Das Bluetentagebuch

Umgang mit dem Gefühl der Überforderung während einer spirituellen Ausbildung

Es ist dieser Moment am Samstagabend, wenn die Messingglocke an der Ladentür zum letzten Mal verstummt ist und der Geruch von angeschnittenen Eukalyptuszweigen schwer in der feuchten Luft hängt. Ich stehe am Bindetisch, meine Hände sind rau vom kalten Wasser und dem ständigen Kontakt mit Erde, und im Hinterkopf hämmert dieses leise, schlechte Gewissen: Ich müsste eigentlich noch das Modul der 13 Clanmütter durcharbeiten. Aber alles, was ich will, ist mich auf den Boden zu setzen und zu weinen.

Bevor ich dir erzähle, wie ich versuche, diesen Berg aus Erwartungen abzutragen, ein kurzer Hinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Wenn du über diese Links etwas kaufst, erhalte ich eine kleine Provision, ohne dass es für dich teurer wird. Ich empfehle hier nur Dinge, die ich selbst für mein Moleskine-Tagebuch und meinen Weg ausgewählt habe – wie die Ausbildung, die ich gerade mache. Bitte denk daran, dass ich keine Ärztin oder Therapeutin bin. Meine Erfahrungen ersetzen keine medizinische Hilfe. Wenn es dir wirklich schlecht geht, such dir bitte professionelle Unterstützung bei einem Arzt oder Psychotherapeuten. Hier findest du meine vollständige Offenlegung.

Der Berg aus Modulen und der Geruch von Eukalyptus

Seit Februar 2026 bin ich nun in diesem Online-Programm. Es heißt POWER OF LOVE, und eigentlich sollte es mein Anker sein. Mein Weg zurück zu mir selbst, nachdem Ingrid im März 2024 gestorben ist – nur sieben Wochen nach der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs. Aber manchmal fühlt sich die Ausbildung an wie ein zweiter Job, den ich nicht schaffe. Ich habe seit 13 Jahren meinen eigenen Laden hier im Bremer Viertel, und wer selbstständig ist, weiß: Es gibt keinen Feierabend, an dem man einfach den Kopf ausschaltet.

In den letzten Wochen fühlte ich mich oft wie eine Betrügerin. Ich zahle monatlich einen Betrag für die Ausbildung, den ich mir als Floristin eigentlich kaum leisten sollte, und dann schaffe ich es nicht einmal, die wöchentliche Meditation zu Ende zu führen. Wenn ich versuche, mir die Videos anzusehen, während Zwetschge, meine 15-jährige Katze, schnarchend auf dem Fensterbrett liegt, schlafe ich oft einfach ein. Ich wache dann im blauen Licht des Laptops auf, der Nacken steif, und fühle mich noch unfähiger als zuvor.

Warum 'einfach mal zurückziehen' für mich nicht funktioniert

Es gibt all diese Ratschläge in den spirituellen Foren und Büchern: „Schaff dir einen heiligen Raum“, „Zieh dich für ein Wochenende zurück“, „Meditiere jeden Morgen vor der Arbeit“. Ich finde das fast schon zynisch. Wenn ich morgens um fünf zum Großmarkt fahre, um die frischesten Ranunkeln und Anemonen zu bekommen, gibt es keinen heiligen Raum. Da gibt es nur Kaffee aus dem Thermobecher und das kalte Licht der Markthalle.

Ich habe im Frauenkreis in Worpswede, den ich seit Anfang 2025 besuche, oft mit anderen Frauen darüber gesprochen. Viele von ihnen sind wie ich: Sie stehen allein im Leben oder ziehen Kinder groß. Wir haben keine verlässlichen Ruhephasen. Wenn der Laden brummt oder die Katze krank ist, kann ich nicht sagen: „Sorry, ich bin gerade auf einer schamanischen Reise.“ Diese ständige Fremdbestimmung macht es fast unmöglich, die starren Strukturen einer Ausbildung eins zu eins zu übernehmen. Manchmal ist das Wasser in den Eimern so eisig, dass meine chapped Hände schmerzen, während ich versuche, im Kopf ein Mantra aus dem Kurs zu wiederholen. Es beißt sich – die harte, nasse Realität des Ladens und die ätherische Welt der Ahnenarbeit.

Ich habe gelernt, dass die Überforderung oft daher kommt, dass ich versuche, „spirituell perfekt“ zu sein. Ich dachte, ich müsste wie die Lehrerinnen im Kurs sein – immer ruhig, immer verbunden. Aber ich bin Helene, ich habe Erde unter den Fingernägeln und manchmal fluche ich, wenn eine Rose abbricht.

Wenn die Trommelreise auf dem Küchenboden endet

Einmal, es war wohl Mitte April, wollte ich unbedingt eine Ahnenreise machen. Ich hatte ein Rauchbündel angezündet, die Trommelmusik gestartet und mich auf meinen Teppich gelegt. Ich wollte Ingrid finden. Ich wollte sie fragen, ob das alles hier Sinn ergibt. Und was passierte? Zwetschge sprang mir mitten auf den Bauch, und ich musste so laut lachen, dass die ganze Trance weg war. In diesem Moment dachte ich: Ingrid würde das hier absolut lächerlich finden.

