Das Bluetentagebuch

Intuition stärken Übungen im Alltag einer Floristin während der Ausbildung

Über zwanzig getrocknete Blüten liegen inzwischen zwischen den Seiten meines Notizbuchs, und bei kaum einer könnte ich genau erklären, warum diese und keine andere. Genau das meine ich, wenn ich von Intuition trainieren im Alltag einer Floristin spreche: nicht ein Gefühl, das man sich vornimmt, sondern eines, das sich erst zeigt, wenn die Hand schon gehandelt hat. Wer mitten in der eigenen Trauerbewältigung steckt und sich fragt, ob sich so etwas überhaupt üben lässt? Ja, ein Stück weit, nur anders, als die meisten Ratgeber es beschreiben.

Kurz vorweg, bevor es weitergeht: Ich bin Floristin, keine Ärztin und keine Therapeutin, und alles hier sind persönliche Beobachtungen, keine Anleitung bei schwerer Trauer oder Depression – dafür bitte an eine Ärztin oder eine approbierte Psychotherapeutin wenden. Der Text enthält Affiliate-Links zu Programmen, die ich selbst durchlaufe oder geprüft habe; kaufst du darüber, bekomme ich eine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts.

Seit ich in der spirituellen Ausbildung stecke, versuche ich, den Abstand zwischen Greifen und Verstehen kleiner zu machen – nicht um ihn zu beherrschen, sondern um ihn überhaupt zu bemerken. Die folgenden Übungen sind keine Theorie aus dem Kursmaterial. Es sind die, die am Bindetisch übrig bleiben, wenn ich sie später mit eigenen Worten aufschreibe.

Was fühlt sich richtig an, bevor der Kopf antwortet?

Die Übung, die ich am häufigsten wiederhole, hat keinen Namen aus dem Kursmaterial. Sie passiert mitten in der Floristik, wenn ich für einen Moment die Augen schließe und die Hand über die Stiele gleiten lasse, ohne vorher zu kalkulieren, welche Farbe zu welcher passt. Das Kriterium dahinter ist simpel: Will ich die Blume gleich wieder hinlegen, sobald ich sie berühre, ist sie nicht die richtige. Bleibt die Hand, binde ich damit weiter. Kein Gefühl von Erleuchtung dabei, nur ein kleiner, körperlicher Unterschied zwischen Festhalten und Weglegen.

Floristenhände sortieren weiße Anemonen im Wassereimer – Übung für die Intuition am Bindetisch

Dieselbe Wahrnehmung ist oft schon da, bevor ich bewusst hinschaue – wenn eine Kundin den Laden betritt und ich ahne, dass sie heute keinen bunten Strauß will, ist das kein trainiertes Hellsehen, sondern etwas, das ohnehin passiert; die eigentliche Frage ist nur, ob ich diesem ersten Eindruck traue oder ihn wegrede. Manchmal hilft mir dabei ein Blick auf ein altes Foto meiner Mutter Ingrid, die nur sieben Wochen nach der Diagnose an Bauchspeicheldrüsenkrebs starb – nicht aus Traurigkeit im ersten Moment, sondern weil dieser Blick mir jedes Mal zeigt, wie wenig Zeit man eigentlich hat, um dem eigenen Gefühl zu vertrauen, statt es wegzuerklären.

Ahnenarbeit zwischen Programm und Notizbuch

Seit Februar 2026 sitze ich einmal im Monat für ein strukturiertes Online-Programm am Laptop im Hinterzimmer des Ladens, die Power of Love Ausbildung, aufgebaut um 13 Lehrerinnen, die dort Clanmütter genannt werden. Kein Zertifikat wartet am Ende, keine Prüfung – nur ein Jahr, in dem sich vieles offenbar eher begleiten als erzwingen lässt.

Eine der intensivsten Übungen darin ist die zur Ahnenheilung für Anfänger, und ich mache sie inzwischen manchmal mitten am Werktag, zwischen zwei Kundinnen, wenn kurz niemand im Laden ist. Was danach bleibt, ist selten Fülle, eher die Feststellung, dass sich etwas, das sich lange wie ein leerer Raum in mir angefühlt hat, an diesem Tag ein kleines Stück kleiner angefühlt hat, nicht verschwunden.

Wie genau sich das über die Wochen entwickelt, verfolge ich im selben Notizbuch, in dem auch die gepressten Blüten liegen – eine eigene Methode, die ich an anderer Stelle ausführlicher beschreibe, wo Die Power of Love Ausbildung hilft mir, das alles überhaupt in Worte zu fassen. Hier reicht der Hinweis: Wiederholung ohne Aufzeichnung bleibt Gefühl. Wiederholung mit Aufzeichnung wird irgendwann ein Muster, das sich lesen lässt.

Floristenwerkzeug und Eukalyptuszweige auf dem Bindetisch – Alltag einer Floristin während der Ausbildung

Ein Ritual half nur bis zur nächsten Ladenöffnung

Bevor ich mit alldem angefangen habe, hatte ich schon einmal versucht, mir selbst regelmäßig einen Strauß zu binden – jeden Sonntag, als eine Art Ritual für mich allein, ohne Kundin und ohne Bestellung dahinter. Es half wirklich, für den Rest des Abends. Am Montagmorgen aber war der Kopf wieder genauso voll wie vorher, und der Strauß stand nur noch als Deko auf der Fensterbank.

