
Im Laden sterben Blumen ordentlich, drei, vier Tage im Wasser, dann lässt man sie los, ohne sich zu fragen, ob man genug getan hat. Im Bürgerpark stirbt fast nichts so sauber. Genau an diesem Unterschied zeigt sich für mich, was Naturverbundenheit im Alltag einer Floristin eigentlich bedeutet, und warum die Huna-Lehre für mich dabei kein Wellness-Extra ist, sondern eine tägliche Übung im Hinsehen.
Was ich in der spirituellen Ausbildung lerne, hat wenig mit Kerzen und Räucherstäbchen zu tun und viel mit der Frage, wie Trauerbewältigung eigentlich funktioniert, wenn man sie nicht erzwingen kann.
Bevor es weitergeht, kurz das Nötigste: Ich verlinke in diesem Text zu Programmen, die ich selbst bezahle und besuche, und wenn du darüber etwas buchst, bekomme ich eine Provision, ohne dass es für dich teurer wird. Ich bin keine Heilpraktikerin, keine Therapeutin, keine Ärztin – nur eine Floristin, die versucht zu verstehen, was mit ihr passiert. Wenn deine Trauer schwerer wiegt, als ein paar Blumen und ein Notizbuch tragen können, wende dich bitte an deinen Hausarzt oder eine approbierte Psychotherapeutin. Alles hier ist persönliche Erfahrung, keine Behandlung.
Gebundene Blumen, wurzelnde Pflanzen
Als Floristin bändigt man die Natur eher, als dass man sie spürt. Man schneidet Stiele schräg an, drahtet Blütenköpfe, zwingt Zweige in eine Form, die im Wohnzimmer der Kundschaft gut aussieht. Im Bürgerpark dagegen wächst vieles einfach weiter, ob ich zusehe oder nicht, ob es mir gefällt oder nicht, und genau das ist der Punkt, an dem mich das Online-Programm A TOUCH OF ALOHA zum ersten Mal wirklich erreicht hat.

Ein Grundgedanke der Huna-Lehre ist, dass Aufmerksamkeit selbst schon eine Art Energie ist – dass es einen Unterschied macht, ob ich eine Anemone nur schneide oder sie tatsächlich wahrnehme, bevor der Schnitt fällt. Im Laden geht mir das leicht verloren, zwischen Bestellungen und Rechnungen. Im Park fällt es mir seltsam leicht.
Was Huna-Lehre mit Naturverbundenheit zu tun hat
Naturverbundenheit klingt nach einem großen Wort für etwas sehr Kleines: die paar Sekunden, in denen ich merke, dass die Pflanze in meiner Hand noch etwas von sich hat, auch wenn ihr Stiel schon geschnitten ist. Wie man Huna Prinzipien im Alltag nutzen kann, habe ich lange für eine Übung gehalten, die man sich vornimmt wie einen Kalendereintrag. Inzwischen weiß ich: Sie funktioniert nur, wenn sie beiläufig bleibt.
Eine Freundin von mir quiltet seit Jahren in einem kleinen Nähkreis im Viertel – Stoff auf Stoff, exakt vernäht, jedes Teil an seinem Platz. Wenn ich ihr von der Huna-Ausbildung erzähle, versteht sie sofort, was ich meine: Ihre Nadel bringt Ordnung in Stoff, meine Schere bringt Ordnung in Blüten, und beides ist eine Form von Kontrolle, die mit echter Verbindung zur Natur erst mal wenig zu tun hat. Geduld lernen heißt für mich inzwischen, diese Kontrolle bewusst loszulassen, und zwar öfter, als mir manchmal recht ist.

Wann reicht der Laden – und wann muss ich raus in den Bürgerpark?
Nach Ingrids Tod habe ich es erst mit mehr Arbeit versucht. Ich habe den Laden auch samstags bis sieben offen gelassen, in der stillen Annahme, dass Beschäftigung die Leere irgendwann verdrängt. Es hat nicht funktioniert. Es hat mich nur müder gemacht und die Leere gleich mitgenommen, bis in den Abend hinein.
Was stattdessen half, kam nicht aus einer Übung. Ich stehe am Bindetisch, summe ohne nachzudenken eine alte Melodie, die meine Mutter immer vor sich hin summte, wenn sie kochte – und zum ersten Mal seit langem kommt kein Stich mit, kein Ziehen in der Brust, nur die Melodie und meine Hände im Grün.
Kein Zufall, glaube ich. Aber auch kein Beweis.
Der Laden reicht, wenn ich noch etwas zu geben habe – wenn die Ordnung am Bindetisch mich trägt statt mich zu erschöpfen. Er reicht nicht mehr, wenn ich merke, dass ich nur noch schneide, ohne hinzusehen. Dann gehe ich in den Bürgerpark, ohne Ziel, und lasse zu, dass dort nichts unter meiner Schere steht. Das eine ersetzt das andere nicht. Es sind zwei verschiedene Übungen derselben Naturverbundenheit, und ich habe aufgehört, mich zu fragen, welche davon die richtige ist.
Im A TOUCH OF ALOHA-Programm heißt diese Wahl zwischen Halten und Loslassen manchmal nur beiläufig, fast im Vorbeigehen, und ich bin froh darüber – ich brauche gerade keine große Theorie dazu. Kurz überlegt habe ich auch, ob POWER OF LOVE mit den 13 Clanmüttern der richtigere Weg gewesen wäre, weil mir nach Ingrids Tod eine weibliche Stimme gefehlt hat, die einfach nur da ist, ohne viel zu erklären. Vielleicht kommt das noch. Gerade reicht mir der Weg, den ich gehe.
Trauerbewältigung ist kein Rezept, das man abarbeitet
Ingrid hätte über die Idee gelacht, dass ihre Tochter jetzt hawaiianische Prinzipien in Trauerkränze webt. Sie war eine sehr bodenständige Frau, misstrauisch gegenüber allem, was nach Räucherstäbchen roch. Aber sie hätte auch als Erste verstanden, warum ich presse, was mich berührt hat, Blüte für Blüte zwischen die Seiten meines Notizbuchs.

Ahnenheilung ist dabei ein eigenes, großes Kapitel, das hier nicht hineinpasst, genau wie Schattenarbeit, energetischer Schutz für hochsensible Menschen, das Schärfen der Hellsinne, Erdung, Manifestation oder das, was man in den Kursen gern Herzöffnung nennt. Auch das Trommeln selbst als Übung, eine richtige schamanische Reise oder die Frage, wie Trauer sich in ein Leben integrieren lässt, ohne zu verschwinden, sind eigene Geschichten – genau wie die Frage, wie sich spirituelle Entwicklung überhaupt in einen ganz normalen Alltag integrieren lässt, oder was so eine Ausbildung an Zeit und Kraft tatsächlich kostet, jenseits von Geld. Was hier zählt, ist kleiner: eine Anemone, ein Park, eine Übung im Hinsehen.
Vielleicht ist es am Ende genau das, was wie der Aloha Spirit mein Leben im Bremer Viertel verändert: nicht einfacher, aber ehrlicher. Wenn dir die Verbindung zur Natur in deinem eigenen Alltag abhandengekommen ist, muss die Antwort nicht Hawaii heißen und auch nicht gleich ein ganzes Jahresprogramm wie A TOUCH OF ALOHA. Manchmal reicht ein Weg durch den Bürgerpark und die Bereitschaft, dort nichts zu binden.
Ich klappe mein Notizbuch jetzt zu. Morgen kommen neue Blumen in den Laden, und ich freue mich darauf, sie erst anzusehen, bevor ich sie schneide.
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