
Fünf Haltungen tragen das, was auf Hawaii offiziell als Aloha Spirit gilt (Akahai, Lokahi, Oluolu, Haahaa, Ahonui) und mindestens zwei davon lassen sich an einem gewöhnlichen Werktag im Blumenladen nur schwer unterbringen. Ich stecke mitten in einer spirituellen Ausbildung, die genau von diesen fünf Werten ausgeht, und was ich hier aufschreibe, ist eine Anleitung, keine Andacht: wie sich diese Haltungen in eine Woche zwischen Rosen, Rechnungen und Kundengesprächen übersetzen lassen. Meine eigene Trauerbewältigung nach dem Tod meiner Mutter Ingrid hat mich zu dieser Huna-Praxis gebracht, und was daraus geworden ist, funktioniert als Selbstfürsorge in Bremen genauso wie auf Hawaii – nur langsamer, und mit deutlich mehr Regen.
Diesen Eintrag lege ich diesmal anders an als sonst. Statt einer einzelnen Szene geht es darum, was von den fünf Werten übrig bleibt, wenn ein schmaler Laden im Viertel mitten in eine Meditation hineinplatzt – mit Lieferwagen, klingelnder Tür und Kundinnen, die keine Zeit für Entschleunigung haben.
Trauerbewältigung als Übungsanlage, nicht als Stimmung
Nach Ingrids Tod blieb ein Raum in mir leer, egal wie viele Kränze ich band.
Diese innere Leere ließ sich nicht wegarbeiten, so viel stand früh fest: Trauerintegration, das Wort, das im Kurs ständig fällt, meint bei mir kein Ziel, das man erreicht, sondern eher einen Stiel, der sich nach jedem Schnitt neu zur Sonne dreht.
Abends, wenn die Leere zu groß wurde, habe ich eine Weile zu einem Glas Wein gegriffen.
Das hat funktioniert – bis es nicht mehr funktionierte, bis der nächste Abend genauso leer war wie der davor.
Ahnenarbeit gehört ebenfalls zu dem, was in der Ausbildung dazukommt, auch wenn ich das an anderer Stelle ausführlicher bespreche als hier.
Die erste Berührung mit alledem kam nicht aus einem Buch, sondern aus einer Einzelsitzung bei einer Schamanin in Worpswede, und seither fahre ich regelmäßig zu ihrem Frauenkreis.

Welche Haltung hält dem Tresen am wenigsten stand?
Der Kurs A TOUCH OF ALOHA baut sein Programm auf der Huna-Tradition auf – die Huna-Lehre insgesamt ist ein viel größeres Feld, als hier Platz hat, mir geht es ausschließlich um die fünf Haltungen des Aloha Spirit.
Thomas Young, der das Programm trägt, bringt zwanzig Jahre Veröffentlichungsgeschichte als Autor mit, und das merkt man an der Struktur der Lektionen.
Oluolu, die Umgänglichkeit, ist im Laden meistens die einfachste Haltung: man lächelt, man packt ein, man wünscht einen schönen Tag.
Ahonui, die Geduld, prüft mich fast täglich.
Lore Ahlers, die seit dem allerersten Samstag neben mir im Worpsweder Kreis sitzt, stellt mir dort regelmäßig genau die Fragen, auf die ich keine Antwort habe: zuletzt, ob Geduld überhaupt trainierbar ist oder ob man sie einfach hat oder nicht.
Ich weiß es bis heute nicht.
Energetischer Schutz ist ein Thema, das mich als empfindsamen Menschen im Laden fast täglich betrifft, wenn Kundinnen ihre eigene Trauer mit hereinbringen, aber auch das spare ich mir für ein andermal auf.
Schattenarbeit taucht im Kurs ebenfalls auf, meist dort, wo eine der fünf Haltungen besonders schwerfällt.
Wo der Aloha Spirit im Viertel auf Widerstand trifft
Alleinerziehende Mütter, die schnell einen Strauß für die Lehrerin brauchen, haben selten Geduld für Entschleunigung, und das ist auch richtig so.
Akahai, die Freundlichkeit ohne Bedingung, bedeutet für diese Kundinnen kein Gespräch über Gefühle, sondern dass ich schnell und ohne Vorwurf das Richtige zusammenstelle.
