Das Bluetentagebuch

Was meine alte Katze mir über das Loslassen und den Moment beibringt

Zwetschge, meine fünfzehnjährige Schildpatt-Katze, sitzt seit einer Weile regungslos auf dem Küchenfensterbrett, den Blick auf etwas gerichtet, das ich nicht sehen kann. In ihrer Haltung liegt nichts, was nach Suche aussieht, kein Loch, das gefüllt werden müsste – nur ein Tier, das vollständig da ist, ohne Rest. Genau das versucht meine spirituelle Ausbildung zur Trauerbewältigung mir beizubringen, und genau das gelingt mir mit Büchern und Vorsätzen nie: dass Präsenz kein Gefühl ist, das man sich erarbeitet, sondern ein Zustand, den der Körper längst kennt.

Kurzer Hinweis, bevor ich weiterschreibe: Dieser Text enthält Affiliate-Links, unter anderem zu POWER OF LOVE, dem einjährigen Programm mit den 13 Clanmüttern, in dem ich selbst gerade stecke. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine Provision, ohne dass sich für dich am Preis etwas ändert. Ich schreibe nur über das, was ich selbst bezahle und in meinem eigenen Laden-Alltag durchlebe, nicht als neutrale Bewertung, sondern als jemand, die mittendrin steckt.

Meine Mutter Ingrid starb im März 2024, sieben Wochen nach der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ich hatte gedacht, ich könnte mit dem Sterben umgehen, immerhin binde ich seit Jahren Trauerkränze und kenne die Rituale in- und auswendig. Aber danach kam kein Trauergefühl im gewohnten Sinn, sondern ein leerer Raum, von dem ich nicht wusste, wie ich ihn wieder füllen sollte.

Was Zwetschge mir zeigt, lässt sich nicht meditieren und nicht erklären, aber es lässt sich an ein paar sehr konkreten Dingen festmachen. Drei davon beschäftigen mich gerade am meisten: das Signal, an dem ich merke, dass ich nicht da bin, die Bewegung, mit der ich mich zurückhole, und die eine Sache, die bei mir überhaupt nicht funktioniert hat.

Zwetschge sucht kein Loch

Alltagsspiritualität im Blumenladen: Floristenhände sortieren frische Eukalyptuszweige im Abendlicht

Das Signal ist fast immer dasselbe: Ich fange an, nach etwas zu suchen, das den leeren Raum in mir stopfen soll, eine Erklärung, eine nächste Aufgabe, ein Gefühl, das endlich kommen soll. Manche in meinem Kurs nennen das innere Leere, ich sage meistens einfach das Loch.

Trauerintegration, so wie sie in meinem Programm verstanden wird, bedeutet nicht, dass der Verlust irgendwann kleiner wird, sondern dass er einen festen Platz bekommt, an dem er nicht mehr ständig nach vorne drängt. Bei mir zeigt sich das selten in großen Einsichten, eher in kleinen Szenen: wenn ich merke, dass ich schon wieder plane, obwohl gerade nichts zu planen ist, oder wenn ich zum dritten Mal dieselben Blüten sortiere, nur damit meine Hände etwas zu tun haben.

Auch im monatlichen Frauenkreis, zu dem ich fahre, kommt dieses Thema fast jedes Mal auf. Zwetschge kennt dieses Muster nicht. Sie liegt auf den Dielen, ohne zu prüfen, ob gerade genug passiert, und steht auf, wenn ihr danach ist, nicht, weil ein Plan es verlangt.

Alltagsspiritualität zwischen Eimern und Öffnungszeiten

Trauerbewältigung im Alltag: eine alte Schildpatt-Katze liegt reglos in einem Lichtstreifen auf Holzdielen

Am Nachmittag greife ich oft in einen der Eimer mit Schnittblumen, und die Kälte des Wassers fährt mir bis in die Fingerknöchel, ein kurzer, klarer Schock, der mich für ein paar Sekunden vollständig ins Jetzt zieht. Auf dem Blumengroßmarkt in Mahndorf, wo ich morgens einkaufe, passiert mir Ähnliches zwischen den Ständen, wenn die Kälte der Halle durch die Jacke kriecht und ich für einen Moment an nichts anderes mehr denken kann als an die Blüte in meiner Hand.

Erdung, so nennen wir das im Kurs, und ich habe lange gedacht, dafür bräuchte ich eine Übung mit geschlossenen Augen. Inzwischen reicht mir ein Eimer Wasser.

Körperliche Symptome sind dabei oft ehrlicher als jeder Gedanke: ein Kloß im Hals bei einem bestimmten Lied, kalte Hände, ein plötzliches Gähnen mitten in einer Trommelreise. Alltagsintegration nennt meine Kurslehrerin das, wenn Übungen nicht auf dem Kissen bleiben, sondern in den Laden einsickern, in die Art, wie ich einen Strauß binde oder eine Kundin begrüße.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum Selbstmitgefühl gerade der Teil meiner spirituellen Ausbildung ist, den ich am wenigsten überspringen kann. Hellsinne trainieren viele im Kurs sehr bewusst, bei mir zeigt sich das eher unspektakulär: dass meine Hände manchmal wissen, welche Blüte als nächstes dran ist, bevor ich es entschieden habe.

Warum der Wein am Abend nicht geholfen hat

Frauenkreis-Erfahrung im Notizbuch: eine gepresste Ranunkel neben einer alten Blumenschere

Eine Weile habe ich mir abends ein Glas Wein eingeschenkt, wenn die Leere zu groß wurde. Das hat eine Zeit lang funktioniert, das muss ich zugeben. Bis es das nicht mehr tat, und ich morgens mit einem schwereren Gefühl aufwachte als am Abend davor.

Das war keine dramatische Entscheidung, es hat sich einfach verbraucht. Was bleibt, ist eine kleine Vorsicht, mit der ich jetzt genauer hinschaue, wenn ich abends zur Flasche greifen will, und die Frage, ob ich gerade etwas fühlen oder etwas nicht fühlen will.

Mein Notizbuch macht das anders. Spirituelles Tagebuchschreiben, wie ich es seit August 2024 betreibe, presst keine Gefühle weg, sondern Blüten hinein. Neulich habe ich eine Anemone für Klarheit zwischen die Seiten gelegt, nicht weil ich etwas verstanden hätte, sondern weil ich gerade akzeptiere, dass ich nichts verstehe. Trommelreisen gehören zu meinem Kurs dazu, aber das ist ein anderes Thema als das, worüber ich heute Abend schreibe.

Ich bin keine Ärztin und keine Therapeutin, nur eine Floristin, die versucht, den eigenen leeren Raum langsam wieder zu füllen. Wenn dich Trauer im Moment lähmt, sprich bitte mit deinem Hausarzt oder einer approbierten Psychotherapeutin, ein Jahresprogramm ersetzt das nicht, bei mir nicht und bei dir auch nicht. Mir hilft es zu sehen, wie sich nach einer schamanischen Sitzung manchmal etwas löst, ohne dass ich es sofort erklären kann, aber ich weiß inzwischen auch, dass jede Katze und jeder Mensch ihr eigenes Tempo haben.

Wenn du selbst merkst, dass du gerade nach einem Rahmen suchst, um deine eigene Leere zu verstehen, kannst du dir das Jahresprogramm POWER OF LOVE in Ruhe ansehen. Es verlangt keine Perfektion, nur Zeit, und Zeit ist ohnehin das Einzige, was Zwetschge mir jeden Tag ganz selbstverständlich vorlebt.

Zwetschge schläft längst. Ich bleibe noch ein bisschen wach, ohne einen Grund zu brauchen.

Mal kurz:
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