Das Bluetentagebuch

Wie ein schamanischer Frauenkreis in Worpswede mein Leben im Alltag verändert

Das helle Klingen der Messingglocke an meiner Ladentür hat mich heute Morgen fast erschreckt. Es ist ein gewöhnlicher Dienstagmorgen im Viertel, der Regen klatscht gegen das Schaufenster meines schmalen Altbau-Ladens, und meine Hände sind bereits klamm vom kalten Wasser der Tulpenkübel. Aber in meinen Handflächen spüre ich noch immer dieses tiefe, erdige Vibrieren der Trommel vom letzten Samstag in Worpswede.

Hinweis: In diesem Text erzähle ich von meinem ganz persönlichen Weg. Manche der Links hier sind Affiliate-Links – das heißt, ich bekomme eine Provision, wenn du dich für einen Kurs entscheidest. Für dich kostet es keinen Cent mehr. Ich bin keine Ärztin und keine Therapeutin, ich bin Floristin, die versucht, ihren eigenen Weg durch die Trauer zu finden. Bitte geh zu einem Arzt oder einer Psychotherapeutin, wenn es dir wirklich schlecht geht – eine Ausbildung ersetzt keine medizinische Hilfe.

Seit 13 Jahren stehe ich nun schon hier in diesem Laden, umgeben von schiefen Holzregalen und dem Duft von Erde. Früher dachte ich, ich wüsste, was Abschied bedeutet. Ich binde schließlich jede Woche Kränze für die Friedhöfe in Bremen. Aber als meine Mutter Ingrid im März 2024 starb, nur sieben Wochen nach der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs, wurde ein Raum in mir leer, den kein Gesteck der Welt füllen konnte. Trauerbewältigung wenn die Mutter verstorben ist fühlt sich oft an wie das Warten auf eine Blüte, die einfach nicht aufgehen will.

Der Kreis im Teufelsmoor

Einmal im Monat fahre ich raus nach Worpswede. Es ist kein offizieller Kurs, es gibt kein Zertifikat am Ende. Wir sind acht Frauen, wir sitzen zusammen, wir trommeln, wir reisen. 45 Euro lege ich jedes Mal in die kleine Holzschale am Eingang. Es ist mein Anker geworden. Der Geruch von feuchtem Moos an meinen Stiefeln aus dem Moor vermischt sich am nächsten Tag im Laden oft mit dem scharfen, sauberen Duft von frischem Eukalyptus. Es ist ein seltsamer Kontrast: Die harte Realität des Geschäftslebens und diese weiche, tiefe Arbeit im Kreis.

Was ich dort lerne, ist nichts, was man in einem Handbuch nachschlagen kann. Es ist eher ein Gefühl für Rhythmen. Wenn wir eine Trommelreise machen, meistens bei etwa 200 bis 210 Schlägen pro Minute, dann ist das wie das Sortieren von Blumenstielen vor dem Binden. Man bringt Ordnung in das Chaos, ohne die Wildheit zu nehmen.

Vom Moor ins Digitale: Die Entscheidung für mehr

Im Februar 2026 habe ich einen Schritt gewagt, der sich für mein Bankkonto immer noch ein bisschen gruselig anfühlt. Ich habe mich für das Online-Programm POWER OF LOVE angemeldet. Jeden Monat werden 266,67 Euro von meinem Konto abgebucht. Wenn ich auf meine Banking-App schaue, denke ich oft: Helene, du hättest davon ein neues Kühlaggregat für den Laden kaufen können. Aber das neue Aggregat würde das Zittern in meinem Herzen nicht stoppen, wenn ich an Ingrid denke.

Ich bin jetzt im zweiten Monat dieser Ausbildung. Es ist eine Herausforderung, die schamanische Arbeit in meinen Alltag zwischen Vorbestellungen und Buchhaltung zu integrieren. Besonders als jemand, der eigentlich keine Zeit für ausgedehnte Rituale hat – ein Problem, das ich mit vielen Frauen teile, die versuchen, Beruf und Seelenarbeit unter einen Hut zu bringen. Die Standardtipps für schamanische Praktiken scheitern oft an der Realität, wenn man abends einfach nur müde ist und die Katze Zwetschge Futter will.

Aber ich habe gelernt, dass die 13 Clanmütter, die wir im Kurs besprechen, keine fernen Konzepte sind. Sie sind wie verschiedene Arten von Grün in einem Strauß – manche geben Struktur, manche füllen die Lücken. In den Momenten, in denen die Trauer um Ingrid wieder hochschießt, versuche ich, mich selbst so zu halten, wie ich ein empfindliches Bund Anemonen halten würde.

Zwischen Tulpen und Clanmüttern zu stehen bedeutet auch, zuzugeben, wenn es nicht funktioniert. Letzte Woche zum Beispiel. Ich habe an einem Trauerkranz gearbeitet und dabei leise vor mich hin gesummt – ein Lied aus dem Frauenkreis. Eine Stammkundin sah mich irritiert an und fragte, was das für ein Brummen sei. Ich bin knallrot geworden, habe gestottert und mich für zehn Minuten im Hinterraum zwischen den leeren Vasen versteckt. Es klappt eben nicht immer alles reibungslos.

Kleine Zeichen im Moleskine

Trotzdem verändert sich etwas. Ich spüre es manchmal in meinen Fingerspitzen, wenn ich einen Strauß binde – ein plötzliches, scharfes Kribbeln, genau wie während meiner ersten Trommelreise in Worpswede im August 2024. Es ist, als würde die Energie der Pflanzen direkter zu mir sprechen.

Jeden Sonntagabend sitze ich mit meinem A5 Moleskine auf dem Sofa, Zwetschge schnurrt auf meinen Knien, und ich schreibe meine zwei Seiten. Inzwischen liegen 24 getrocknete Blüten zwischen den Seiten. Gestern habe ich eine Ranunkel hineingepresst. Sie steht für die Vielschichtigkeit, die ich gerade in mir entdecke. Ich weiß immer noch nicht, ob ich am Ende dieses Jahres eine „Heilerin“ sein werde – wahrscheinlich nicht. Aber ich glaube inzwischen, dass etwas in mir heilbar ist, ganz langsam, Stiel für Stiel.

Falls du auch das Gefühl hast, dass der Boden unter deinen Füßen nach einem Verlust schwankt, schau dir die Möglichkeiten an, die es gibt. Es muss nicht immer der große, teure Kurs sein, manchmal reicht ein kleiner Kreis in der Nachbarschaft. Aber wenn du eine Struktur suchst, die dich über ein Jahr trägt, könnte das Programm POWER OF LOVE vielleicht auch für dich ein Anker sein, so wie es das gerade für mich ist. Es gibt auch Alternativen wie A TOUCH OF ALOHA, falls dich die hawaiianische Energie mehr anspricht, wobei ich dazu noch nicht viel sagen kann, da ich mich für den Weg der Clanmütter entschieden habe.

Ich binde jetzt noch die letzten Sträuße für heute fertig. Die Glocke wird gleich wieder läuten, und ich werde lächeln, auch wenn der Raum in mir noch nicht ganz gefüllt ist. Aber er ist nicht mehr leer. Er ist voller Möglichkeiten, so wie ein frischer Bund Blumen, der noch darauf wartet, angeschnitten zu werden. Warum ich trotz der hohen Kosten weitermache, erfährst du in meinem nächsten Sonntagabend-Brief.

Alles Liebe aus dem Viertel,
Helene

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