Geduld zu lernen heißt für mich inzwischen: zehn Sekunden bewusst atmen, bevor die Schere angesetzt wird, nicht eine Stunde Meditation am Strand.
Alltagsintegration ist das Wort, das im Kurs für genau diese Verschiebung steht: aus der großen Übung wird eine kleine, wiederholbare Handlung.
Manifestation, ein anderes Wort aus dem Kurs, verstehe ich mittlerweile weniger als Wunschliste und mehr als die Frage, wonach meine Hände am Ende eines Tages wirklich greifen.
Was diese Ausbildung mich finanziell kostet, ist ein eigenes Kapitel, das an anderer Stelle ehrlicher zur Sprache kommt als hier. Nur so viel: Ich zahle monatlich, und ich spüre jeden Monat, dass ich dabeibleibe.
Körperliche Symptome bei spiritueller Entwicklung zeigen sich bei mir selten im Kopf zuerst. Meistens wissen die Hände es vorher.

Konkrete Momente, an denen sich die Werte zeigen
Der Trommelschlag in der Worpsweder Scheune erreicht mich jedes Mal zuerst im Rücken, lange bevor ich ihn überhaupt als Ton wahrnehme.
Trommelpraxis ist für mich am Ende mehr Körper als Erklärung.
Nach dem letzten Frauenkreis dort bin ich über den Kiesweg zurück zum Auto gegangen und habe zum ersten Mal seit Wochen wirklich gespürt, dass der Boden unter meinen Füßen da ist, fest, kalt, real.
Erdung, dachte ich in diesem Moment, ist wohl genau das und nichts Kompliziertes.
Manchmal reicht dafür auch ein Nachmittag an der Kunsthalle Bremen, allein auf den Stufen, ohne Programm.
Meine Hellsinne, falls man das überhaupt so nennen darf, melden sich fast immer zuerst in den Fingerspitzen und erst danach im Kopf.
Herzöffnung ist ein großes Wort für etwas, das bei mir klein passiert.
Inke Glandorf, eine Kundin, die seit Jahren zu jedem Jahrestag ihres Vaters kommt, hat mir einmal ohne ein einziges erklärendes Wort das Gefühl gegeben, dass das, was ich hier tue, sinnvoll ist.
Die schamanische Reise selbst, das Eintauchen mit geschlossenen Augen und Trommel, ist wieder ein eigenes Thema, das ich hier nicht aufmache.
Mein spirituelles Tagebuch mit den gepressten Blüten gehört zur selben Übung. Inzwischen liegen einundzwanzig Blüten zwischen den Seiten, jede für einen Moment, der gesessen hat.
Die Ausbildung als Werkzeug nehmen, nicht als Ausweg
Wer gerade eine weibliche Bezugsperson verloren hat, findet im Jahresprogramm POWER OF LOVE vielleicht die passendere Form: Dort begleiten dreizehn Clanmütter den Prozess, mit einem Fokus, der sich deutlich von Aloha unterscheidet.
Für mich war die hawaiianische Wärme in diesem Jahr das Richtige, aber das ist eine persönliche Entscheidung, keine allgemeingültige.
Wenn sich nach einer schamanischen Sitzung plötzlich etwas bewegt, ist das selten ein lauter Knall.
Meistens ist es leiser: ein Satz, der plötzlich anders klingt, eine Kundin, die man auf einmal richtig ansieht.
Zuhause wartet ohnehin niemand, der das einordnen könnte, außer Zwetschge sie wieder erdet, meine Katze, die sich für keine der fünf Haltungen interessiert und genau deshalb hilft.
Die fünf Werte sind kein Zertifikat, das am Ende an der Wand hängt.
Sie sind eher wie eine Pfingstrose im Tagebuch: erst schön, dann welk, dann gepresst zu etwas, das bleibt.
Wenn du selbst überlegst, wie sich Werte wie diese in einen vollen Alltag pressen lassen, lohnt sich ein Blick auf die Arbeit von Thomas Young, nicht als Lösung, sondern als eine mögliche Übungsanlage unter mehreren.
Alles Liebe aus dem Viertel,
Helene
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