Das Bluetentagebuch

Wirkung schamanischer Trommelreisen auf das Nervensystem nach der Arbeit

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Die einen erwarten von einer Trommelreise das, was sie von einem Lichtschalter erwarten: an, aus, sofort ruhig — bei mir kippt das Nervensystem selten so einfach um. Nach Stunden zwischen Eukalyptus-Zweigen und kaltem Wasser ist mein Nervensystem oft eher ein Radio mit zu vielen Sendern gleichzeitig als ein Gerät mit einem einzigen Knopf. Genau in dieser Erwartung liegt für mich der größte Irrtum über Nervensystem-Regulation durch schamanische Trommelreisen nach der Arbeit.

Meine eigene Trommelreise-Erfahrung stammt nicht aus einem Wochenendkurs, sondern aus einer spirituellen Ausbildung, die sich über ein ganzes Jahr zieht und für mich inzwischen zu einem festen Teil meiner Trauerarbeit hier in Bremen geworden ist — mit einem monatlichen Frauenkreis in Worpswede, diesem stillen Dorf im Teufelsmoor, als Ausgangspunkt. Eine schamanische Reise beruht im Kern auf einem gleichbleibenden Trommelrhythmus, der einen veränderten Bewusstseinszustand einleitet — wie genau sich das anfühlt und was dabei im Detail passiert, ist ein eigenes, größeres Thema, das ich hier nicht aufrolle.

Der Irrtum: Trommelreise als Schalter für den Feierabend

Der Mythos klingt ungefähr so: Kopfhörer auf, Trommel an, und die Anspannung des Tages fällt ab wie ein nasser Mantel. So habe ich es mir am Anfang auch vorgestellt. Die Realität sieht anders aus. Manche Abende passiert in den ersten Minuten gar nichts außer dem eigenen Ungeduldig-Werden, und erst nach einer ganzen Weile löst sich überhaupt etwas — wenn überhaupt.

Eine Nachbarin aus dem Viertel pflegt einen Schrebergarten an der Hemmstraße, und wenn ich sie frage, wie sie nach der Arbeit runterkommt, erzählt sie von Unkraut jäten, nicht von Trommeln. Für sie ist die Erde zwischen den Fingern offenbar das, was für mich der Rhythmus ist. Das allein zeigt mir, dass es keinen einzigen Schalter gibt, der bei jedem Menschen gleich funktioniert, und dass die Trommel kein Wundermittel mit Garantie ist.

Vor der Trommel habe ich versucht, jeden Tag nach einer Meditations-App zu meditieren. Nach drei Wochen habe ich einfach aufgehört, ohne große Erklärung, ohne schlechtes Gewissen — es hat mich einfach nicht erreicht. Diese Erfahrung erinnert mich immer wieder daran, dass auch die Trommelreise kein zuverlässigerer Schalter ist als eine App, nur ein anderer Zugang, der bei mir öfter etwas auslöst als andere.

Schamanische Trommel neben Pfingstrosen auf Holzboden – Trommelreise-Erfahrung während der spirituellen Ausbildung

Was passiert wirklich, wenn der Rhythmus einsetzt?

Wenn überhaupt etwas passiert, dann selten spektakulär. Manchmal ein tiefes, fast erschrecktes Ausatmen. Manchmal ein Kribbeln in den Händen, die den ganzen Tag am Bindetisch Stiele geschnitten und Eimer mit Wasser getragen haben. Manchmal — und das ist die Wahrheit, die in den Werbeversprechen selten vorkommt — überhaupt nichts, nur eine halbe Stunde Trommelklang und danach ein Gefühl, als hätte man einfach nur dagesessen.

Neulich habe ich in einer alten Schublade eine Postkarte gefunden, die Ingrid mir vor Jahren geschrieben hat, und konnte ihre Handschrift lesen, ohne wegzusehen. Das ist mir früher nicht gelungen. Niemand hat mir in einer einzigen Sitzung gesagt, dass genau das irgendwann passieren würde — es hat sich über viele Wiederholungen verschoben, ohne einen Moment, den ich als den entscheidenden markieren könnte.

In der Kühlzelle, wenn sich die Lilien öffnen, liegt manchmal für einen Atemzug eine ganz leichte, fast süße Frische in der Luft, kurz bevor die Kälte wieder übernimmt — flüchtig, kaum festzuhalten, nicht auf Bestellung wiederholbar. Nicht das Erden vor der Reise ist für mich inzwischen das eigentliche Thema, sondern das Danach: ein Körper, der nach acht Stunden im Laden erst wieder richtig ankommen muss, das ist für mich spirituelle Erdung für Anfänger in ihrer eigentlichen Form.

