Das Bluetentagebuch

Huna Prinzipien im Alltag anwenden für mehr Gelassenheit im stressigen Beruf

Ein Buch über die sieben Huna-Prinzipien sagt dir in klaren Sätzen, wie du gelassen bleibst. Ein Samstagvormittag mit vier ungeduldigen Kundinnen gleichzeitig am Tresen sagt dir, ob davon irgendetwas stimmt. Genau zwischen diesen beiden Dingen versuche ich zu leben, seit ich neben dem Laden eine Ausbildung mache, die sich nicht mit Rechnungen oder Lieferterminen beschäftigt, sondern mit Gelassenheit im stressigen Beruf. Huna im Alltag klingt in einem Kurs nach etwas Großem, Hawaiianischem. Am Bindetisch, mit nassen Händen und einer Schlange vor der Tür, ist es meistens etwas sehr Kleines: ein einziger Atemzug, bevor ich antworte.

Huna im Alltag: Theorie gegen einen vollen Laden am Samstag

Floristik und Spiritualität gehören für die meisten Menschen nicht in denselben Satz. Mich interessiert dabei nicht die Lehre als geschlossenes System – das überlasse ich anderen, die ausführlicher darüber schreiben. Mich interessiert, ob ein einzelnes Prinzip noch trägt, wenn der Laden voll ist und die Kundin vor mir am liebsten sofort bedient werden möchte.

Das erste Prinzip heißt Ike, und es behauptet schlicht: Deine Gedanken erschaffen deine Realität. Kommt die Anemonenlieferung für eine Braut am Dienstagmorgen nicht, ist meine erste Realität Katastrophe – Puls hoch, das Bild einer wütenden Kundin im Kopf, Druck in der Brust. Zwei Wege habe ich dann. Der eine: mich in die Panik hineinsteigern. Der andere: kurz innehalten und mich fragen, ob die Welt wirklich gegen mich ist oder ob es schlicht eine Lieferverzögerung ist. Wähle ich den zweiten, lösen sich die Schultern spürbar – noch bevor ich überhaupt eine Lösung gefunden habe.

Hände einer Floristin halten eine weiße Anemone über einem hölzernen Arbeitstisch – Ruhe mitten im stressigen Berufsalltag der Floristik

Wenn ein Huna-Prinzip nicht wirkt

Nicht jedes Prinzip greift sofort. Pono, das letzte der sieben, steht für Wirksamkeit als Maßstab der Wahrheit – wenn etwas nicht funktioniert, ändere den Ansatz, statt dich selbst dafür zu verurteilen. Bei mir war das mit Büchern über Trauer so. Nach dem Tod meiner Mutter habe ich mir einen ganzen Stapel davon gekauft, in der Hoffnung, dass irgendeines das richtige Wort für das findet, was in mir passiert.

Die Stapel wurden höher. Keines hat wirklich getroffen.

Irgendwann habe ich aufgehört zu suchen und stattdessen selbst angefangen aufzuschreiben, was ich fühle, ohne ein Buch, das mir sagt, ob das richtig ist. Was davon in mein Notizbuch wandert, ist noch einmal ein eigenes Thema für sich. Wie man Trauer als Ganzes verarbeitet, ist ebenfalls ein großes Feld, das an eine andere Stelle gehört als in diesen Text. Manche Übungen aus meiner Ausbildung berühren eher das, was man Schattenarbeit nennt, also Seiten in mir, die ich lieber nicht anschauen würde – auch dafür braucht es mehr Raum, als ich ihm hier geben kann.

Aloha: echt oder aufgesetzt

Aloha kennt jeder als Gruß. In der Huna-Lehre bedeutet es mehr: Es kommt von alo, Anwesenheit, und ha, Atem – das Teilen des Atems mit einem anderen Menschen. Im Laden heißt das für mich, eine Kundin nicht nur als Umsatz zu sehen, sondern als jemanden, der vielleicht genau jetzt denselben Schmerz trägt wie ich.

Inke Glandorf zum Beispiel kommt seit Jahren zu mir und kauft fast immer weiße Anemonen. Einmal hat sie mich gefragt, ob ich glaube, dass Blumen eine Seele haben. Diese Frage arbeitet bis heute in mir. Eine ehrliche Antwort war mir wichtiger als eine schnelle, auch wenn die Schlange hinter ihr länger wurde.

Manche würden das Herzöffnung nennen. Ich nenne es einfach: nicht wegschauen. Gefährlich wird es, wenn ich Aloha erzwinge, obwohl ich innerlich schreien möchte, weil jemand unhöflich war – dann ist es keine Präsenz mehr, sondern eine Maske, und eine Kundin spürt diesen Unterschied fast immer trotzdem.