Aber genau darin lag eine seltsame Wärme. Eine Art Erdung. Ich habe begriffen, dass mein Weg nicht bedeutet, die Welt auszublenden, sondern sie einzuladen. Wenn ich überfordert bin, liegt es meistens daran, dass ich die Ausbildung als eine weitere „To-Do-Liste“ behandle. Geduld lernen wenn spirituelle Fortschritte im Alltag auf sich warten lassen ist schwer, wenn man gewohnt ist, dass ein Strauß in zehn Minuten fertig sein muss.

Es gab diesen einen Moment im Juni, es war so schwül im Viertel, dass die Blumen im Laden fast unter den Händen wegwelkten. Ich hörte eine Lektion über die „Lineage of Mothers“ (die Linie der Mütter), und plötzlich schoss mir ein Schluchzer in die Kehle. Es war kein sanftes Weinen, es war ein körperliches Beben. Ich stand hinter dem Tresen, die Messingglocke läutete, und ich musste mich kurz am Holzregal festhalten. In diesem Moment war die Ausbildung keine Theorie mehr. Sie war der Schmerz über Ingrids Fehlen, der endlich einen Platz fand, mitten zwischen dem Schleierkraut und den Farnen.

Die 13 Clanmütter und der Mut zur Lücke

Was mir hilft, wenn der Druck zu groß wird? Ich habe angefangen, die Ausbildung wie das Binden eines wilden Straußes zu sehen. Man kann nicht jede Blume erzwingen. Manchmal fehlt eine Farbe, und man muss warten, bis sie Saison hat. Die 13 Clanmütter in der Power of Love Ausbildung begleiten mich jetzt durch das Jahr, aber ich erlaube mir, Module zu überspringen, wenn mein Herz gerade nur für eine einzige Sache Platz hat.

Ich führe mein Moleskine-Notizbuch seit August 2024. Inzwischen liegen über 20 getrocknete Blüten darin. Jedes Mal, wenn mich eine Übung überfordert, presse ich am nächsten Tag eine ganz bestimmte Blume ein. Eine Pfingstrose für die Momente, in denen mein Herz zu schwer wird. Eine Anemone für die Klarheit, die ich mir wünsche. Diese kleinen Symbole helfen mir, den Fortschritt zu sehen, den ich im Kopf oft verleugne. Es ist okay, langsam zu sein. Es ist okay, wenn man für ein Modul drei Monate braucht statt einer Woche.

Falls du auch das Gefühl hast, dass dich der Ruf deines Herzens gerade eher stresst als heilt, schau dir vielleicht mal alternative Ansätze an. Es gibt auch kürzere Impulse wie A TOUCH OF ALOHA, die manchmal weniger massiv wirken können, wenn das Leben gerade ohnehin schon laut ist. Aber egal was du tust: Sei sanft mit dir.

Ein Schritt zurück vom Bindetisch

Wenn ich heute auf die letzten Monate zurückblicke, sehe ich, dass die Überforderung ein Teil der Heilung war. Sie hat mir gezeigt, wo ich noch versuche, alles zu kontrollieren – genau wie ich es nach Ingrids Tod getan habe. Ich wollte die Trauer „abarbeiten“, so wie ich eine Bestellung abarbeite. Aber Heilung ist kein Werkstück.

Manchmal ist die beste spirituelle Praxis einfach nur, Zwetschge beim Atmen zuzusehen oder die kühle Feuchtigkeit eines Eukalyptusblattes zwischen den Fingern zu spüren. Wie Haustiere unsere spirituelle Entwicklung begleiten und uns im Alltag erden, habe ich erst durch diese Ausbildung wirklich verstanden. Sie sind die Brücke zwischen dem, was wir im Kurs lernen, und dem echten, staubigen Leben.

Ich weiß immer noch nicht, ob ich am Ende dieses Jahres eine „fertige“ Schamanin sein werde. Wahrscheinlich nicht. Aber ich bin eine Floristin, die gelernt hat, dass man Blumen nicht am Stiel ziehen kann, damit sie schneller wachsen. Man kann sie nur gießen, ihnen Licht geben und abwarten.

Heute Abend werde ich nur drei Sätze in mein Tagebuch schreiben. Und ich werde eine kleine Ranunkel zwischen die Seiten legen. Für die Hoffnung, dass alles seinen Platz findet – auch die Überforderung. Wenn du dich auch gerade fragst, wie du das alles schaffen sollst: Atme tief ein. Der Duft von Erde und Blumen ist oft heiliger als jedes Lehrvideo. Wenn du spürst, dass du bereit für den nächsten Schritt bist, schau dir die Power of Love Ausbildung in deinem eigenen Tempo an. Es gibt keine Eile. Deine Seele hat alle Zeit der Welt.

Alles Liebe aus dem Viertel,
Helene

Mal kurz:
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