Warum es manchmal einfach nicht funktioniert

Der zweite Teil des Mythos ist die Annahme, dass ausbleibende Wirkung an falscher Technik liegt. Das stimmt so nicht. Manchmal bleibt die Leere, die nach Ingrids Tod entstanden ist, während einer ganzen Sitzung einfach da, egal wie lange die Trommel läuft, und keine Übung erzwingt ein Gefühl, das nicht kommen will. Wie eine Trauerintegration nach so einem Verlust im Alltag überhaupt gelingt, ist eine eigene, größere Frage, die ich hier nicht vollständig beantworten kann, und die innere Leere selbst lässt sich mit keiner einzelnen Methode auffüllen wie ein Gefäß, das an einem Abend randvoll wird.

Mein eigenes Programm, POWER OF LOVE, arbeitet deshalb bewusst mit den 13 Clanmüttern als wiederkehrender Struktur — nicht, weil eine einzelne Sitzung etwas verspricht, sondern weil erst die monatliche Wiederholung überhaupt etwas verschiebt. Thomas Young, der das Programm leitet, bringt nach eigenen Angaben rund 20 Jahre Veröffentlichungsgeschichte als Bestsellerautor mit, was mir zumindest zeigt, dass hinter der Struktur mehr steckt als ein einzelner guter Abend.

Trauer, Nervensystem und eine Grenze, die ich ernst nehme

Ernster als am Anfang nehme ich inzwischen eines: Schamanische Reisen sind nicht für jede Situation geeignet. Wer gerade einen schweren Verlust verarbeitet oder mit einer komplexen Traumafolge zu tun hat, kann durch den veränderten Bewusstseinszustand auch überfordert werden statt entlastet. Die Trommel öffnet manchmal Türen, für die man in diesem Moment noch nicht bereit ist.

In meinem Glossar der Schamanismus-Begriffe erkläre ich die Technik im Detail, aber die emotionale Wucht, die dabei entstehen kann, muss man selbst tragen können — oder eben nicht allein tragen müssen. Wenn du nach einer Trommelreise völlig neben dir stehst oder Panik verspürst, ist das ein Signal, dass dein Nervensystem gerade überfordert ist, und dann gehört professionelle Hilfe dazu, kein Online-Programm. Was bei mir eher in Richtung Ahnenheilung für Anfänger geht, ist etwas anderes als medizinische Traumaarbeit, und ich vermische diese beiden Ebenen bewusst nicht.

Miss den Effekt nicht am einzelnen Abend

Die Regel, die sich für mich herauskristallisiert hat: Ich bewerte eine Trommelreise nicht danach, wie sich die einzelne Sitzung anfühlt, sondern danach, ob sich über mehrere Wiederholungen hinweg im Alltag etwas verschiebt. Im Laden merke ich das eher an einer Kundin mit einer ungewöhnlichen Bestellung, bei der ich früher genervt reagiert hätte und heute einfach dabei bleibe, als an einem einzelnen starken Trommelabend.

Ob dabei nebenbei auch Hellsinne geschärft werden oder sich eine Herzöffnung im Alltag einstellt, kann ich nicht seriös beurteilen — das sind eigene, größere Themen, die ich hier nicht aufblähen will.

Genauso wenig ordne ich hier ein, ob ein bestimmter Moment schon Schattenarbeit ist oder einfach nur Erschöpfung nach einem langen Tag; energetischer Schutz für hochsensible Menschen ist ein eigenes Kapitel für sich, und wie das alles in einen ganz normalen Blumenladen-Alltag passt, ist noch mal eine andere Geschichte.

Mein spirituelles Tagebuch mit den gepressten Blüten führe ich daneben, als eigenes Projekt, das eine ganz andere Geschichte erzählt als dieser Text hier.

Am Ende zählt die Wiederholung, nicht das Wunder

Für alle, die selbst spüren, dass der Alltag sie energetisch auszehrt, findest du hier mehr zum POWER OF LOVE Jahresprogramm. Es ist kein Sprint, sondern ein langsamer, wiederkehrender Weg, der eher zu Menschen passt, die wissen, dass nichts Gutes über Nacht wächst.

Wer sich stattdessen stärker zu einem hawaiianischen Rahmen hingezogen fühlt, findet bei demselben Anbieter auch A TOUCH OF ALOHA, das auf der Huna-Lehre aufbaut — ein eigenes Fundament, das ich hier nicht im Detail auseinandernehme, weil es ein eigenes Kapitel verdient.

Am Ende bleibt für mich vor allem das: Die Trommel ist kein Lichtschalter, und wer sie dir als einen verkauft, verspricht mehr, als ein Rhythmus halten kann. Was sie stattdessen ist — ein leises, unzuverlässiges, aber wiederholbares Angebot an ein überdrehtes Nervensystem — reicht mir inzwischen vollkommen.

Mal kurz:
Keine der Informationen auf dieser Website stellt eine medizinische, rechtliche oder finanzielle Beratung dar. Alle Inhalte basieren auf persönlicher Erfahrung. Wenden Sie sich an einen qualifizierten Fachmann für eine auf Ihre Situation zugeschnittene Beratung.

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