Ein halbfertiger Trauerkranz mit weißen Lilien und grünem Efeu in einem Blumenladen – Huna-Prinzipien im Alltag der Trauerfloristik

Grenzen ziehen, wenn fremde Energie den ganzen Laden füllt

Mana ist die Lebensenergie in der Huna-Lehre, und die Idee dahinter ist einfach: Sie kommt von innen, nicht von außen, nicht durch Bestätigung oder Erfolg. Nach einem Tag mit lauter Kundinnen, die ihre eigene Trauer, ihre eigene Hochzeitsaufregung oder ihren eigenen Ärger mit hereintragen, ist mein Mana meistens auf null. Früher dachte ich, ich müsste das von außen wieder auffüllen. Heute weiß ich: Ich muss es eher schützen, bevor es leer wird.

Kala, ein anderes Prinzip, sagt: Grenzen existieren vor allem im Kopf. Für vieles, was mich äußerlich einschränkt, mag das stimmen. Für die Energie einer trauernden Kundin, die ich einen ganzen Tag mittrage, stimmt es für mich nicht – da brauche ich sehr reale Grenzen, keine gedachten.

Wie ich mich als jemand, der fremde Stimmungen sehr schnell aufnimmt, energetisch überhaupt schützen kann, ist ein eigenes Kapitel meiner Ausbildung, das ich hier nur anreißen will. Ob das Schärfen der Hellsinne dabei hilft, kann ich nicht sicher sagen – ich merke nur, dass ich Kundinnen inzwischen anders zuhöre, aufmerksamer auf das, was eine Kundin nicht direkt ausspricht.

Erdung ist für mich meistens keine Übung mit Anleitung, sondern ein Moment, der einfach passiert. Nach einem Nachmittag in der Kunsthalle Bremen bin ich einmal über den Kiesweg vor dem Eingang gegangen und habe zum ersten Mal seit langem wirklich gespürt, dass der Boden unter meinen Füßen tatsächlich da ist – nicht nur gedanklich, sondern als Gewicht, als Widerstand, als etwas, das mich trägt.

Lore, mit der ich mich regelmäßig zu einem kleinen Kreis treffe, formt in ihrer freien Zeit Schalen aus Ton und redet so gut wie nie darüber. Auch das hat mir irgendwann etwas über Mana gezeigt: Manche füllen ihre Energie einfach leise wieder auf, ohne es zum Thema zu machen.

Spirituelle Ausbildung: eine Wahl

Nein, nicht zwingend. Die Prinzipien selbst sind einfach genug, um sie auch ohne Kurs auszuprobieren. Trotzdem habe ich mich für eine solche Ausbildung entschieden, für einen Betrag, den ich mir eigentlich nicht leisten sollte, weil ich spürte, dass ich allein nicht drangeblieben wäre.

Dazu gehören Dinge wie Trommelreisen oder Ahnenarbeit, die in einem ganz anderen Rahmen stattfinden als das, was am Tresen mit einer Kundin passiert – auch das sind eigene Themen, die ich an anderer Stelle ausführlicher aufschreibe. Der leere Raum, den der Tod meiner Mutter hinterlassen hat, gehört ebenfalls in dieses andere, größere Kapitel.

Wer mehr über diesen Teil meines Wegs wissen möchte, findet das in meinem Bericht über die Power of Love Online Ausbildung und meine Erfahrungen nach den ersten acht Wochen. Für den Alltag im Laden reicht mir oft schon ein einziges Prinzip, bewusst angewendet, mehr als ein ganzes Wochenseminar.

Das eine, was ich jeder Kollegin mitgeben würde

Wenn du selbst in einem Beruf mit viel Kundenkontakt und wenig Pausen arbeitest und fragst, ob so etwas wie Huna dir hilft, würde ich dir Folgendes mitgeben: Prüfe nicht, ob die Kundin gemerkt hat, dass du gelassen warst. Prüfe, ob sich etwas in deinem eigenen Körper verändert hat – die Schultern, der Atem, der Kiefer. Das ist für mich das einzig verlässliche Zeichen, dass ein Prinzip gerade wirklich gegriffen hat, und nicht nur schön klingt.

Ich bin keine Therapeutin, und diese Prinzipien sind kein Ersatz für professionelle Hilfe. Wenn Trauer oder Stress dich wirklich krank machen, sprich bitte mit einem Arzt oder einer approbierten Psychotherapeutin.

Eine schildpattfarbene Katze schläft friedlich auf einem Fensterbrett neben einer Pfingstrose – Gelassenheit im Beruf beginnt oft nach Feierabend

Zwetschge, meine Katze, liegt gerade auf dem Fensterbrett und lässt sich von alldem nicht beeindrucken. Ich presse trotzdem eine Anemone zwischen die Seiten meines Notizbuchs, für die Klarheit, und einen Eukalyptuszweig für die Wochen, die bestimmt noch kommen. Nicht, weil ein Prinzip das verlangt, sondern weil es mir hilft, festzuhalten, was ich sonst vergessen würde. Aloha bedeutet für mich am Ende genau das: den Atem zu teilen, mit den Blumen, mit den Kundinnen, und an manchen Tagen auch nur mit mir selbst.

Mal kurz:
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