richten statt immer nur auf die der Kundinnen. Herzöffnung ist das Wort, das am häufigsten fällt, und das einzige, das ich inzwischen mit einer gewissen Vorsicht benutze.
An einem Sonntagabend im Juli sitze ich mit dem Moleskine am Küchentisch und presse eine Anemone zwischen die Seiten.

Mein Moleskine mit den gepressten Blüten ist inzwischen so etwas wie ein spirituelles Tagebuch geworden, auch wenn ich nie geplant habe, eines zu führen. Manche würden das, was ich hier beschreibe, wohl Alltagsintegration nennen, aber für mich ist es schlicht die Art, wie ich mit Blumen arbeite. Die Huna-Lehre, auf der A TOUCH OF ALOHA aufbaut, kenne ich bisher nur aus der Kursbeschreibung, nicht aus eigener Erfahrung.
Fang nicht mit der Stille an
Was am Ende bleibt, ist keine fertige Anleitung, sondern eine einzige Regel, die ich mir selbst gebe: Fang nicht mit der großen stillen Stunde an. Fang mit dem nächsten Moment an, in dem du eigentlich schnell weitermachen willst, und mach es einmal nicht. Das kann eine Kundin sein, ein Anruf, ein Satz, den du sonst abkürzt.
Im POWER OF LOVE Programm nennt man das vielleicht anders, verteilt auf die 13 Clanmütter, durch die wir uns Monat für Monat arbeiten. Eine Ranunkel lässt sich schließlich auch nicht zwingen, schneller aufzublühen, nur weil der Kalender es verlangt, und die eigene Seele hält sich an keinen anderen Rhythmus.
Wenn dich diese Art, mit dem Alltag umzugehen, anspricht, schau dir das Power of Love Programm ruhig an, oder, falls ein ganzes Jahr dir zu viel erscheint, den kürzeren Einstieg A TOUCH OF ALOHA. Beide ersetzen keinen Hausarzt und keine Psychotherapeutin, falls die Trauer oder die Leere gerade größer ist als das, was ein Kurs auffangen kann. Die kleine Regel von vorhin brauchst du dafür trotzdem nicht -- die kannst du heute schon in der nächsten Warteschlange ausprobieren, an der du eigentlich vorbeihuschen willst.
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