Ein Ritual, das ausschließlich im Moment wirkt und danach nichts verändert, ist meiner Erfahrung nach keine Übung – es ist ein Trost, was durchaus in Ordnung ist, nur eben etwas anderes. Der Unterschied zu den Übungen, die ich jetzt mache, liegt nicht in der Blume selbst, sondern darin, dass ich hinterher hinschaue, statt nur aufzuatmen.

Nicht jeder Moment ist ein Zeichen

Es ist verlockend, jedem kleinen Zufall eine Bedeutung zu geben, sobald man in so einer Ausbildung steckt.

Vorsicht damit hilft meistens mehr als Begeisterung.

Eine alte Postkarte von meiner Mutter fällt mir aus einer Schublade, die ich lange nicht geöffnet hatte, und zum ersten Mal lese ich ihre Handschrift bis zum Ende, ohne wegzusehen – das ist kein Zeichen aus einer anderen Welt, das ist einfach ein Moment, in dem ich stehen bleibe, statt weiterzumachen.

Aufgeschlagenes Moleskine-Notizbuch mit gepressten Blüten – Intuition und Trauerbewältigung im Tagebuch einer Floristin

Mina, die seit einer Weile am Wochenende im Laden aushilft, hat mir neulich einen Satz über das Wort Trauma gesagt, der zum ersten Mal in diesem Zusammenhang wirklich stimmte – nicht, weil sie es irgendwo nachgelesen hat, sondern weil sie zugehört hat, bevor sie geredet hat. Das ist im Kern das, was manche Trauerintegration nennen: die Trauer nicht verschwinden lassen, sondern ihr einen Platz geben, an dem sie nicht ständig im Weg steht.

Eine schamanische Reise im Frauenkreis in Worpswede, diesem kleinen Dorf mitten im Teufelsmoor, klingt von außen dramatischer, als sie sich anfühlt – meistens ist es eher ein langes, konzentriertes Zuhören nach innen als ein Erlebnis mit Feuerwerk. Was andere als Herzöffnung beschreiben, ist bei mir öfter ein ziemlich unspektakulärer Vorgang, eher ein Aufweichen als ein Aufbrechen. Meine alte Kollegin aus der Ausbildungszeit, Romy Kähler, schreibt mir bis heute einmal im Jahr einen langen Brief statt vieler kurzer Nachrichten, und genau darin sehe ich inzwischen auch eine Form von Intuition: wissen, wann ein Gedanke reif genug ist, um ihn zu teilen, statt ihn sofort loszuschicken.

Erst schützen, dann einen anderen Rahmen prüfen

Nicht jede Übung ist dafür gedacht, mehr durchzulassen. Manche sind dafür da, weniger durchzulassen. Kommt eine Bestellung für eine Beerdigung herein, atme ich bewusst einmal aus, bevor ich ans Telefon gehe – eine kleine Form von dem, was in der Ausbildung energetischer Schutz genannt wird, auch wenn ich das Wort im Laden selbst nie benutze.

Erdung ist für mich weniger eine eigene Übung als ein bestimmter Ort im Laden: die ungleichmäßigen alten Steinplatten unter den Füßen, direkt vor der Glastür zur Kühlzelle. Schwerer fällt mir, was in der Schattenarbeit auftaucht – Ungeduld, ein kurzer Neid auf eine Kollegin, deren Laden mühelos zu laufen scheint –, Gefühle, die am Bindetisch hochkommen, obwohl ich sie dort nie hingelassen hätte.

Wer für ähnliche Übungen einen anderen kulturellen Rahmen sucht als den mit den Clanmüttern, für den könnte A Touch of Aloha vom selben Anbieter interessant sein – gleicher Ansatz der inneren Öffnung, nur mit hawaiianischer statt mitteleuropäischer Prägung. Ich lerne selbst gerade eher über Huna Prinzipien im Alltag, dass Energie dorthin fließt, wohin ich meine Aufmerksamkeit lenke, und dass ich diese Aufmerksamkeit auch an einem hektischen Samstag steuern kann.

Grenzen einer spirituellen Ausbildung im Floristik-Alltag

Der eigentliche Punkt ist ohnehin nicht die einzelne Übung, sondern ob sich das, was im Frauenkreis oder im Online-Programm passiert, überhaupt in den ganz gewöhnlichen Alltag übersetzen lässt, zwischen Lieferschein und Kasse. Falls du unsicher bist, wie sich der Einstieg in so ein Programm überhaupt anfühlt, bevor du selbst eine Entscheidung triffst, lohnt ein Blick in die Erfahrungen nach den ersten Wochen – dort geht es genauer um den Anfang als hier.

Für mich bleibt am Ende eine einfache Regel, die ich mir selbst immer wieder aufschreibe: Keine Ausbildung ersetzt professionelle Hilfe bei einer echten Krise. Aber als Ergänzung, wenn der Boden einigermaßen trägt, kann ein Jahresprogramm Power of Love etwas in Bewegung bringen, das kleine Alltagsübungen am Bindetisch allein nicht schaffen – nicht, weil es heilt, sondern weil es Zeit und Wiederholung erzwingt, für die im normalen Ladenbetrieb sonst kein Platz wäre.

Mal kurz:
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